Alle Artikel mit dem Schlagwort: interview

Auf Messers Schneide mit Maria Odoevskaya

© Heike Köllzer Maria Odoevskaya ist eine zierliche junge Frau, deren Äußeres zunächst keinerlei Rückschlüsse auf ihre Sprachgewalt zulässt. Sie wirkt manchmal schüchtern, nervös. Nicht unbedingt wie jemand, der gern auf einer Bühne stehend ein Publikum mitreißt. Wie sehr man doch manchmal in der Beurteilung seiner Mitmenschen einer Täuschung unterliegen kann, demonstriert Maria Odoevskaya auf beeindruckende Weise, wenn sie eine Bühne betritt. Man sieht sie oft bei Poetry Slams, im Juni dieses Jahres wird sie Lübeck bei den U20 Poetry Slam Nationals in Regensburg vertreten. Als sie am 30. Januar im Haus der Lübecker Bücherpiraten einen Abend lang Einblick in die Entstehung ihres Debütromans ,By Your Name‘ gibt, wird unweigerlich deutlich, wie gewandt Maria Odoevskaya mit Worten umgeht, welch feines Gespür für Sprache und psychologische Motivationen sie besitzt. Mithilfe einiger – oft ebenfalls schreibender – Freunde bringt sie Ausschnitte des Romans szenisch auf die Bühne. Die Figuren treten aus ihrem fiktionalen Rahmen und werden lebendig. Das fast fertige ,By Your Name‘ ist ein Coming Of Age Roman und wie so oft geht es darin um …

Bitte übernehmen Sie, Melanie Raabe!

© Christian Faustus Das Schreiben begann für mich… mit dem Lesen. Genauer gesagt mit den Märchen und Geschichten, die mir meine Eltern und Großeltern vorgelesen haben. Ich habe mich so schon sehr früh in die Welt der Bücher verliebt und war – noch bevor ich das ABC konnte – ein absoluter Bücherwurm. Wie die meisten Kinder habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht. Dann, als ich ein Teenager war, kam eine Phase, in der ich fürchterliche, weinerliche Gedichte geschrieben habe. Und schließlich habe ich zur Prosa gefunden. (Zum Glück!) Ein Buch muss… meines Erachtens gar nichts. Ein Buch muss nichts und darf alles. Freiheit! Wildheit! Unterschiedlichkeit! Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… ohne Weiteres wahnsinnig werden. Denn dann hätte ich kein Ventil – und das wäre … eher schlecht. Für alle Beteiligten. Ein Kindheitstraum von mir war… Stuntfrau zu werden. Ich bin ein Kind der 80er und war das, was man im Englischen als „tomboy“ bezeichnen würde. Ich bin mit diesen ganzen coolen 80er-Jahre-Serien aufgewachsen: „Trio mit vier Fäusten“, „Simon & Simon“ und Co. …

Bitte übernehmen Sie, Annika Reich!

© Peter Hassiepen Das Schreiben begann für mich… ..mittendrin. Ein Buch muss… ..mich mit seiner Sprache über den Rand meiner Welt hinaus treiben, auch wenn das ein bisschen prätentiös klingt. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… ..auch kein Blut sehen. Ein Kindheitstraum von mir war… ..einen Kostümspeicher zu haben, der so riesig und prall gefüllt ist, dass ich mich bis zum Ende meines Lebens jeden Tag anders verkleiden könnte. Wenn ich nicht schlafen kann,… dann wäre ich nicht ich. (Der Satz passt so wenig zu mir, dass ich ihn nicht mal grammatikalisch in den Griff bekomme.) Ich schlafe immer und überall, am liebsten neun Stunden plus Mittagschlaf. Völlig unterschätzt wird… ..Majoran und Maria. Wenn ich Musik höre, dann… ..werde ich sentimental oder denke an Matrix. Vor allem bei Klavierkonzerten oder Arien werde ich zu Neo und bin dementsprechend überzeugt, mein Potential nur noch nicht aktiviert zu haben. Bisher treffe ich leider weder Taste noch Ton, aber, wie gesagt: bisher … Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich habe so einen schlechten Orientierungssinn, dass mich …

Bitte übernehmen Sie, Renate Aichinger!

