Alle Artikel mit dem Schlagwort: valerie fritsch

Bitte übernehmen Sie, Valerie Fritsch!

© Jasmin Schuller / Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. Mit dem Lesen. Erst all die Kinderbücher mit ihren karierten Uhus und Valeries auf Gute Nacht Schaukeln, die nie ins Bett wollen, und später alle Geschichten über die Liebe und die französischen Existenzialisten. Bücher zu lieben, war die Vorstufe sie zu schreiben. In der Schule begann ich als Fingerübungen mit Nacherzählungen, Aufsätzen, Erörterungen, die so übertrieben phantastisch, hochgestochen und barock waren, als wären es nicht nach dem Millennium, aber doch weit vor 1900 gewesen. Ein Buch muss.. nichts, aber darf alles. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich wohl nicht mit so verschiedenen Dingen auseinander setzen, ganze Sonntage Fachartikel über Beinamputationen lesen oder in Bordellen mit den Damen plaudern und es Recherche nennen. Ein Kindheitstraum von mir war.. um die Welt zu reisen und gemeinsam mit meinem Vater alle Zootiere zu befreien, verwegen wie Tom Sawyer zu sein und so schön wie meine Mutter, groß zu werden und große Dinge zu tun. Wenn ich nicht schlafen kann.. räume ich wild und zu …

Valerie Fritsch – Winters Garten

In der Geschichte der Menschheit wurde oft genug der Weltuntergang prophezeit. Was aber geschieht, wenn er tatsächlich eintritt – und man noch imstande ist, bewusst dem Ende entgegenzuleben – erzählt Valerie Fritsch in ihrem poetisch-apokalyptischen Roman ,Winters Garten’. Anton Winter wächst in einer nahezu paradiesischen, aber von städtischer Modernität vollkommen unberührten Gartenkolonie auf. Gemeinsam mit seinen Geschwistern, Eltern und Großeltern erlebt er dort eine unbeschwerte Harmonie, ein Lebensgleichgewicht, das es so später nicht mehr geben wird. Anton ist, selbst als Kind, auf nahezu spirituelle Weise eins mit der Welt, erlebt Geburten und den Tod gleichermaßen, erkennt den Lauf der Dinge als gegeben und akzeptiert ihn widerstandslos. Während seine Eltern ihm eher in sich gekehrt und abwesend erscheinen, kann er von den Geschichten seiner Großeltern kaum genug bekommen. Sie formen ihm eine Welt außerhalb des Gartens, denn den verlässt er nicht. Zwar gibt es weiter entfernt eine Stadt am Meer, doch die kennen die meisten nur vom Hörensagen. Niemanden zieht es dorthin. Unsere Gesellschaft, wie wir sie kennen, hat sich ohnehin längst aufgelöst. Die Gartenkolonie war …