Alle Artikel mit dem Schlagwort: zweiter weltkrieg

Johannes Böhme über “Das Unglück schreitet schnell”.

In seinem bedrückenden Tatsachenroman Das Unglück schreitet schnell rekonstruiert Johannes Böhme ein Stück Familien- und Kriegsgeschichte. Hermann Bartens ist der erste Mann von Johannes’ Großmutter. Viel Zeit haben beide nicht miteinander, bevor der Krieg ausbricht. Aus dem Feld schreibt er Briefe nach Hause, immer um Fassung bemüht und die Grauen aussparend, die sich um ihn herum abspielen und die er selbst anrichtet. Aus Stalingrad kehrt er nicht mehr nach Hause zurück. Ich habe mit Johannes Böhme über sein Buch gesprochen. Was hat für dich den Anstoß gegeben, dieses Buch zu schreiben? Der erste Anstoß war ein Leseerlebnis, das schon etwas zurückliegt. Ich habe als ich 2015 in Paris gelebt habe, HHhH (Himmlers Hirn heißt Heydrich) von Laurent Binet gelesen. Das Buch erzählt die Ermordung Reinhard Heydrichs, die “Blonde Bestie”, den Gestapo-Chef und Organisator des Holocausts, durch zwei tschechoslowakische Widerstandskämpfer. Binet verbindet diese Geschichte eines Attentats mit Reflexionen über historische Wahrheit, mit seinen eigenen Beobachtungen über Prag, Tschechien, die Slowakei und irgendwie hatte ich damals das Gefühl, dass genau so eine zeitgemäße Art und Weise aussieht, …

Ludwig Laher – Bitter

Ludwig Laher ist ein österreichischer Autor. In Linz geboren, studierte er Germanistik, Anglistik und Klassische Philologie und arbeitete zunächst als Gymnasiallehrer. Seit 1998 ist er als freier Schriftsteller tätig und erhielt zahlreiche Literaturpreise und Stipendien. 2011 stand er mit seinem Roman ,Verfahren’ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. ,Bitter‘ ist sein neuester Roman und erschien im Wallstein Verlag. Es ist kein Geheimnis, dass viele hochrangige NS-Funktionäre nach Gründung der Bundesrepublik ihre jeweiligen Karrieren in Amt und Würde weitgehend ungehindert fortsetzen konnten, so sie sich nicht, wie zum Beispiel Adolf Eichmann und Josef Mengele, ins Ausland abgesetzt hatten. Diese lockere bis (bewusst) schlampige Verfahrensweise galt als eine der Triebfedern der 68er-Bewegung. Während die alte Generation die Vergangenheit ruhen lassen wollte, forderten die Kriegskinder vehement Aufklärung. Ludwig Laher führt uns nun einen schnittigen und wendigen Juristen vor, der als Sturmbannführer bei der SS und Gestapo-Offizier den Tod vieler Menschen zu verantworten hatte – und dafür weitgehend ungestraft blieb. Der junge Fritz Bitter ist einer von Tausenden Hingerissenen, ein Erweckungserlebnis ist der Linzer Riesenauflauf jedoch nicht für ihn. …