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Truman Capote – Andere Stimmen, andere Räume

Truman Capotes 1948 erschienenes Erstlingswerk ist eine verspielte, flirrende Geschichte von Entfremdung und Erwachsenwerden. Auf dem Cover der lasziv und unschuldig in die Kamera blickende Capote, der später behaupten sollte, das vergleichsweise skandalöse Foto sei mit keinerlei Hintergedanken ausgewählt worden. Zwischen den Buchdeckeln der dreizehnjährige Joel Knox, den so manches mit seinem Schöpfer verbindet. Bereits auf den ersten Seiten dieses Debüts entwirft der 24-jährige Truman Capote eine lebendige und sinnliche Szenerie von großer Anziehungskraft. Joel Knox ist auf dem Weg zu seinem Vater nach Noon City, einem Ort, der mit dem Begriff Provinznest vermutlich noch geadelt wäre. Jedenfalls heißt es, “es fahren weder Züge noch Busse dorthin”. Der einzige Weg in die abgelegene Gegend führt über den Beifahrersitz eines Lastwagens, häufig den von Sam Radclif. Dank Capotes eindringlichen Bildern formiert sich sehr früh die Idee einer märchenhaften und verzauberten Parallelwelt, abgeschnitten vom Rest, gastfreundlich zwar, jedoch immer durchzogen mit einer Atmosphäre des Unbegreiflichen und Feindseligen. Schon auf der ersten Seite wird dem Landstrich ein sprachliches Denkmal gesetzt. Ein einsamer Landstrich ist das; und in den …

Truman Capote – Wo die Welt anfängt

Es war im letzten Jahr eine erfreuliche Überraschung, als sich vernehmen ließ, dass bisher unveröffentlichte Erzählungen Truman Capotes aufgetaucht seien. Ursprünglich waren Anuschka Roshani und Peter Haag bloß auf der Suche nach weiteren Fragmenten von Capotes unvollendetem Opus Magnum ,Erhörte Gebete‘. Stattdessen fand man eben diese Erzählungen, die Truman Capote irgendwann zwischem seinem 14. und 16. Lebensjahr verfasst haben mag. Sie sind voller Wärme und Mitgefühl für die Einsamen und Ausgestoßenen. Das ZEIT-Magazin druckte im letzten Oktober vorab bereits vier Kurzgeschichten als Vorgeschmack auf den nun bei Kein & Aber erschienenen Erzählband ,Wo die Welt anfängt’. (eine im Magazin vorab bereits gedruckte Geschichte, “Samstagnacht” fehlt allerdings, sie handelte von der folgenreichen Begegnung eines schwarzen Liebespaars). Viele der Erzählungen sind Erstveröffentlichungen, manche sind bereits in den 40er Jahren in der Highschool Zeitung “The Green Witch” erschienen. Capote hatte früh den Entschluss gefasst, Schriftsteller zu werden und arbeitete so hart wie diszipliniert an seinem Vorankommen. Mehrmals gewann er Schreibwettbewerbe. Und tatsächlich ist erstaunlich, wie reif seine Erzählungen bereits klingen, wie sehr sie geprägt sind von dem Einfühlungsvermögen …

Truman Capote – Erhörte Gebete

Es sollte sein opus magnum werden, sich an Proust messen und Gesellschaftsporträt der Reichen und Schönen sein. Bei seinem erstmaligen Erscheinen im Esquire 1976 wurde allerdings schnell klar, dass sich Truman Capote, der in den Kreisen der High Society bis dahin ein gern gesehener Gast gewesen war, für viele zu einer persona non grata entwickelte. ,Erhörte Gebete’ wurde nie beendet. Veröffentlicht wurden letztlich – auch in dieser Ausgabe – drei Kapitel des Gesamtwerks. Zwar sagte Capote seinem Verleger immer wieder, er habe noch mehr geschrieben, gefunden wurde jedoch nach seinem Tod nichts. (Yachten und dergleichen gehörte als Kapitel ursprünglich einmal dazu und wurde mit anderen Erzählungen separat veröffentlicht) Es ist bis heute unklar, ob Truman Capote das nur unter dem steigenden Druck des geschlossenen Vertrages behauptete oder ob bis heute tatsächlich in einem unbekannten Bankschließfach womöglich Teile des Manuskripts unberührt ihrer Entdeckung harren. Gegenstand der Suche jedenfalls sind die vermeintlich verlorenen Kapitel noch immer. Spätestens nach seinem Tatsachenroman ,Kaltblütig‘ war Truman Capote in aller Munde und schon vorher gern gesehener Partygast der New Yorker Upper …

Der junge Capote

Es ist irgendwie schon eine kleine literarische Sensation. Eigentlich waren Anuschka Roshani und Verleger Peter Haag auf der Suche nach weiteren Fragmenten von Capotes Skandalwerk ,Erhörte Gebete‘, das um 1975 mit einem einzigen veröffentlichten Kapitel den Bruch zwischen Truman Capote und der New Yorker High Society markierte. Stattdessen fanden sie etwas Anderes. Frühe und bislang unveröffentlichte Erzählungen des Autors, die der schätzungsweise Anfang der 40er Jahre schrieb. Capote war vielleicht 17, kaum abzusehen, dass es den kleinen Jungen aus Alabama einmal in die Upper Class der Schönen und Reichen führen würde. Und doch klingt in den vier Erzählungen, die erstmals im aktuellen ZEIT-Magazin zu lesen sind, schon der empfindsame und empathische Autor an, der sich mit Romanen wie ,Sommerdiebe‘, ,Frühstück bei Tiffany‘ und ,Kaltblütig‘ einen Namen machen wird. Capote erzählt von einer alten sonderlichen Dame, die von allen Bewohnern einer Kleinstadt wegen ihrer Zurückgezogenheit kritisch beäugt wird. Von einem Jungen, dessen Eltern sich mehr um Sektempfänge kümmern als um ihren Sohn. Von Schlägereien in einer Samstagnacht zwischen zwei ,Niggern’, die in der Übersetzung Ulrich Blumenbachs …