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Abbas Khider im Interview!

© Peter-Andreas Hassiepen Mit seinem Roman “Ohrfeige” hat Abbas Khider gewissermaßen den Roman der Stunde geschrieben. Im Mittelpunkt der Flüchtling Karim, der von Bürokratie und deutschem Asylsystem aufgerieben dem Land den Rücken kehrt. Aber nicht, ohne zuvor mit seiner Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde ein ernstes Wort zu sprechen. Ich habe unterdessen mit Abbas Khider ein paar Worte über persönliche Erfahrungen, die Stimmung in Deutschland und das Gefühl von Heimat gesprochen. Abbas, sicher verfolgst du die gegenwärtigen Debatten rund um das Thema Asyl und Flüchtlinge. Wie erlebst du diese Diskussionen vor dem Hintergrund deiner eigenen Erfahrungen? Ich glaube, wir beschäftigen uns zurzeit mit falschen Inhalten. Die Menschen, die hierher kommen, brauchen Sicherheit. Das ist die erste Phase der Integration. Natürlich ist es eine wichtige Phase, aber die zweite Phase der Integration ist härter, da geht es nicht nur um Sicherheit sondern um die Zukunft. Die Zukunft der einzelnen Personen, der Asylbewerber. In dieser zweiten Phase leben diese Menschen nur in Angst. Und ihre Ängste sind unbeschreiblich, verursacht durch das bürokratische Verwaltungssystem. In der ersten Phase der …

Abbas Khider – Ohrfeige

Karim hat seine Sachbearbeiterin von der Ausländerbehörde überwältigt und geohrfeigt. Kurz vor seiner Abreise nach Finnland will er ihr von den drei Jahren in Deutschland erzählen und seinen vergeblichen Versuchen, Fuß zu fassen. Er zündet einen Joint an und genießt den Moment der Macht über die Vertreterin eines übermächtigen Systems. “Ohrfeige” erzählt von einer anderen Art der Willkommenskultur, die vor allem Ausschluss bedeutet. Abbas Khider, wie sein Protagonist Karim in Bagdad geboren, kam 2000 nach Deutschland, nachdem er als Illegaler in verschiedenen anderen Ländern, darunter Libyen und Jordanien, gelebt hatte. Wegen politischer Aktivitäten gegen das Regime war er  von 1993 bis 1995 inhaftiert, 1996 gelang ihm schließlich die Flucht aus dem Irak. Anders als Karim gelingt es ihm in Deutschland jedoch recht schnell, dem ewigen Zirkel aus Asylheimen und Gelegenheitsjobs zu entkommen. Er studiert Literatur und Philosophie in München und Potsdam, 2008 erscheint sein Debütroman ,Der falsche Inder‘. Karim weiß, als er mit zwei anderen Flüchtlingen von einem Schleuser irgendwo an einer Landstraße im Schnee abgesetzt wird, nicht einmal wo er sich befindet. Er wollte …