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Als der Wind von Abend wehte

Sprache ist im Wandel. Und so wie manch ein Wort unversehens Eingang in den täglichen Sprachgebrauch findet, von dem wir uns fragen, wie es so plötzlich aus dem Nichts auftauchen konnte, verschwinden mit fortschreitender Zeit auch immer wieder vereinzelt Ausdrücke, mit denen wir nichts mehr anfangen können. Wenn der Wind früher von Abend wehte, war das nicht etwa eine tageszeitabhängige meteorologische Ausnahmeerscheinung, sondern die schlichte Feststellung, das Lüftchen wehe von Westen her. Und wer des Abends nach getaner Arbeit scherzhaft einen Arbeitersekt verlangte, bekam ein schlichtes Mineralwasser verabreicht. Bescheidene Verhältnisse, bescheidene Getränke. Wir alle kennen noch Worte, die man eigentlich nicht mehr verwendet, manch einer ist sprachlich nahezu krankhaft nostalgisch. So wie Preising, einer der Protagonisten in Jonas Lüschers Roman ,Frühling der Barbaren’. “Pass auf”, sagte er, “ich werde es dir beweisen, und zu diesem Behufe werde ich dir eine Geschichte erzählen.” Das war auch so eine von seinen Angewohnheiten, Worte zu verwenden, von denen er sicher sein konnte, dass er der Einzige war, der sie noch im Repertoire hatte.” Allerenden, danieden, derohalben, forthin, lustwandeln, …