Alle Artikel mit dem Schlagwort: voland & quist

Francis Nenik – Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert

Dass über Hasso Grabners Leben nicht schon diverse Biographien und wendungsreiche Biopics für die Leinwand existieren, wird nur durch einen allzu menschlichen, wenn auch bedauerlichen Umstand erklärlich: das Vergessen. Dass ein Mensch oder ein Werk dem gesellschaftlichen Vergessen zum Opfer fällt, hat in der Regel viele Gründe. Gut nur, dass man dieses Vergessen auch wieder rückgängig machen kann. Wüsste man nicht, dass Hasso Grabner keine Erfindung ist, man könnte Neniks Buch für einen gelungenen Schelmenroman halten. Im Mittelpunkt ein Protagonist, der von den historischen Wendungen des 20. Jahrhundert mal hier hin, mal dorthin getrieben wird und wie durch ein Wunder dem berühmten Lauf der Geschichte immer wieder ein Schnippchen schlägt, abseitige Pfade erschließt, unverschämtes Glück hat. Grabner, geboren 1911 in Leipzig, absolviert eine Buchhändlerlehre, an die er mehr zufällig gerät, weil er sich in ein Gespräch einmischt. Mit 18 schließt er sich dem kommunistischen Jugendverband an, verteilt einschlägige politische Schriften und gerät nach 1933 durch seine illegale Arbeit ins Visier der erstarkenden Nationalsozialisten. Es folgt nach einer Veurteilung ein Gefängnisaufenthalt, danach landet Grabner im KZ …

Roman Simić – Von all den unglaublichen Dingen

Roman Simić ist ein kroatischer Autor und Verlagslektor. Simić war Herausgeber der wichtigsten kroatischen Literaturzeitung Quorum und ist noch Organisator und Programmdirektor des Festival Of European Short Story. Er gewann bereits mehrfach den Goran Preis für junge Dichter. Ich habe bereits Simićs ersten Erzählband ,In was wir uns verlieben‘ hier besprochen, ,Von all den unglaublichen Dingen‘ erschien im September 2013 wie sein Vorgänger bei Voland und Quist in der Übersetzung von Brigitte Döbert. ,Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen‘, schrieb Ludwig Wittgenstein. Vielleicht könnte man diesen Leitsatz etwas modifizieren und sagen: Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schreiben. Von unglaublichen, unsagbaren Dingen, die erst mittels Sprache Gestalt annehmen. So jedenfalls erscheint es einem, wenn man Roman Simićs Erzählungen liest. Sie alle handeln von Menschen in Einsamkeit, in Extremsituationen, abgeschnitten von der Alltäglichkeit. In allen seinen Geschichten spielt der Kroatienkrieg Anfang der 90er eine zentrale Rolle, wie ein konstanter Ton unterlegt er die verschiedenen Schicksale. Nicht um die Gräuel des Krieges geht es, jedenfalls nicht vorrangig, es geht um die Menschen. Darum, …

Roman Simić – In was wir uns verlieben

Roman Simić ist ein kroatischer Schriftsteller. Er arbeitet auch als Lektor und lebt in Zagreb. Simić war Herausgeber der wichtigsten kroatischen Literaturzeitung Quorum und ist noch Organisator und Programmdirektor des Festival Of European Short Story. Er gewann bereits mehrfach den Goran Preis für junge Dichter. In was wir uns verlieben erschien 2007 in der Übersetzung von Alida Bremer bei Voland & Quist. Im September erscheint sein neuer Erzählband Von all den unglaublichen Dingen. Ein Mann, der aufgrund eines verblichenen Fotos Ausschau hält nach seiner Familiengeschichte und seiner Herkunft. Der Erinnerungen nachspürt, sich der Beschaffenheit von Erinnerung und ihrer Fragilität nähert. So beginnt Roman Simićs erste Geschichte Ein Rahmen für den Familienlöwen. Die Fotos schweigen hier genauso wie die Erinnerungen. Zu erwarten, dass sie uns Gründe für irgendetwas aufzeigen, für das alltägliche Chaos von Ursachen und Folgen, für den Raum, der in uns mit Kraft und Schwäche, Dankbarkeit, Schmerz, Verrat, Liebe …gefüllt und geleert wird, käme der Hoffnung gleich, dass aus dem Fotomeer der japanischen Touristen, das im Schaum der Sensationen badet, die Natur unseres Krieges …