Alle Artikel mit dem Schlagwort: nachkriegszeit

Hans Pleschinski – Königsallee

Hans Pleschinski ist ein deutscher Autor. Er studierte Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaft in München. Seit 1985 arbeitet er für den Bayrischen Rundfunk. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Sein letzter Roman “Ludwigshöhe” erschien 2008. Es ist 1954 in Düsseldorf. Die Stadt bereitet sich mit geschäftigem Treiben auf die Ankunft eines Nobelpreisträgers vor. Eines Mannes, der im Nachkriegsdeutschland durchaus unterschiedlich beliebt und bewundert ist, ein Mann, dessen Heiligenschein zwar noch immer intakt, doch marginal verrutscht ist. Thomas Mann. Der neunundsiebzigjährige wird von seiner Frau Katia und seiner Tochter Erika begleitet. Leicht erkältet ist er und etwas mitgenommen von der Reise. Der Gast galt als einer der empfindlichsten. Weltweit.Die Berühmtheit, so hieß es, gerate in fiebrige Alpdrücke, müsse zu Unmengen von Schlafpulver greifen, wenn der federleichte, wichtige Schlummer auch nur angehaucht würde. Doch die Direktion hatte für den eminenten Aufenthalt, denn anders konnte man es nicht nennen, weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Doppelfenster waren renoviert und gegen mögliches Tröpfeln die Wasserhahndichtungen ausgetauscht worden. Ein Verwaltungsangestellter hatte in der Präsidentensuite sogar probegeschlafen und nicht das leiseste Quietschen …

Sloan Wilson – Der Mann im grauen Flanell

Sloan Wilson (1920-2003) war ein amerikanischer Autor. Mit nur achtzehn Jahren segelte er einen Schoner von Boston nach Havanna. Er studierte in Harvard und diente im Zweiten Weltkrieg. Er arbeitete als Reporter, unter anderem für Time-Life und den New Yorker. Insgesamt veröffentlichte Wilson fünfzehn Bücher. Der Mann im grauen Flanell wurde erstmals 1955 publiziert, 1956 u.a. mit Gregory Peck verfilmt und war viele Jahre danach nicht lieferbar. Nun legt der Dumont Verlag diesen amerikanischen Klassiker der Fünfziger Jahre in neuer Übersetzung (Eike Schönfeld) und mit einem Nachwort von Jonathan Franzen vor. Der Mann im grauen Flanell ist in den USA zu einem geflügelten Wort, zu einem Symbol für den Konformismus der Fünfziger Jahre geworden. Wann immer es jemanden zu charakterisieren gilt, der selbstvergessen gesellschaftlichen Konventionen folgt, vor dem Chef katzbuckelt und sein Leben rundum Ansehen und Prestige gruppiert, egal um welchen Preis, kommt die Rede auf grauen Flanell. Bei uns fände sich dazu vermutlich eine Entsprechung in bügelfaltigen Hosen, einem akkurat gepflegten Vorgarten. Nach den Entbehrungen des Krieges geht es jetzt um den gesellschaftlichen Aufstieg. Nicht …