Alle Artikel mit dem Schlagwort: kiepenheuer und witsch

Steine im Bauch

Eine Mutter entdeckt ihre Berufung in der Aufnahme von Pflegekindern. Ihr leiblicher Sohn droht daran zu zerbrechen. Jon Bauers Debütroman ist eine Geschichte so intensiv wie ungewöhnlich. Er stellt nicht die Frage nach dem Schicksal der Pflegekinder, er fragt nach dem Kind, das dafür zurücksteckt, immer wieder. Für ,Steine im Bauch’ erhielt Jon Bauer 2011 u.a. den Indie Award For Debut Fiction. Weil seine Mutter schwer an Krebs erkrankt ist und ein aggressiver Hirntumor sie bereits in einen Menschen verwandelt, der ihm fremd wird, kehrt der namenlose Protagonist nach Hause zurück. Seine Mutter kann kaum noch sprechen, ist dringend auf Pflege angewiesen und kann ihm wenig entgegensetzen als er angesichts ihrer so offensichtlichen Schwäche wieder gedanklich in die Vergangenheit zurückkehrt. Nicht immer war sie so schwach und hilflos, viel mehr war er es oft, der ein offenes Ohr und Unterstützung gebraucht hätte. Stattdessen schenkte seine Mutter den wechselnden Pflegekindern ihre Liebe und Aufmerksamkeit, denen, die es nicht so gut hatten wie er. Und schafft damit ironischerweise eine Art Pflegefamiliensituation für ihr eigenes Kind, das sich …

Hans Herbert Grimm – Schlump

Der Erste Weltkrieg ist in diesem Jahr in aller Munde, 100 Jahre sind seit seinem Beginn vergangen. Beinahe jeder größere Verlag veröffentlichte in den letzten Monaten ein Buch zum Thema, überwiegend Sachbücher, aber auch den ein oder anderen Roman. Einen Roman wie Schlump, der nun wahrlich keine Neuerscheinung, sondern eine Wiederentdeckung ist. Erstmals 1928 veröffentlicht, konnte er sich bereits zu damaliger Zeit nicht gegen seinen größten Konkurrenten durchsetzen. Es begann – so steht es auch im Buchumschlag – mit Volker Weidermanns Erwähnung in seinem ,Buch der verbrannten Bücher‘. Jahrzehntelang galt der Schlump als vergessen und verschütt gegangen, von seinem größten Konkurrenten ,Im Westen nichts Neues’ abgedrängt, von den Nazis mit unzähligen anderen Werken verbrannt. Es war nicht abzusehen, dass sich an seinem Verschwinden vom literarischen Horizont etwas ändern würde, nicht zuletzt auch deshalb, weil Hans Herbert Grimm sich bis nach Kriegsende nicht offen zu seiner Autorenschaft bekannte. Er fürchtete um sich, seine Lehrtätigkeit, sein Leben. Ursprünglich von Kurt Wolff verlegt, fristete der Schlump also ein Schattendasein – bis Volker Weidermann (,Ostende‘) ihn gemeinschaftlich mit Kiepenheuer …