Alle Artikel mit dem Schlagwort: literatur

Literarische Weihnachtsempfehlungen

Wie jedes Jahr schneit regnet Weihnachten bald herein und womöglich braucht der ein oder andere noch Anregungen für literarische Weihnachtsgeschenke. Für Opa, Onkel, Stief -, Paten – und eigene Kinder und sämtliche Zwischenformen von Verwandtschaft bis Partnerschaft. Ich habe ein bisschen kategorisiert und vorsortiert, ein kleines Zitat aus der jeweiligen Rezension als Appetithäppchen hingestellt, mit einem Klick gelangt man aber auch zum vollständigen Text. (bei den Kinderbüchern ist beides noch nicht der Fall!) Frei nach Samuel Rogers ,When a new book is published, read an old one‘ habe ich nicht ausschließlich auf Neuerscheinungen zurückgegriffen. Viel Erfolg beim Geschenkesuchen und -finden! Für die Kleinen Kathryn Cave / Chris Riddell – Irgendwie Anders | Helen & Thomas Docherty – Der Bücherschnapp | Nina Weger – Die Saubande außerdem: Lemony Snicket – Dunkel Moritz Petz & Amélie Jackowski – Der Dachs hat heute schlechte Laune Lisa-Marie Dickreiter – Max und die wilde 7 Christine Nöstlinger – Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte Für die Spannung Toine Heijmans – Irrfahrt: Uns wird ein verstörendes Buch …

Kreativ: Edition ArtLit

Das Sammeln und Kalligraphieren schöner Sätze aus der Literatur hat nicht nur unter Lesern eine lange Tradition. Das Konservieren von lehrreichen, witzigen und poetischen Sentenzen geht weit über das bloße Erinnern an die Lektüre hinaus, es erinnert auch immer ein bisschen an uns selbst und an Erkenntnisse, die wir gewonnen haben. Mit der Edition ArtLit bekommen diese Sätze in den fachkundigen Händen von Grafikdesignern, Illustratoren, Druckern und Schriftgestaltern einen künstlerischen Wert, der über das Gedankliche hinausreicht. Am Anfang war eine vage Idee. Und die Worte natürlich. Astrid Froese, studierte Literaturwissenschaftlerin, Mitorganisatorin des Bücherfrauen-Literaturbrunchs in Hamburg und große Freundin der Buchkunst, sammelt bereits seit ihrer Lektüre Hans Christian Andersens schöne Sätze. Buchkunst sei, sagt sie, sehr lehrreich im Hinblick darauf, was kostbare Produkte in einer Welt des Überflusses sind. Produkte, die nicht industriell massengefertigt werden; Produkte, für die sich die Experten ihres Fachs die Zeit nehmen, die es eben braucht, etwas selbst herzustellen und zu begleiten. Einige Fragen standen am Anfang im Raum: Kann man heute literarische Zitate an die Wand hängen, wie es die Generation …

Was ist eigentlich ,große Literatur’?

Eigentlich ging es bloß um den neuen Roman von Dave Eggers, der bisher wohl jede denkbare Reaktion, von begeisterten Lobpreisungen über gründlichsten Verriss, provoziert hat. Die einen halten ihn für scharfsichtig, die anderen für platt und oberflächlich. Die einen bemängeln seine simple Sprache und flach konstruierten Charaktere, die anderen halten die Sprache in diesem speziellen Fall nicht für ausschlaggebend. Die meisten, die sich bemüßigt fühlen, ,Der Circle’ zu besprechen, schieben hier und da beinahe entschuldigend ein: ,Es ist keine große Literatur, aber man kann’s schon lesen’. So auch geschehen bei einer Diskussion mit dem Kaffeehaussitzer Uwe Kalkowski auf Twitter. @Literatourismus @DanaresY @citoyenberlin Keine große Literatur,aber ein durchaus lesens- und nachdenkenswertes Buch. http://t.co/C7HaEZJo3R — Cafehaussitzer (@cafehaussitzer) 11. September 2014 Worauf berechtigtermaßen eine Frage folgte, an der sich Literaturkritiker, Leser und Buchliebhaber wohl nicht erst seit gestern die Zähne ausbeißen. Hin und wieder jedenfalls. @cafehaussitzer @Literatourismus @DanaresY @citoyenberlin Ich hätte gern eine Definition für “große Literatur”. R-R ist leider dahin… — Ronald Dempfel (@Heimatfotos) 11. September 2014 Fest steht wahrscheinlich, dass große Literatur keine klare Definition ist, …

