Kultur, Litsaloon
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#Litsaloon Folge 1: “Bodentiefe Fenster”

J: Genau. Antiautoriäre Erziehung hat eben diese Gefahr: Wenn man dem Kind keinerlei Grenzen setzt, muss es sich eigene setzen. Das muss man auch erstmal schaffen. Und dieses Überangebot an Freiheit kann letztendlich nur zu Unzufriedenheit führen, denke ich. Von beidem ist Sandra ganz offensichtlich überfordert, was man ihr nicht übelnehmen kann. Sie sehnt sich bei aller Freiheit und allen Optionen offensichtlich vor allem nach Sicherheit. Aber wer gibt ihr die? Ich sehe in ihrem nahen Umfeld da niemanden.

S: Selbst ihr Job gibt ihr keine Sicherheit, sie ist ja FREIE Journalistin ..

J: Eben, und auch noch eine mit wenig Elan. Okay, mit zwei Kindern ist das auch nicht einfach. Aber ein strukturierter Alltag aka. Festanstellung würde ihr sicherlich mehr Halt geben – aber ich bin mir gar nicht sicher, ob sie das wollen würde. Es scheint so, als könne sie sich nicht entscheiden zwischen Freiheit und Sicherheit. Dabei kann man das ja durchaus unter einen Hut bekommen.

S: Das ist schließlich auch eine der wesentlichen Fragen, nicht nur des Buches: Wie viel Freiheit und wie viel Sicherheit brauchen wir? Und wie viel vom einen sind wir bereit für das andere aufzugeben? Eigentlich eine drängende gesellschaftliche Frage im Kleinen. Das Buch spaltet dich in dein Leser – und dein Literaturwissenschaftler-Ich. Die Drama-Queen von Erzählerin strapaziert bisweilen dein Nervenkostüm. Würdest du vom Buch abraten?

Dieses Buch hat mich herausgefordert und stellenweise wirklich an meine Grenzen gebracht.“

J: Nein, abraten würde ich auf gar keinen Fall! Bücher müssen gar nicht immer weich wie eine Kuscheldecke sein, sie sollen sogar gelegentlich unbequem sein! Dieses Buch hat mich herausgefordert und stellenweise wirklich an meine Grenzen gebracht – möglicherweise erkenne ich zu viel von mir selbst in der Protagonistin wieder. Aber jeder liest diesen Roman auf eine andere Art und Weise und deshalb würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen!

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