Alle Artikel mit dem Schlagwort: jane gardam

Kurz und knapp rezensiert im September.

Im September gibt es eine bunte Mischung aus Erzählungen, Wiederentdeckungen und einen “Meister” des packenden, psychologischen Krimis, der mich kalt ließ. Dennis Lehane gilt vielerorts als Meister seines Fachs, er lieferte die Buchvorlagen zu Mystic River und Shutter Island, er weiß psychologische Spannung aufzubauen und zu händeln. Sagt man so. Nun mag es sein, dass ich nur deshalb angesichts des neuen Romans nicht in Begeisterungsstürme ausbreche, weil ich seltener Krimis lese. Vielleicht liegt es aber auch ein bisschen am Roman selbst, der mit seinen über 500 Seiten eher ausladend geraten ist und sich absurd viel Zeit lässt, um in die Gänge zu kommen. Bis Seite 150 macht er diverse Handlungsstränge auf, es geht um Angstzustände der Protagonistin, um Journalismus angesichts verheerender Katastrophen, irgendwie auch um Public Shaming und eine gescheiterte Beziehung. Es passiert viel, aber nichts, was mich wirklich an den Roman bindet. Ich lese ihn am Ende irgendwie auch, weil ich wissen will, wann denn nun endlich der Betrug ins Spiel kommt, von dem auf dem Buchrücken die Rede ist. Es dauert lange. Als …

Jane Gardam – Ein untadeliger Mann

Was von außen zunächst unzweifelhaft aussieht wie der nostalgische Rautenpulli von Opa und an Spitzendeckchen und beherrschte Anständigkeit erinnert, entpuppt sich als gekonnter Roman eines Lebens, das von den Wechselfällen der Geschichte nicht unbeeinflusst geblieben ist. Jane Gardam ist mit ihren 86 Jahren kein junger Hüpfer mehr und außerhalb Deutschlands auch mitnichten eine Unbekannte. Schön, dass ihre Stimme nun auch hier Gehör findet. Der untadelige Mann, der bereits im Titel beschworen wird, ist Edward Feathers, genannt ,Filth’ oder ,Old Filth’, wenn man besonders ehrerbietig sein wollte. Dieser doppeldeutige Spitzname soll nicht etwa subtil auf die mangelnde Körperpflege des älteren Herrn hinweisen, es ist vielmehr ein Akronym aus ,Failed in London try Hongkong‘. Für so einige junge Anwälte, wie auch Edward Feathers einst einer war, galt dieser augenzwinkernde Ratschlag als Binsenweisheit. So natürlich auch für Edward Feathers, der in Hongkong als Anwalt für Baurecht Karriere macht, gebaut wurde nach dem Krieg schließlich allerhand. Filth blickt, als er uns vorgestellt wird, bereits auf ein bewegtes Leben zurück. Geboren in Malaya als sogenannter Raj-Waise, also als Kind eines …