Alle Artikel mit dem Schlagwort: liebeskind

Adelle Waldman – Das Liebesleben des Nathaniel P.

Nathaniel Piven ist ein relativ großer Hecht im hart umkämpften Teich der New Yorker Kultur – und Literaturszene. Nach entbehrungsreichen Jahren als freier Kritiker hat er sich nun einen Platz und eine Reputation erstritten, die ihm ein finanziell stabileres Leben ermöglicht. Einzig seine Beziehungen zu Frauen sind geprägt von ständigen Missverständnissen, Trennungen und Verlusten. Und das hängt viel mehr mit seiner Art zusammen, Frauen zu betrachten, als mit den Frauen selbst. Bereits die erste Szene in Adelle Waldmans Roman illustriert eine unangenehme Kollision zwischen Nathanael “Nate” Piven und einer verflossenen Liebe. Von denen hat er eine ganze Menge. So wie manch anderer Sammeltassen auf dem Kamin arrangiert oder Briefmarken in ein Album steckt, sammelt Nate Misserfolge mit Frauen. Er fühlt sich schnell von ihnen angezogen, dafür reicht ein lasziver Blick, eine wohlgeformte Figur oder eine halbwegs intelligente Bemerkung. Aber ebenso schnell wie er für eine Frau entflammt, kühlt er auch wieder ab, wenn es um ihre weniger vorteilhaften Seiten geht. Mal sind die Frauen ihm zu moralisierend, zu schrill, zu bedürftig, zu eigenständig, zu vereinnahmend. …

Graham Greene – Reise ohne Landkarten

Graham Greene, britischer Autor und heute bekannt für Romane wie ,Das Ende einer Affäre‘ sowie die Vorlage zu Carol Reeds’ Filmklassiker ,Der dritte Mann‘ entschloss sich 1935 mit seiner Cousine nach Westafrika zu reisen. Zu Fuß wollte er in südöstlicher Richtung Liberia durchqueren, bei ihm einige Träger, die er im Land selbst anheuerte. Das Problem dabei: Liberia ist zu diesem Zeitpunkt kaum kartographiert. Joseph Conrads ,Herz der Finsternis’ beeinflusste noch lange nach seinem Erscheinen 1899 die Gemüter der westlichen Welt. Afrika als geheimnisvoller und archaischer Kontinent, in dem der Mensch noch in seinem Urzustand zu finden sei, im Guten wie im Schlechten. So unschuldig und naturverbunden wie man in hochentwickelten Ländern längst nicht mehr sein könne, aber auch so abgründig wie man es sich in der Zivilisation allenfalls noch im Verborgenen erlauben kann. Aus diesen und ähnlichen Gründen verschlug es im Jahr 1935 auch Graham Greene, der neben seiner schriftstellerischen Arbeit auch journalistisch tätig war, mit seiner Cousine Barbara Greene nach Westafrika. In Freetown, Sierra Leone, beginnt ein vierwöchiger Marsch durch den Urwald und einsame, …

Madison Smartt Bell – Die Farbe der Nacht

Madison Smartt Bell ist ein amerikanischer Autor. Er studierte Literaturwissenschaften und lehrte an verschiedenen Universitäten Kreatives Schreiben. Im Augenblick ist er Professor für Englische Literatur an einem College in Virginia. Er veröffentlichte schon 13 Romane, unter anderem eine Trilogie über die Haitianische Revolution. (All Souls’ Rising, Master of Crossroads & The Stone That The Builder Refused) Wie mein Herz frohlockte, als die Türme einstürzten. Was für ein Schub aus reiner Kraft, ein Bocken, Bröckeln, Aufwallen zu einem großartigen Gestirn der Zerstörung, bevor es all seine Materie auf den Boden ergoss. Jene mückenartigen Flecken, die es umwirbelten, erwiesen sich als Sterbliche, die aus den Flammen sprangen. Eingehüllt in die Leichentücher ihrer Schreie segelten sie herab. Hätte ich nur gewusst, dass der Tod so viele zunichtemachen kann! Und alles in einem funkenschnellen Augenblick. Hätte man ein ehemaliges Mitglied der Manson-Family gebeten, eine Biographie zu schreiben, – wäre sie vermutlich genau so ausgefallen. Protagonistin Mae arbeitet irgendwo in einem Spielcasino in Las Vegas, als am 11. September 2001 die Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers rasen …