Alle Artikel mit dem Schlagwort: sophokles

Bodo Wartke feat. Sophokles: Antigone

Wartkes Bearbeitung setzt nun an vielen Stellen an, um das Stück zu beleben. Wie es ihm eigen ist, wird hemmungslos gereimt, aber nicht nur das: Er integriert zwei Sprecher ins Stück (verkörpert von Wartke und seiner famosen Bühnenpartnerin Melanie Haupt), die am Rande der Handlung stehen und eine Beobachterposition einnehmen. Sie kommentieren immer wieder das Geschehen, ordnen es in einen größeren erzählerischen Kontext oder sind selbst erschrocken und überrascht angesichts der Geschehnisse – sie bilden gleichsam die Verkörperungen der Leser- und Zuhörerschaft. Obwohl Wartkes Stück nur Antigone heißt, besteht es auf der Handlungsebene aus zwei Stücken. Die Bearbeitung umfasst auch Sophokles‘ Ödipus auf Kolonos, das gewissermaßen die Vorgeschichte zu dem enthält, was in Antigone relevant wird. Das Stück einfach einzuarbeiten und damit einen größeren Handlungsbogen zu spannen, ist ein cleverer Schachzug. Selbst ein kurzer Rekurs auf König Ödipus ist in Form eines Lieds enthalten. Am Ende ist also die ganze Geschichte für jeden nachvollziehbar und verständlich, selbst wenn er oder sie von den Vorgeschichten und vergangenen Verstrickungen nichts weiß. Apropos Lied: Da Wartke bekanntlich nicht …

Mütterlein, Mütterlein

Heute ist Muttertag. Ein Tag, der den Müttern dieser Welt gewidmet ist, ein Tag, an dem wir uns alle darauf besinnen sollen, wie dankbar wir sind. Jeden Tag. Für das Auf-der-Welt-Sein an sich, aber auch für die vielen anderen Verrichtungen, die Mütter so tun, ungefragt, einfach aus Wohltätigkeit. Es steht allerdings auch außer Frage, dass Mütter nicht immer diese Engel ohne Flügel, diese selbstlosen Wesen sind; sehr oft in Literatur und Kultur sind sie Quell für Elend, Objekt der Besessenheit. Welchen besseren Termin gäbe es also, dieser zweiten Medaillenseite gerecht zu werden, als diesen Muttertag? Dass man zu seinem ,Mütterlein’ auch eine sehr besondere und ungewöhnliche Beziehung haben kann, beweist Ödipus immer wieder auf’s Neue. Nach ihm ist ein Komplex benannt, er steht synonym für das Begehren der eigenen Mutter. Tatsächlich geschah das, wie wir wissen, in Sophokles’ antiker Tragödie jedoch völlig unwissentlich. Von Orakeln sollte man sich also fernhalten, wenn man noch eine Mutter besitzt – am Ende heiratet man sie gar. David Guterson hat die antike Ödipusgeschichte mit ,Ed King‘ in das Amerika …

Sophokles feat. Bodo Wartke – König Ödipus

Zum heutigen Welttag des Buches von mir ein kleines Schmankerl, wie man so schön sagt. Ich schätze und achte klassische Literatur, habe ich schön öfter im Brustton der Überzeugung gesagt. Meine Beschäftigung mit antiken Tragödien war bisher nicht soweit gediehen, dass ich mir zugetraut hätte, eine solche hier näher zu thematisieren. Das hat sich nun, dank Sophokles, Bodo Wartke und König Ödipus aber grundlegend geändert. Obwohl ich niemals ein akuter Schullektürenverweigerer war, gab es doch Pflichtlektüre, die mir näher stand als die Tragödie. Iphigenie auf Tauris war für mich damals lediglich aufgeladen mit Pathos, den ich nicht verdauen konnte. In meinem Bericht zu Bodo Wartkes DVD-Aufzeichnung habe ich König Ödipus bereits einfließen lassen, jetzt soll es auch ganz konkret um die Textfassung(en) gehen. Ich habe mir Sophokles’ Ödipus vorgenommen und die Neudichtung von Bodo Wartke, um im Folgenden beide in Teilen gegenüberzustellen. Ich gehöre nicht zu denen, die mit König Ödipus in der Schule zu tun hatten, dementsprechend ging ich vermutlich wesentlich unbelasteter an die Lektüre als manch anderer. Wo sind die beiden Fassungen gleich, …