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Der junge Capote

Es ist irgendwie schon eine kleine literarische Sensation. Eigentlich waren Anuschka Roshani und Verleger Peter Haag auf der Suche nach weiteren Fragmenten von Capotes Skandalwerk ,Erhörte Gebete‘, das um 1975 mit einem einzigen veröffentlichten Kapitel den Bruch zwischen Truman Capote und der New Yorker High Society markierte. Stattdessen fanden sie etwas Anderes. Frühe und bislang unveröffentlichte Erzählungen des Autors, die der schätzungsweise Anfang der 40er Jahre schrieb. Capote war vielleicht 17, kaum abzusehen, dass es den kleinen Jungen aus Alabama einmal in die Upper Class der Schönen und Reichen führen würde. Und doch klingt in den vier Erzählungen, die erstmals im aktuellen ZEIT-Magazin zu lesen sind, schon der empfindsame und empathische Autor an, der sich mit Romanen wie ,Sommerdiebe‘, ,Frühstück bei Tiffany‘ und ,Kaltblütig‘ einen Namen machen wird.

trumanCapote erzählt von einer alten sonderlichen Dame, die von allen Bewohnern einer Kleinstadt wegen ihrer Zurückgezogenheit kritisch beäugt wird. Von einem Jungen, dessen Eltern sich mehr um Sektempfänge kümmern als um ihren Sohn. Von Schlägereien in einer Samstagnacht zwischen zwei ,Niggern’, die in der Übersetzung Ulrich Blumenbachs auch weiterhin so genannt werden, um dem Entstehungskontext der Geschichte Rechnung zu tragen. Ja, in ,Das Grauen im Sumpf‘ finden sogar ein Junge und ein Sträfling mit fatalen Konsequenzen in einem dichten Waldstück zusammen. In einem außerdem enthaltenen Interview mit Gerald Clarke, einem langjährigen Freund und Biograph Capotes, wird deutlich: wenige konnten sich so in einen anderen hineinfühlen, ein Stück in den Schuhen des anderen gehen wie Truman Capote.

Er erzählte Geschichten und Witze, und er hatte diese unglaubliche Gabe, Intimität herzustellen. Er konnte zuhören und sich in dich hineinfühlen. Er wurde umgehend dein bester Freund – wenn er dich mochte.

Seine Charaktere jedenfalls schätzte Truman Capote sehr, das merkt man diesen frühen Geschichten deutlich an. Steckte doch in vielen von ihnen diese tiefe Verlassenheit, die Capote selbst zeit seines Lebens mit sich trug, selbst wenn er unter Menschen war. Diese vier Geschichten, in Vorgeschmack auf die Buchform, lohnen jedenfalls ohne Zweifel die Lektüre! 2015 sollen dann die frühen Erzählungen bei Kein & Aber erscheinen – Titel: Wo die Welt anfängt. Ab zum Kiosk also!

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