Alle Artikel mit dem Schlagwort: kurz und knapp

Kurz und knapp rezensiert im Februar!

Im Februar geht es um Einwanderung, die kulturelle Wurzeln kappt und Spuren verwischt. Um Positionen zwischen Kulturen. Und um taktvolle Bösartigkeiten. Emilia Smechowski, heute freie Journalistin und ausgebildete Sängerin, wandert 1988 mit ihren Eltern von Polen nach Westdeutschland aus. Gegenüber dem tristen Grau des Ostblocks scheint die Bundesrepublik das Versprechen auf ein besseres Leben zu sein. Die Smechowskis brechen ihre Zelte ab, werden als Aussiedler anerkannt und machen sich daran, sich die deutsche Lebensart wie eine zweite Haut überzustreifen. Als polnische Einwanderer leben sie so angepasst, dass sie fast nirgendwo als solche erkannt werden. Was zählt, ist Leistung. Auf der Straße sollen Emilia und ihre Schwester kein Polnisch mehr sprechen, möglichst nichts soll mehr auf ihre Wurzeln hindeuten. Es ist eine radikale Neuerfindung, deren zerstörerische Kraft erst viel später sichtbar wird. Emilia Smechowski nähert sich ihrer Geschichte mit Humor und Offenherzigkeit, im Zentrum die implizite Frage: Was bedeutet Integration? Ist jemand gut integriert, wenn er möglichst unterschiedlos in der deutschen Bevölkerung aufgeht? Weshalb sollte das überhaupt so erstrebenswert sein? Und welche individuellen Verletzungen gehen mit …

Kurz und knapp rezensiert im Mai

Zum zweiten Mal schon gibt es auf dem Blog die k&k-Rezensionen. Diesmal mit zwei ganz unterschiedlichen Romanen und einer Graphic Novel, die überraschend in meinem Briefkasten gelandet ist. Daniela Danz – Lange Fluchten Nach einem Zwischenfall wird Constantin Staas, genannt Cons, aus dem Militärdienst entlassen und damit einer Beschäftigung beraubt, für die er sich wie geschaffen wähnt. Seitdem ist mit ihm wenig anzufangen. Ein Haus wollte er für seine Familie bauen, für seine Frau Anne und die beiden Söhne. Stattdessen leben sie nun schon schmerzlich lange getrennt in einem provisorischen Baucontainer. Cons kämpft um eine Anerkennung als Wehrdienstbeschädigter, obwohl er nie im Krieg gewesen ist. Obwohl er schon selbst nicht mehr weiß, was mit ihm geschehen ist. Sein sterbender Freund Henning rüttelt schließlich an Cons’ Festung und versucht, ihn aus der Lähmung des Nichtstuns zu befreien. Daniela Danz lehnt diesen Roman an die Legende des heiligen Eustachius an, gibt ihm aber ein modernes und zeitgemäßes Gewand. Intensiv erzählt sie vom Scheitern und Verlieren, das unerklärlich und unüberwindbar, aus der Feder von Daniela Danz aber dennoch …

Neu. k&k – Kurz & Knapp rezensiert.

© Anthony Delanoix, Stocksnap Künftig wird es auf dem Blog eine neue Rubrik geben. Die k&k-Rezensionen (die natürlich ausschließlich ihrer userfreundlichen Kürze wegen so heißen und nicht aufgrund ihrer geradezu königlichen Qualität). In loser Folge werden also unter dieser Überschrift Bücher kurz und knapp umrissen und mit einem Qualitätsurteil versehen. Den Anfang machen vier ganz unterschiedliche Bücher. María Sonia Cristoff – Lasst mich da raus Eine Simultanübersetzerin, deren täglich Brot das Reden und Kommunizieren in hoher Geschwindigkeit ist, verordnet sich ein Schweigejahr. Sie kündigt ihren Job, zieht landwärts und beginnt als Aufseherin in einem Museum zu arbeiten. Wenn das Sprechen sich irgendwie vermeiden lässt, schweigt sie, auf ganz unterschiedliche Art. Mal duldsam, mal diplomatisch, mal verständnisinnig. Das geht gut, bis sie einem etwas geschwätzigen Tierpräparator assistieren soll, den sie durch eine List zu Fall bringt. Kein klassischer Aussteigerroman, aber listig, bösartig, humorvoll. Berenberg Verlag, übersetzt von Peter Kultzen, 120 Seiten, 20 € J. Paul Henderson – Letzter Bus nach Coffeeville Gene, genannt “Doc”, hat es in seinem Leben nicht leicht gehabt. Unerwartet meldet sich, nach …