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Wolfgang Popp – Wüste Welt

Mit “Die Verschwundenen” präsentierte Wolfgang Popp im letzten Jahr vermutlich einen der originellsten Erzählbände des Jahres. Im Zentrum seines aktuellen Romans steht eine Bruderrivalität, die bis in die Wüste Marokkos führt. “Wüste Welt” ist ein mystischer und ätherischer Roman, der sich streckenweise wie eine Fata Morgana anfühlt. Sie sind Brüder, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine so leidenschaftslos und kontrolliert wie ein Uhrwerk, rational und pragmatisch bis in die Haarspitzen. Der andere ein Abenteurer, eine Naturbegabung, ein dynamischer Jungspund, dem alles gelingt, was er anpackt. Und der selbst aus dem, was ihm misslingt, noch einen Vorteil für sich herausschlägt. In seiner Kindheit und Jugend wurde der Ältere von beiden stets vom Jüngeren überflügelt. Immer, wenn er glaubte, etwas nur für sich zu haben, wurde es nur kurze Zeit später vom hochbegabten Bruder vereinnahmt. Immer war dieser Bruder präsent, selbst wenn er nicht körperlich anwesend war. Als unerreichbarer Orientierungspunkt am Horizont, durch den die eigene Unzulänglichkeit nie auch nur für einen kurzen Moment außer Sicht gerät. Der Protagonist sagt sich von seinem Bruder los …

Wolfgang Popp – Die Verschwundenen

Auch wenn wir uns manchmal dessen gar nicht bewusst sind: Jeden Tag verschwinden Menschen aus unserem Fokus, die wir einmal kannten. Manche gut, andere nur flüchtig, in ganz verschiedenen Kontexten. Wenn wir manche davon wiedertreffen, ist Vieles ganz anders geworden, haben sich Leben und Prioritäten plötzlich verschoben. Was früher einmal passte, kann heute Reibung verursachen. Wolfgang Popp erzählt gekonnt von Wiederbegegnung und Verlusten und strickt dabei ein Netz, das über die Grenzen der einzelnen Geschichten hinaus wirkt. Keiner tauscht sich so offen aus, bemerkte ich erstaunt, wie zwei Fremde im Schutz ihrer Fremdheit. Ein Hotelkritiker trifft in Neapel auf einen ehemaligen Lehrer, der damals überraschend und plötzlich gekündigt hatte und aus der Stadt verschwunden war. Ein sterbender Jugendfreund bittet den anderen nach Jahren der Funkstille seine Notizen in Buchform zu gießen und zu veröffentlichen. Nicht Eulen nach Athen, sondern das Foto eines vermeintlich ausgestorbenen Käuzchens wollen zwei alte Freunde aus Griechenland heraustragen, um ein hohes Preisgeld einzustreichen. Ein Mann entscheidet sich mit seinem Liebhaber für eine Expedition zu den südamerikanischen Pequod und wird über die …