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[LiteraTour Nord] Ralph Dutli – Soutines letzte Fahrt

Nachdem Abbas Khider vor drei Wochen mit seiner Lesung aus ,Brief aus der Auberginenrepublik’ (hier mein Bericht) die diesjährige LiteraTour Nord in Lübeck eröffnen durfte, folgte am gestrigen Abend Ralph Dutli. Mit dem gebürtigen Schweizer ging auch der erste Buchpreisanwärter dieses Jahres ins Rennen um den Preis der LiteraTour Nord. Im Kellergewölbe des Lübecker Buddenbrookhauses las Ralph Dutli aus seinem ersten Prosawerk ,Soutines letzte Fahrt’, aus seiner geschickten Verquickung von Realität und Fiktion rund um den weißrussischen Maler Chaim Soutine. Soutine blieb zeit seines Lebens eher unbekannt und unentdeckt. Einige wenige sahen zwar bereits zu Lebzeiten sein Talent, insgesamt blieb der stille und gequälte Chaim Soutine doch immer im Schatten seiner großen Weggefährten – Modigliani, Picasso, Chagall. An einem offenen Magengeschwür leidend wird Soutine im Winter ’43 in einem Leichenwagen zu einer lebensnotwendigen Operation nach Paris gebracht. Um den französischen Kontrollen zu entgehen, wählte man ein eher ungewöhnliches Vehikel, – die Aussagen darüber, ob es sich nicht doch um einen konventionellen Krankenwagen gehandelt habe, gehen, wie Dutli selbst sagt, an der einen oder anderen Stelle …

LiteratourNord 2013

Seit 1992 gibt es die alljährlich stattfindende Lesereise der LiteraTour Nord. Jeden Winter von Oktober bis Februar lesen sechs Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur in sechs verschiedenen Städten Norddeutschlands. In Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Lüneburg und Hannover, jeweils in örtlichen Literaturhäusern und Buchhandlungen. Mit ihrer Teilnahme an der LiteraTour Nord bewerben sich die Autoren gleichzeitig um den Preis der LiteraTour Nord, der seit 2006 vergeben wird und mit 15.000 Euro dotiert ist. Ausnahmsweise befinde ich mich diesmal gewissermaßen am literarischen Puls der Sache und kann freudig verkünden, dass es dieses Jahr von mir Berichte zu den Lesungen geben wird. Es ist die 22. LiteraTour Nord und sie ist überraschend buchpreislastig. Von Abbas Khider einmal abgesehen, der allerdings just im Rahmen der Hotlist 2013 den Melsusine-Huss-Preis erhalten hat, lesen ausschließlich Autoren, die auf der Short – oder Longlist des Deutschen Buchpreises 2013 vertreten waren. Ich – und damit streng genommen auch ihr – darf mich freuen auf Abbas Khider (“Briefe in die Auberginenrepublik”, Edition Nautilus), Ralph Dutli (“Soutines letzte Fahrt”, Wallstein), Clemens Meyer (“Im Stein”, Fischer Verlag), …

[5 lesen 20] Ralph Dutli – Soutines letzte Fahrt

Ralph Dutli ist ein Schweizer Lyriker, Essayist, Übersetzer und Autor. Er studierte Romanistik und Russistik in Zürich und Paris und wurde zunächst als Übersetzer und Herausgeber der Werke Ossip Mandelstams, einem russischen Dichter, bekannt. Schrieb Dutli bisher eher poetologische Abhandlungen oder literatur – und kunsthistorische Essays, legt er mit ‘Soutines letzte Fahrt‘ nun seinen ersten Roman vor, der gewissermaßen verschiedene seiner Themen vor dem Hintergrund des Malers Chaim Soutine verbindet. Der Roman erschien im Wallstein Verlag und steht mit neunzehn anderen Romanen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2013. Verglichen mit seinen Wegbegleitern Picasso, Chagall oder Modigliani ist Soutine eher ein Maler, der seine Spuren weniger nachhaltig in den Boden der Kunsthistorie geprägt hat. Kennern ist er freilich ein Begriff, sind seine Gemälde sich windender Landschaften und unproportionierter Modelle wohl bekannt. Der Laie aber dürfte mit Dutlis Roman zum ersten Mal von diesem schweigsamen, weißrussischen Maler hören, der in den späten 20ern in Paris, in der flirrenden Atmosphäre von Montparnasse tatsächlich mit seinen Bildern perspektivischer Verzerrung zu beachtlicher Berühmtheit gelangte. Als Sohn eines Flickschneiders 1893 …