© Chri Strassegger Das Schreiben begann für mich…
 ..mit einem buntstift. Ein Buch muss… ..gar nix. aber schön ist es, wenn es was macht mit mir und zwar so stark, dass ich es nicht mehr aus der hand legen will. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… ..mehr garteln und mit meiner katze spielen, die es hasst, wenn ich was in meinen laptop hämmere. Ein Kindheitstraum von mir war… ..schnell erwachsen zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann,… ..denke ich nach und versuch mich fortzuträumen; meistens – und zum glück schlafe ich aber super. Völlig unterschätzt wird
… ..die macht, kraft und intelligenz der natur. Wenn ich Musik höre, dann… ..geht der rhythmus in mich rein und bestimmt mein tun. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee:
 dass ich naturgemäß eine roséweintrinkende, unter der sogenannten kaffeehausaufsuchkrankheit leidende bin. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,… ..meinen wecker so zu stellen, dass die minuten zur stunde passen – also 8.08 zum beispiel. Literatur kann… ..ent- und ver-, manchmal aber auch zu unendlicher langeweile führen. renate aichinger lebt nach einigen …

Bitte übernehmen Sie, Richard Lorenz!

Das Schreiben begann für mich … .. als ich als Kind  meinen Großvater fand. Tot im Bett liegend, die Augen weit geöffnet. Damals fing es an mit den Geschichten in den Träumen. Noch nicht aufgeschrieben, das kam später. Die ersten tatsächlichen Versuche mit 11, 12 Jahren. Dann ernsthaft vor zwanzig Jahren mit Short-Stories. Eigentlich immer auf der Suche nach der letzten unausgesprochenen Geschichte im Kopf meines Großvaters. Ein Buch muss … ..überraschend sein. Schlaflos machen. Vor allem darf es eines auf gar keinen Fall – gefällig sein. Davon gibt es eine Unmenge. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich … ..Sterbende begleiten. Mich um Verlorene kümmern. Oder Gott suchen. Ein Kindheitstraum von mir war … ..Jack Lemmon und Shirley McLaine zu treffen. Um mir einige Szenen aus dem Film “Das Appartement” vorspielen zu lassen. Doch irgendwie haben wir uns immer verpasst. Wenn ich nicht schlafen kann, … ..sehe ich mir alte Billy Wilder Filme an. Es gibt kaum etwas besseres, als mit Walter Matthau die Nacht zu durchbrechen. Völlig unterschätzt wird … ..die Bereitschaft …

Bitte übernehmen Sie, Malte Abraham!

Das Schreiben begann für mich .. …bevor es einen Anlass dafür gab. Jedenfalls könnte ich nicht mehr sagen, was der Anlass gewesen wäre. Ein Buch muss .. …nichts mit Literatur zu tun haben, meistens ist das so. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …aber wir sind doch genug Menschen, dass jeder nur eine Sache kann und will. Ein Kindheitstraum von mir war.. …nicht mehr schlafen zu müssen. Wenn ich nicht schlafen kann.. …ist das wie ein Traum, der wahr wird, aber es fühlt sich nicht so an. Völlig unterschätzt wird.. …die Oberfläche. Wie weit es da runtergeht und immer noch Oberfläche ist. Ich könnte auch gar nicht sagen, ob irgendwann noch was anderes kommt, ich kenne das nur vom Hörensagen. Wenn ich Musik höre, dann.. …nebenbei. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee.. …wenig und schlecht essen, viel trinken, Zigaretten. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. …immer eine Hand im Gesicht zu haben, manchmal kommt meine Zunge dazu. Literatur kann.. …auch in einem Buch stattfinden, manchmal ist das so. Malte Abraham, geboren 1988 in Hamburg. Studiert …

Bitte übernehmen Sie, Karoline Menge!

Foto: Maximilian Menge Das Schreiben begann für mich.. …im Tagebuch. Ich schrieb über die Schule, Klassenkameraden, warum ich den oder die nicht mochte, Liebesbekundungen. Dann auf der Schreibmaschine meines Großvaters. Ich verfasste Krimikurzgeschichten für meine Eltern, wenn ich zu Besuch bei meinen Großeltern war, und die schickte ich ihnen nachhause. Sie mussten erraten, wer der Bösewicht war. Meistens war es der Igel. Oder die Maus. Die Lösung schickten meine Eltern mir dann ebenfalls per Brief und ich ärgerte mich, wenn sie sie nicht richtig errieten. Schon damals war ich davon überzeugt, dass alles, was ich schreibe, logisch ist. Ein Buch muss.. …neben meinem Bett liegen, ein anderes in meinem Rucksack stecken und ein weiteres auf meinem Schreibtisch liegen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …vielleicht irgendwann nicht mehr richtig denken. Es muss ja alles mal raus, was sich da im Kopf so ansammelt, es wäre wahrscheinlich fatal, wenn sich die Geschichten so stapeln würden oder ineinander verwirren und zusammenkleben; dann würde ich vielleicht irgendwann nicht einmal mehr ein normales Gespräch führen können. Ein …