9/11 in der Literatur

Dreizehn Jahre sind sie her – die Anschläge des 11.September 2001. Fraglos haben sie unsere Welt vollkommen verändert, über die Gefahren von Terrorismus machten sich vor 2001 die wenigsten tiefgreifende Gedanken. Ein Ereignis wie dieses beschäftigt natürlich auch Autoren, die auf verschiedene Weise versuchen, es zu begreifen und ihm gerecht zu werden. Manchmal geht es direkt um die Anschläge, manchmal werden sie auch nur als eine Art Stimmungsfolie oder Hintergrund für eine ganz andere Geschichte gebraucht. Mal stehen ausschließlich die Opfer und deren Verluste im Vordergrund, mal versucht man sich auch den Tätern anzunähern und ihr Tun entweder begreiflich zu machen oder eindeutig zu verdammen. Manch einer dreht die Ereignisse gleich gänzlich um und lässt christliche Fundamentalisten in Bagdad angreifen. Es gibt viele Ansätze, dieses Ereignis zwischen Buchdeckel zu bannen. In unser kollektives Gedächtnis ist es bereits unwiderruflich eingegraben. Nur einige der Romane und Berichte, die in den letzten dreizehn Jahren zum Thema 9/11 erschienen sind – Matt Ruff – Mirage; Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah; Amy Waldman – Der amerikanische …

Literatur auf Tour

,Literatourismus‘ ist ein Wortspiel, das sich vielfach auf diesem Blog wiederfindet. Betreten wir ein Buch, betreten wir eine Welt, die nicht die unsere ist, wir reisen, sind “Touristen”. Was wäre aber, wenn auch die Literatur selbst touren würde? Als Vielleser ist die Fluktuation im heimischen Bücherregal hoch. Viele ziehen ein, werden freudig (und manchmal auch nicht so freudig) gelesen und dann zur Seite gestellt. Manche will man behalten, weil sie besonders beeindruckt haben, andere eigentlich nicht. Genau dieser Gedanke führte letztlich zu folgender Idee: → Einmal im Monat wird ein reisefreudiges Buch in den virtuellen Raum gestellt. Wenn sich mindestens fünf Interessenten dafür finden, kann es seine Tour antreten, von einem zum anderen. Der Erste bekommt es von mir, liest es und leitet es dann an den nächsten weiter, der wieder an den nächsten usw. So kann das Buch durch viele verschiedene Hände und Köpfe wandern, statt in meinem Regal Staub anzusetzen. Das Porto trägt jeder selbst. Das erfordert natürlich, dass die, die sich für das Buch melden, nicht monatelang für ihre Lektüre brauchen oder …

Hitchcock und seine Bücher

Heute wäre der Master of Suspense 115 Jahre alt geworden. Seine Filme sind weltbekannt und haben dauerhaft einen Platz in der Filmgeschichte erworben. Was oft darüber ganz in Vergessenheit gerät: viele seiner Meisterwerke haben literarische Vorlagen. Die Geschichte seines wohl bekanntesten Films – “Psycho” – stammt von Robert Bloch, der sie 1959 erstmals veröffentlichte. 1960 bannte Hitchcock Norman Bates auf die Leinwand und verhalf ihm zu Weltruhm. Bei Daphne Du Maurier bediente sich Alfred Hitchcock gleich zweimal. Die Vorlagen zu ,Rebecca‘ und ,Die Vögel‘ stammen beide von der britischen Schriftstellerin, wobei es sich bei ,Die Vögel’ ursprünglich nur um eine Kurzgeschichte handelte. ,Rope’, ursprünglich ein Theaterstück geschrieben von Patrick Hamilton, inspirierte Hitchcock zu ,Cocktail für eine Leiche‘, das sich um zwei Männer dreht, die den perfekten Mord zu begehen versuchen. ,Marnie‘ hingegen, die mysteriöse und unnahbare Frau mit ihrer herrischen Mutter und Amgst vor allem Roten, stammt im Original von Winston Graham, einem britischen Schriftsteller. Sein ,Fenster zum Hof‘ basiert auf einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich, die ursprünglich noch nicht ,Rear View’ hieß, sondern ,It …

Keine Angst vor’m Buch

34 % der Deutschen lesen seltener als einmal im Monat ein Buch. Zu anstrengend, zu langweilig, zu wenig Zeit – die Begründungen sind vielfältig. Erst kürzlich bewies ein Artikel auf WELT Online, dass die Weigerung Bücher zu lesen, nicht automatisch mit Banausentum oder mangelnder Bildung gleichzusetzen ist. Die Erforschung des Nichtlesers also erfreut sich großer Beliebtheit und beschäftigt nicht nur die klugen Köpfe der Buchbranche, sondern künftig wohl auch immer mehr Werbefachleute. Um Nichtleser von der “Coolness” des Lesens zu überzeugen, hat man schon letztes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Börsenverein des deutschen Buchhandels eine Imagekampagne für das Lesen gestartet. ,Vorsicht Buch‘ lautete das Motto, ausgetüftelt von der Werbeagentur Zum Goldenen Hirsch und der PR-Agentur Z-PR. Nun ist es vermutlich mindestens strittig, etwas cool aussehen zu lassen, indem ich ihm einen Anstrich des Abenteuerlichen und Gefährlichen verpasse. Im Lieferumfang für Buchhandlungen waren unter anderem Absperrbänder enthalten, die wohl an die berühmten ,Crime Scene – Do Not Cross‘- Bänder erinnern sollten. Außerdem zahlreiche Aufkleber mit der  nämlichen Warnung vor gedrucktem Wort. Vielleicht wollte man sich umgekehrte …

