Alle Artikel mit dem Schlagwort: metrolit

Maik Brüggemeyer – Catfish

Ein Bob Dylan Roman. Was um Himmels willen ist ein Bob Dylan Roman? Ein Roman über Bob Dylan oder mit ihm? Fiktiv oder biographisch? Was ,Catfish’ von Maik Brüggemeyer anbelangt, so ist es ein bisschen von allem. Der Musikredakteur des Rolling Stone und Liebhaber Dylans unternimmt in seinem Roman eine Reise, garniert mit zahlreichen Anekdoten und Zitaten von und über Bob Dylan. Herausgekommen ist ein überraschend artifizieller Referenzroman. Über das private Leben und Erleben von Bob Dylan ist seit jeher wenig bekannt. Interviews gewährt er den Musikredakteuren dieser Welt nicht eben häufig und wenn doch, spricht er nicht unbedingt ausufernd über sich selbst. Viel mehr hat er sich im Laufe seiner Karriere stets gewandelt, nicht nur musikalisch, sondern auch hinsichtlich seiner Rollen, die er verkörperte. Wer die Kunstfigur Bob Dylan begreifen will, muss den Marsch durch seine Songs antreten, in denen zwischen Referenzen zu Bibel, Popkultur und alten Folk – und Bluessongs immer auch ein bisschen von ihm zu finden ist. Was genau, das ist niemals eindeutig. Und oft genug, schreibt Maik Brüggemeyer, stellt Dylan …

Nic Pizzolatto – Galveston

Roy Cady ist ein harter Hund. Als Handlanger eines stadtbekannten Kriminellen klärt er kleine oder auch größere Unstimmigkeiten gern mit einer locker sitzenden Faust oder Waffe. Bis sein Boss ihn eines Tages selbst aus dem Weg räumen will und er sich plötzlich mit einem jungen Mädchen auf der Flucht befindet. Es ist die Reise in die Abgründe einer Gesellschaft und die Wiederbelebung eines verglimmenden Genres. Daniel Woodrell und Pete Dexter sind nur zwei Autoren der Gegenwart, die das Noir-Genre noch immer mit neuen Geschichten beleben. Sonst galt der Nachwuchs oft als spärlich gesät. Mit Nic Pizzolatto tritt nun jemand in den Ring, der nicht nur literarisch vielfach bereits als richtungsweisend für das Genre bezeichnet wird, sondern sich mit True Detective wohl für eine der neuen amerikanischen Serien schlechthin verantwortlich zeichnet. Und so liest sich ,Galveston’ ein wenig, wie sich eine Episode dieser Serie anfühlt. Irgendwo zwischen hofflungslos und ergreifend, zwischen heruntergekommen und gerade noch gesellschaftstauglich, zwischen Johnny Walker und Zigaretten … beginnt diese Reise in einer Welt, die bloß eine vorübergehende Plattform zwischen zwei Abgründen …

Simone Lappert – Wurfschatten

Ada liebt Fische. Sie beneidet sie um ihren Gleichmut, ihre innere Ruhe. Eine Ruhe, die Ada seit einiger Zeit nicht mehr kennt, die ihr abhanden gekommen ist. Ada hat Angst, vor so vielem – wovor eigentlich nicht? – und lebt in der ständigen Bedrohung einer neuen Attacke. Simone Lappert schreibt in ihrem Debüt die einfühlsame und eindrucksvolle Geschichte einer Frau, die um ihr Leben kämpfen muss. Ada, die eigentlich Adamine heißt, aber so verständlicherweise von niemandem genannt werden will, hat Angst. Angst vor Krankheit, vor Unberechenbarkeit, vor Einsamkeit, vor alltäglichen Katastrophen, die meistens irgendwo anders passieren, – aber jederzeit auch vor ihrer Haustür Halt machen könnten. Um ihrer Angst die nötige Trotzigkeit entgegenzusetzen, hat sie sich eine Collage aus Bildern gebastelt, ihre ,Angsttapete‘, die ihre Befürchtungen in konkrete Bilder übersetzen. Ein zerfetztes Bein, ein Tumor, eine Naturkatastrophe. Ada hält es jederzeit präsent – und vielleicht ist das das Problem. Die blasse Februarsonne spielte den Passanten auf dem Gehsteig ihre Schatten zu, synchron und maßstabgerecht, jedem sein Quäntchen Schablonenschwarz. Alles wie es sich gehörte, zumindest draußen, …

Herbstausblicke – Junge Literatur

Wer hat noch keinen Blick geworfen in die neuen Herbstprogramme der Verlage? Wer hat sich schon ein bisschen inspirieren lassen für die kalte Jahreszeit, während er mit Shorts und Ventilator auf der Couch der Hitze davonfloss? Ich werde in den nächsten Wochen in loser Folge Tipps und Empfehlungen loslassen und ein paar Bücher ausgraben, auf die man sich freuen kann. Diesmal –