Alle Artikel in: Klassiker

Raymond Carver – Würdest du bitte endlich still sein, bitte

Raymond Carver (1938-1988) war ein amerikanischer Schriftsteller. Er studierte am Chicago State College Creative Writing und veröffentlichte zu Lebzeiten in vielen Zeitschriften seine Kurzgeschichten. Carver wird dem literarischen Minimalismus zugerechnet. Zu großer Berühmtheit gelangte Carver durch den Erzählband Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden, der auch im Rahmen des Fischer Klassiker Programms neu gestaltet veröffentlicht wurde. Carver thematisierte das Leben des armen, weißen Amerikaners, der verzweifelt und von persönlichen Tragödien gezeichnet an eben diesem Leben zerbricht. Raymond Carver ist ein schwieriges Kapitel. Spricht man von ihm, muss man unweigerlich auch seinen Lektor Gordon Lish erwähnen, der, nach heutigem literaturwissenschaftlichen Stand, mehr als nur kleine Schönheitskorrekturen an Carvers Texten vorgenommen hat. Das behalten wir im Hinterkopf, wenn wir von Carvers lakonischem Stil sprechen. Seine Themen – Alkoholsucht, Verrat, Betrug, Gewalt, Verzweiflung und Einsamkeit – sind Themen, die ihn wohl auch in der ein oder anderen Weise selbst betroffen haben. Carver kam aus dem Milieu, für das er schrieb. Seinen Geschichten haftet eine Schwere an, die schwierig in Worte zu fassen ist. Charakteristisch für diesen oben …

Michail Bulgakow – Hundeherz

Michail Bulgakow (1891-1940) war ein russischer Schriftsteller und gilt als einer der größten Satiriker der russischen Literatur. Eines seiner berühmtesten Werke ist sicherlich Der Meister und Margarita, hier vorliegende Parabel war in der Sowjetunion bis 1987, über fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen, verboten. Es ist Mottowoche! “Hunde, die eigentlich keine sind.” Nein, selbstverständlich nicht, – es passte bloß so hervorragend zu Mr.Chartwell, das ich diese Verbindung kurz hervorheben musste, auch wenn sie tatsächlich bloßer Zufall ist, der mir erst später auffiel. Mit Hundeherz ist es eine ganz interessante Geschichte, denn man hielt es damals für derart brisant, scharfzüngig und gefährlich, dass es unmöglich an die Öffentlichkeit gelangen durfte. Bulgakows Verleger ließ über ein Parteimitglied ausrichten: Sie ist eine ätzende Attacke auf unsere gegenwärtigen Verhältnisse und kommt auf keinen Fall für eine Veröffentlichung in Betracht … Was ist nun also so schlimm daran, dass man diese Parabel jahrzehntelang in der Versenkung verschwinden ließ? Eigentlich finden wir hier den sowjetischen Frankenstein. Der Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski sammelt auf der Straße einen halb verhungerten und verletzten Hund auf und …