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Der zweite Tag in Klagenfurt

© ORF/ Johannes Puch Der zweite Lesungstag ist vorbei und war diesmal von deutlich mehr Dissonanzen innerhalb der Jury geprägt. Selten war man sich über einen Text wahrhaft einig, sieht man einmal ab von Monique Schwitter – deren Text allerdings wenig Anklang innerhalb der lesungsbegleitenden Twittergemeinde fand. Klaus Kastberger attestierte Juri Steiner ein Talent dafür, noch das banalste Stück Text mittels besonderer interpretatorischer Fähigkeiten in schöne Literatur verwandeln zu können. Ein bisschen Beef gab es also und wenig klare Favoriten. Die Geister schieden sich sowohl an den heimischen Geräten wie auch in Klagenfurt selbst. Es geht eine Menge um Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht und die Beschissenheit der Dinge. Peter Truschner – ,RTL-Reptil’ © ORF/Johannes Puch In seiner körperlichen Präsenz erinnert Peter Truschner unweigerlich an einen resoluten Türsteher, sein Text ,RTL-Reptil’ evoziert allein aufgrund seines Titels sofort Bilder aus dem, was man gern liebevoll-versachlichend das Prekariat nennt. Ein junger Mann sitzt allein in seiner Wohnung und beobachtet Migranten, die in den Mülltonnen wühlen. Er ist angeekelt, lässt seine Gedanken schweifen. Es geht, wieder einmal, um den emotionslosen …

Der erste Tag in Klagenfurt

© ORF/Johannes Puch Bereits am gestrigen Abend wurde das alljährliche Wettlesen in Klagenfurt wieder eröffnet. Es ist bereits der 39. “Bewerb”, wie es so schön heißt. Eine Institution im Literaturbetrieb, von der die einen sagen, sie habe sich überlebt und sei ein Nischenphänomen. Hubert Winkels, neuer Juryvorsitzender in Nachfolge von Burkhard Spinnen, sagte gegenüber der 3sat Kulturzeit, der Wettbewerb sei nun vielleicht angekommen, erwachsen wie nie durch seine performative Darbietungsform und die transparente Diskussion über Literatur. Wie man sich dazu auch verhalten und fühlen mag, in den meisten Fällen bietet der Bachmannpreis polarisierende Texte und angeregte Diskussionen. So auch an diesem ersten Tag. Katerina Poladjan – ,Es ist weit bis Marseille’ © ORF/Johannes Puch Katerina Poladjan tritt mit einem Text an, der Teil ihres im Herbst bei Rowohlt erscheinenden Romans ,Vielleicht Marseille‘ ist. Es liegt immer eine gewisse Schwierigkeit darin, ein Fragment aus einem größeren Textzusammenhang herauszulösen und es vor diesem Hintergrund zu betrachten. Es geht in Poladjans Text um Verlust und Verletzung und die Möglichkeiten, damit (weiter) zu leben. Anns Mann Edmund ist gestorben …