Alle Artikel mit dem Schlagwort: lyrik

Renate Aichinger – wundstill

Lyrik ist ein literarisches Nischenprodukt. Man sollte sie nicht unterschätzen, doch ein großes Publikum findet sie in der Regel nicht. Was – nicht nur -, aber auch im Falle von Renate Aichinger sehr schade ist. Denn ihre gekonnte Wortjonglage mit kritischem Unterton ist lesenswert. Sie sensibilisiert für Sprache und Zwischenräume, in Worten wie in Gedanken. shoppen heißt das zauberwort photoshoppen Renate Aichingers Gedichte sind selten ausufernd. Oft erstrecken sich die reimlosen Verse nur über einige wenige Zeilen. Und doch wohnt ihnen manches Mal eine Kraft inne, die man dieser kleinen Gruppe Wörter unmöglich zugetraut hätte. Aichinger spielt mit Worten, ihren einzelnen Teilen, ihren Komposita. Kunstfertig wechselt sie die Kontexte, in denen plötzlich der Bedeutungsgehalt eines Wortes ein ganz anderer ist; zerlegt sie, setzt sie neu zusammen. Durch Auslassungen schafft sie neue Zusammenhänge, Raum für die Projektion des Lesers. Ihre Gedichte befassen sich überwiegend mit einer Gesellschaft am Abgrund, mit den unweigerlich aktuellen Themen und Problemen unserer Zeit. Korruption, Gier, der Angst vor dem Abstieg, Einsamkeit. Man kann von Glück sagen, dass Lyrik so eine verdichtete …

Bitte übernehmen Sie, Lütfiye Güzel!

Das Schreiben begann für mich.. …mit dem Scheitern. Ein Buch muss.. …gelesen werden. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …davon träumen. Ein Kindheitstraum von mir war.. …ein Buch zu schreiben. Wenn ich nicht schlafen kann.. …denke ich. Völlig unterschätzt wird.. …die Einsamkeit. Wenn ich Musik höre, dann.. …erinnere ich mich an mich. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Notizzettel und Stifte. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. …”normal” zu tun. Literatur kann.. …die letzte Zuflucht sein. Lütfiye Güzel, 1972 in Duisburg geboren, ist Lyrikerin und Autorin. Ihre bisherigen drei  Bücher sind beim Verlag Dialog-Editon erschienen. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leitet sie auch Poetry-Workshops. Im Mai 2014 wurde Lütfiye Güzel mit dem Fakir Baykurt Kulturpreis der Stadt Duisburg ausgezeichnet.  

Die wundersame Buchvermehrung

An Weihnachten oder äquivalenten Festtagen wünscht sich der Leser ja doch häufig neuen Lesestoff. Ganz gleich, ob er – praktisch gesehen – noch genügend hätte, über’s Jahr haben sich so viele neue Wünsche angesammelt, dass ein paar dieser Wünsche dann auch auf wundersame Weise in Erfüllung gehen (müssen). Gestartet von Sätze&Schätze begannen nun immer mehr Buchblogger, über ihre wundersame Buchvermehrung an Weihnachten zu berichten. Mit dabei sind auch Philea’s Blog und Susanne Haun. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es doch mindestens genauso interessant, seinen eigenen Buchzuwachs zu betrachten wie den der anderen. Wohlwissend, dass meine hiesigen Regale zweifellos mit dem vorhandenen Lesestoff gut ausgelastet sind, hatte ich beschlossen, mir dieses Jahr doch die eine oder andere praktiakble Lektüre zu wünschen. Bücher über das Schreiben. Von Kritiken und ganz allgemein. Und da fiel meine Wahl auf Stephan Porombka und Roy Peter Clark. Stephan Porombka ist Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK Berlin und gibt mit seinem Trainingsbuch ganz konkrete Anweisungen. Schreibenlernen ist auch Arbeit, es bedeutet, mit offenen Augen und Ohren durch die …

Georg Kreisler – Die Zukunft wie sie war [Texte]

Am 22.November jährt sich Georg Kreislers Tod bereits zum zweiten Mal. Wenige Kabarettisten und Chansonniers, Lyriker und Schriftsteller haben so nachhaltigen Einfluss auf ihr Genre ausgeübt wie Georg Kreisler. Zahllose, heute im Bereich des Liedermachens Tätige, berufen sich auf diesen Großmeister des schwarzen Humors, aber auch der klaren und deutlichen Worte. Vom Uhu bis zum Salamander erschuf der Himmel ein Gedicht So schön passt alles zueinander doch der Mensch passt nicht 1922 in Wien geboren und jüdischer Herkunft, flieht er 1938, nach der Annektierung Österreichs, mit seinen Eltern in die USA. Er versuchte, als Komponist und Pianist ins Filmgeschäft einzusteigen, wurde jedoch 1943, nun als amerikanischer Staatsbürger, zur US-Armee eingezogen. Als er nach dem Krieg in die USA zurückkehrt, gelingt ihm der Einstieg in die amerikanische Traumfabrik Hollywood, er arbeitet mit Charlie Chaplin und Hanns Eisler zusammen, insgesamt bleibt sein Erfolg aber mäßig. Man merkt auch an den Orden, wer die Leute wirklich sind Wenn einer ein Verdienstkreuz hat, dann hat er viel verdient Und weiß er nicht wofür und weiß er nicht worauf, dann …