Die Erziehung des Lesers

Doch der wahre Schriftsteller läßt Planeten durch den Weltraum ziehen, ersinnt einen schlafenden Mann und macht sich eifrig an der Rippe des Schläfers zu schaffen. (Vladimir Nabokov) Jedes Jahr erscheinen in Deutschland rund 90.000 neue Bücher. Buchhandel, Leser und Feuilleton ächzen unter den Lasten dieser unzähligen Romane, die niemand mehr überblicken oder gar gelesen haben kann. Anfang Januar stellte schon Zoë Beck auf ihrem Blog Erase & Rewind die Frage, wie viel man von einem Buch gelesen haben müsse, um es beiseite zu legen. Manche Menschen mögen solche Fragestellungen belächeln, sie lesen einfach gar nicht. Und wenn doch, dann begnügt man sich mit flatterhaften Illustrierten oder gar – noch schlimmer – der Tageszeitung, deren Name nicht genannt werden darf. Für den leidenschaftlichen Leser ist diese generelle Lektüreverweigerung selbstredend keine Option. Deshalb gibt es Bücher über das Lesen, das richtige und das falsche. Denn das Lesen ist eine Kunst, die erlernt werden muss. Je länger man liest, desto besser kann man auswählen, desto zielsicherer kann man sich in dieser Flut von Literatur bewegen, die jedes Jahr …

Berthoud & Elderkin – Die Romantherapie

Bücher können Leben retten. Eine These, die jeder Literaturliebhaber unumwunden und überzeugt von ihrer Richtigkeit bestätigen dürfte. Von leichten körperlichen Beschwerden über psychische Dilemmata und ernstzunehmende Ausfallerscheinungen – es gibt wohl immer ein Buch, in dem es jemandem ähnlich ergeht, eine Geschichte, in der jemand das Leiden überwindet, das einen selbst quält. Darin liegen Macht und Kraft der Literatur. Im Insel Verlag (in der Übersetzung von Katja Bendels und Kirsten Riesselmann) erschien letztes Jahr ,Die Romantherapie‘, eine herrliche Zusammenstellung literarischer Empfehlungen für alle nur denkbaren Beschwerden, von Alkohol – und Spielsucht über angestoßene Zehen, Hämorrhoiden und schlechten Geschmack. Ella Berthoud und Susan Elderkin studierten zusammen an der Universität Cambridge Literatur und empfahlen sich schon zur damaligen Zeit gegenseitig Romane. Heute widmet sich eine von beiden der Kunst, die andere dem Schreiben. Dennoch bieten sie seit 2008 immernoch gemeinsam an der Londoner School of Life Bibliotherapiesitzungen an. Wenn das Leben die Größe Ihres Schreibtischs angenommen hat und Sie nichts anderes mehr tun als Deadlines zu halten, Erledigtes abzuhaken und sich, allzeit bereit für den nächsten Tag, …

Ein (Blog)Jahr 2013 endet

Allerorten wird man dieser Tage erschlagen mit Jahresrückblicken und possierlichen Infografiken, die in möglichst komprimierter Form das letzte Jahr widergeben sollen. Auf dass wir uns alles nochmal wohlmeinend ins Gedächtnis rufen, um es dann, überwiegend, guten Gewissens von der Festplatte zu löschen. Nächstes Jahr geht schließlich alles von vorn los. Auch ich möchte auf mein 2013 zurückschauen, denn es hatte so einige literarische und persönliche Überraschungen parat, die nicht unerwähnt dem Vergessen anheimfallen dürfen. Mein Lesejahr begonnen habe ich mit Ingvar Ambjørnsens ,Den Oridongo hinauf‘. Es war ein Weihnachtsgeschenk und eine sehr lohnenswerte Lektüre. Sprachlich außerordentlich intensiv nahm das Jahr seinen Anfang auf einer abgelegenen norwegischen Insel. Kurz darauf folgten zwei absolute Ausnahmen in meiner bisherigen Blogtätigkeit. Habe ich doch den hochgelobten und vorallendingen äußerst rentablen Roman von Jojo Moyes gelesen, ,Ein ganzes halbes Jahr‘. Und mich bewusst entschieden, es nicht zu rezensieren. Zwar habe ich einen Text geschrieben, irgend etwas hat mich dann aber doch davor zurückschrecken lassen, es zu veröffentlichen. Hier ein kurzer Auszug: Man mag es kaum glauben, da lese ich doch …