Alle Artikel mit dem Schlagwort: verlust

Emmanuel Carrère – Alles ist wahr

Emmanuel Carrère ist ein französischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmproduzent. Er hat bereits einige Bücher veröffentlicht – unter anderem über Werner Herzog und Philipp K.Dick – und war 2010 Jurymitglied bei den Fimfestspielen in Cannes. Seine Geschichte La Classe de neige (“Schneetreiben”), die einen väterlichen Mörder zum Protagonisten macht, wurde 1998 verfilmt. Für Limonow wurde Carrère u.a. mit dem Prix Renaudot und dem Prix de la langue francaise ausgezeichnet. ,Alles ist wahr‘ erscheint nun, wie auch sein Vorgänger, im Matthes & Seitz Verlag. Emmanuel Carrère ist wahrscheinlich, der Vergleich ist gar nicht so wagemutig, ein französischer Truman Capote. Als der seinen Tatsachenroman ,Kaltblütig‘ über eine ermordete Familie auf einer Farm in Kansas schrieb, war die Gattung des Tatsachenromans noch etwas Brandneues und Experimentelles. Niemand hatte zuvor auf diese Weise versucht, Wirklichkeit und prosaisches Schreiben miteinander zu verbinden, tatsächliche Geschehnisse nicht ausschließlich nüchtern und faktenreich aufbereitet zu präsentieren, sondern literarisch anspruchsvoll. Capote gelang eine Sensation. Sensationell ist der Tatsachenroman als solcher heute freilich nicht mehr, aber es gibt Autoren, die ihn glänzend beherrschen, diesen Balanceakt zwischen Fiktionalisierung und …

Jochen Rausch – Krieg

Jochen Rausch ist ein deutscher Autor, Musiker und Journalist. In den 80er Jahren war er für den Westdeutschen Rundfunk tätig, seit 2000 ist er Wellenchef des Hörfunkprogramms von 1live. Sein Debütroman Restlicht erschien 2008, 2011 die Kurzgeschichtensammlung Trieb. Sie erschienen,wie auch sein neuester Roman, im Berlin Verlag. Eine abgelegene Hütte hoch in den Bergen, Schnee, widrige Wetterverhältnisse, graue Wolken, ein Mann und ein Hund. Aus diesen Bestandteilen setzt sich zunächst die Kulisse von Jochen Rauschs neuem Roman zusammen. Auf den ersten Seiten sammelt sich bereits eine Beklemmung, die fast mit Händen zu greifen, eine Einsamkeit, die schmerzlich zu spüren ist. Arnold Steins hat sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, lebt in Isolation und Vergangenheit, die einander bedingen. In den Nächten hört er Schüsse, wenn es denn Schüsse sind. Manchmal hört er auch Schreie. Aber wenn Arnold die Tür aufzieht, nicht weiter als einen Spalt nur, dann sind da nichts als die Dunkelheit und das Rauschen des Waldes, das harmlose Gluckern des Bachs und ein gelegentliches Knacken im Geäst. Hin und wieder schwingt sich ein Vogel …

Katharina Hartwell – Das fremde Meer

Katharina Hartwell ist eine deutsche Autorin. Sie studierte Anglistik und Amerikanistik, seit 2010 ist sie Studentin des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig. 2009 erhielt sie den MDR-Literaturpreis, 2013 wurde sie Sylter Inselschreiberin. Das Fremde Meer ist Katharina Hartwells erster Roman, erschienen im Berlin Verlag. Ich gehöre zu den Menschen, die glauben, dass sie sich schützen können, wenn sie mit dem Schlimmsten rechnen, dass die Katastrophen immer nur die treffen, die nicht auf sie vorbereitet sind. Dass man ihnen entkommen kann, wenn man sie erwartet. Jan und Marie lernen sich unkonventionell kennen; fast prosaisch erscheint es, als er aus dem steckengebliebenen Universitäts-Paternoster springt und auf ihr landet. Er sei plötzlich vom Himmel gefallen, sagen sie manchmal, wenn man sie nach ihrem ersten Zusammentreffen fragt, das für Marie mit einer leichten Gehirnerschütterung im Krankenhaus endet. Es ist eine dieser Liebesgeschichten, die wie für Hollywood geschrieben zu sein scheinen, die eigentlich auch nur in Hollywood so passieren. Wären da nicht der Unfall und die Notwendigkeit, zu erzählen. Von Anfang an, sich langsam dem Unaussprechlichen nähernd. In zehn verschiedenen Geschichten …