Bitte übernehmen Sie, Jannis Plastargias!

Foto: Corinna Kaiser Das Schreiben begann für mich.. … in der Grundschule im Religionsunterricht: Da hatte ich eine Lehrerin, die wunderbar Geschichten erzählen konnte. Ich hing ihr an den Lippen, ich wollte das auch können – und als uns dann meine Deutsch-Lehrerin dazu animierte, ihr Geschichten zu schreiben. Ein Buch muss.. … mich berühren … im besten Falle zum Lachen oder Weinen bringen … mich tagelang nach dem letzten Wort noch beschäftigen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. … viel mehr lesen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … Filme zu drehen. Wenn ich nicht schlafen kann.. … schaue ich mir eine Serie an. Völlig unterschätzt wird.. … die Trägheit und Bequemlichkeit von Menschen. Wenn ich Musik höre, dann.. … fühle ich mit, verbinde ich die Musik mit Erlebnissen und Menschen … ich höre beim Schreiben immer Musik … ist auch immer ein Thema in meinen Geschichten. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: … ich trinke gerne einmal ein Gläschen Rotwein beim Schreiben. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. … Angst vor dem Telefonieren zu …

Bitte übernehmen Sie, Lisa Kreißler!

Foto: www.mairisch.de, Philip Poppek Das Schreiben begann für mich.. … ganz selbstverständlich. Als Möglichkeit, meinen Ideen, Ängsten und Gedanken Raum zu schaffen. Ein Buch muss.. …mich an die Grenzen der Rationalität mitnehmen. Ein gutes Buch packt mich an der empfindlichsten Stelle, ich verstehe etwas, und verstehe es nicht. Ich bin ergriffen, kann aber nicht sagen, warum. Das ist das Schöne an Literatur: dass sie dem Unsagbaren so nahe kommen kann, ohne es je zu erreichen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …besser schlafen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … auf ein strenges Ballettinternat zu gehen und den ganzen Tag zu trainieren. Wenn ich nicht schlafen kann,.. … liege ich wach. Völlig unterschätzt wird.. … der Alltag. Wenn ich Musik höre, dann.. … bekomme ich große pathetische Ideen, die ich niemals laut aussprechen würde. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: … ich bin schüchtern, werde ständig rot. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. … die ganze Wohnung aufzuräumen, bevor ich anfange zu schreiben. Es dauert ewig, bis ich mich an den Schreibtisch setze. Literatur kann.. …

Bitte übernehmen Sie, Fabian Neidhardt!

Das Schreiben begann für mich.. …mit der Entscheidung, einen Roman zu schreiben, 16 Jahre alt und keine Ahnung, was das bedeutet, aber dann nicht mehr von den Worten losgekommen. Ein Buch muss.. …entweder unterhalten oder unterrichten oder im besten Fall beides, gleichzeitig. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …die anderer Leute sprechen. Ein Kindheitstraum von mir war.. …Müllmann und Erfinder zu werden, ich wollte aus Weggeworfenem Neues kreieren. Wenn ich nicht schlafen kann,.. …spazieren meine Gedanken durch die Welt und denken hier und da herum und stellen einander die Beine, bis ich neben den Boden trete und für ein paar Stunden fliege. Völlig unterschätzt wird.. …die Macht der Wahrheit, wenn man mal alle Höflichkeiten und Ängste und Konventionen weglässt und das sagt und macht, was man will. Wenn ich Musik höre, dann.. …ist das so ziemlich die einzige Droge, die ich konsumiere und brauche, um mich in die jeweils passende Stimmung zu bringen. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Immer ein kleines schwarzes Notizbuch zur Hand, oder wenigstens einen Stift, um auf den Unterarm schreiben zu können. …