Alle Artikel mit dem Schlagwort: literaturgeschichte

Die Erziehung des Lesers

Doch der wahre Schriftsteller läßt Planeten durch den Weltraum ziehen, ersinnt einen schlafenden Mann und macht sich eifrig an der Rippe des Schläfers zu schaffen. (Vladimir Nabokov) Jedes Jahr erscheinen in Deutschland rund 90.000 neue Bücher. Buchhandel, Leser und Feuilleton ächzen unter den Lasten dieser unzähligen Romane, die niemand mehr überblicken oder gar gelesen haben kann. Anfang Januar stellte schon Zoë Beck auf ihrem Blog Erase & Rewind die Frage, wie viel man von einem Buch gelesen haben müsse, um es beiseite zu legen. Manche Menschen mögen solche Fragestellungen belächeln, sie lesen einfach gar nicht. Und wenn doch, dann begnügt man sich mit flatterhaften Illustrierten oder gar – noch schlimmer – der Tageszeitung, deren Name nicht genannt werden darf. Für den leidenschaftlichen Leser ist diese generelle Lektüreverweigerung selbstredend keine Option. Deshalb gibt es Bücher über das Lesen, das richtige und das falsche. Denn das Lesen ist eine Kunst, die erlernt werden muss. Je länger man liest, desto besser kann man auswählen, desto zielsicherer kann man sich in dieser Flut von Literatur bewegen, die jedes Jahr …

A Person Of Quality and Honour, of course!

Es ist gut, richtig und erstrebenswert, sich mit literarischen Erscheinungen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Mit Autoren der Moderne. Mit aktuellen Titeln. Regelmäßig möchte ich an dieser Stelle künftig versuchen, in vergangene(re) Zeiten aufzubrechen, an Autoren, zu erinnern, die man noch heute kennt – oder vielleicht auch mal an solche, die in Vergessenheit geraten sind. Manchmal geschieht das ja zu Unrecht, manchmal zu unser aller Nutzen und Freude. An einem 30.November betraten so einige bedeutsame Autoren unseren Planeten, so mancher verließ ihn auch. Willkommen geheißen hätten wir am 30.November 1667 in Dublin jedenfalls Jonathan Swift. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Satiriker, damals war er ein Aufrührer. Swift studierte Theologie, mehr auf Wunsch seines Onkels hin denn aufgrund eigener Präferenzen und da er angeblich schon an der Universität ganz offenkundig rebellische Neigungen zeigte, bekam er seinen Abschluss ,by spacial favour‘. Nicht, weil er ihn verdient hätte, eher aus Mildtätigkeit. Swift bekam Anstellungen in mehreren Kirchen, mal in England und mal in Irland, die er jedoch niemals lange behielt. Er begann, politische Satiren zu verfassen, in denen …

Nevermore

Heute vor stolzen 164 Jahren starb Edgar Allan Poe. Er gilt als besonders prägend für die Kriminalliteratur sowie das Science-Fiction – und Horrorgenre. Wer heute an Poe denkt, wird vermutlich entweder einen Raben oder eine Grube samt Pendel vor Augen haben, viele seiner Geschichten und Gedichte haben einen festen Platz in der Literaturgeschichte. Mit Auguste Dupin hat Poe eine Figur geschaffen die gelegentlich in ihrer detektivischen Arbeit und deduktiven Brillianz mit Conan Doyles Sherlock Holmes in Konkurrenz tritt – und das, obwohl Dupin lediglich in drei Geschichten auftritt. Er gilt als der erste Detektiv in der Belletristik. Conan Doyle sagte einmal anerkennend: “Each [of Poe’s detective stories] is a root from which a whole literature has developed… Where was the detective story until Poe breathed the breath of life into it?” Edgar Allan Poe wurde als Sohn zweier Schauspieler 1809 in Boston geboren. Ein Jahr nach seiner Geburt verließ sein Vater aus ungeklärten Umständen die Familie. Was aus ihm wurde, konnte niemals ermittelt werden. Ein Jahr darauf starb Poes Mutter Elizabeth an Tuberkulose und er …