Alle Artikel mit dem Schlagwort: interview

Bitte übernehmen Sie, Jens Steiner!

© Marc Wetli Das Schreiben begann für mich.. als ich begriff, dass Lesen allein die Schlaflosigkeit nicht lindert. Ein Buch muss.. mir zeigen, wie die Dinge sind, aber auch, dass sie anders sein könnten. Ich möchte, dass ein Buch mir von der Veränderlich- und Veränderbarkeit des Lebens erzählt, von den sich wandelnden Bedingungen der Liebe, des individuellen und kollektiven Glücks, des Heranwachsens, des Altwerdens, des Sterbens. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich endlich wie ein rechter Schweizer verhalten und anständig Geld verdienen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Fliegen. Unsichtbar sein. Ein Däumling sein. Ein Riese sein. Sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen können. Kinetische Fantasien hege ich immer noch, allerdings hat das Leben ihnen die Flügel gehörig gestutzt. Heute träume ich höchstens davon, ein guter Slackliner zu werden, vor meinem vierzigsten Geburtstag nochmals den Kopfsprung vom Dreimeterbrett zu schaffen, einmal einen ganzen Hang nur auf dem linken Ski hinunterzubrettern. Wenn ich nicht schlafen kann.. schreibe ich. Völlig unterschätzt wird.. connectedness, die sich aus offline ergibt. Online winkt dein Hirn Input auf Input an deinem …

Bitte übernehmen Sie, Anke Stelling!

© Nane Diehl Das Schreiben begann für mich.. … in meinem ersten Semester am Leipziger Literaturinstitut. Hans-Ulrich Treichel hatte die Aufgabe gestellt ‚Mein Ort‘, und ich habe über Berlin geschrieben, aber eigentlich über den Liebeskummer, der mich damals gequält hat. Und wie der dann Text war, mitgeteilt, geteilt und kritisiert im Prosaseminar, da dachte ich: Ich kann’s, und ich will’s, und ich werde es tun. Ein Buch muss.. … radikal das Denken und Fühlen und Erleben seines Autors/seiner Autorin ausdrücken, und dadurch für andere erstaunlich neue oder aufregend bekannte Welten eröffnen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. … nach dem, was mich beschäftigt, in bereits geschriebenen Büchern suchen. Diese dann empfehlen (Literaturkritiken schreiben?), versuchen, sie zu verkaufen (Buchhändlerin sein?) oder sie einfach nur lesen und mein Geld mit was ganz anderem verdienen. Aber womit? Ich fürchte, egal was ich täte, ich würde wiederum davon erzählen wollen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … die Erkenntnisse, die ich jeweils hatte, zu teilen und dann direkt in die Tat umzusetzen. Der Wald stirbt? Ja, hallo! Dann …

Bitte übernehmen Sie, Valerie Fritsch!

© Jasmin Schuller / Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. Mit dem Lesen. Erst all die Kinderbücher mit ihren karierten Uhus und Valeries auf Gute Nacht Schaukeln, die nie ins Bett wollen, und später alle Geschichten über die Liebe und die französischen Existenzialisten. Bücher zu lieben, war die Vorstufe sie zu schreiben. In der Schule begann ich als Fingerübungen mit Nacherzählungen, Aufsätzen, Erörterungen, die so übertrieben phantastisch, hochgestochen und barock waren, als wären es nicht nach dem Millennium, aber doch weit vor 1900 gewesen. Ein Buch muss.. nichts, aber darf alles. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich wohl nicht mit so verschiedenen Dingen auseinander setzen, ganze Sonntage Fachartikel über Beinamputationen lesen oder in Bordellen mit den Damen plaudern und es Recherche nennen. Ein Kindheitstraum von mir war.. um die Welt zu reisen und gemeinsam mit meinem Vater alle Zootiere zu befreien, verwegen wie Tom Sawyer zu sein und so schön wie meine Mutter, groß zu werden und große Dinge zu tun. Wenn ich nicht schlafen kann.. räume ich wild und zu …

Julia Tieke im Interview!

Mit dem authentischen Echtzeit-Dialog “Mein Akku ist gleich leer” (erschienen im Digitalverlag mikrotext) bringt Julia Tieke uns das Schicksal eines Flüchtlings auf unmittelbare Weise näher. Hier ist nichts gekünstelt oder literarisch aufbereitet, es gab diesen Dialog zwischen Flüchtling Faiz und Julia Tieke, die selbst Kulturwissenschaftlerin ist und bereits ein Radiofeature über syrische Radiostationen produziert hat. Ich habe ihr dazu und zur ersten Begegnung mit Faiz einige Fragen gestellt. Julia, dein Kontakt zu Faiz ist letztlich aus einem Radiofeature hervorgegangen, das von syrischen Radiomachern und ihren Verbindungen u.a. nach Berlin handelte. Wie bist du auf dieses Thema gestoßen? Freunde von mir arbeiten in der Berliner Nichtregierungsorganisation MICT, die das Radioprojekt „Syrnet“ mit syrischen Radiomachern durchführt. Sie haben mir früh von dem Projekt erzählt, und als Radiomensch war ich begeistert von dem Vorhaben, UKW-Radio in, bzw. für Syrien zu fördern. Und ich war natürlich neugierig, wer dort mit dem Medium Radio arbeitet, und wie das unter Kriegsbedingungen geschieht. Welche Erfahrungen hast du in der Türkei mit dieser Art des Widerstands und der Opposition gemacht? Was kann das …

Bitte übernehmen Sie, Kirsten Fuchs!

Das Schreiben begann für mich.. mit dem mündlichen Erzählen, also als ich noch gar nicht schreiben konnte. Ein Buch muss.. in den Rucksack passen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… viel entspannter Bücher lesen. Ein Kindheitstraum von mir war… später meinen Bruder beim Altern einzuholen. Wenn ich nicht schlafen kann… wenn ich klug bin, lese ich; wenn ich blöd bin, grübel ich. Völlig unterschätzt wird… die Gefahr die sich darin versteckt schon Kindern beizubringen sich an sinnlose Regeln zu halten. Wenn ich Musik höre,… tanze ich im Kopf mit, früher hab ich im Kopf Schlagzeug gespielt. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich habe in der Pubertät schlimme Gedichte geschrieben. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es… sehr sehr viele Mohrrüben zu essen. Literatur kann… muss aber nicht. Kirsten Fuchs, 1977 in Karl-Marx-Stadt geboren, ist vermutlich die bekannteste und beliebteste Autorin der Berliner Lesebühnenszene. 2003 gewann sie den renommierten Literaturwettbewerb Open Mike, seither hat sie einen festen Platz in der jüngeren deutschen Literatur. 2005 erschien ihr vielgelobter Debütroman «Die Titanic und Herr Berg», 2008 der …

Bitte übernehmen Sie, Jürgen Bauer!

© Barbara Pálffy  Das Schreiben begann für mich… in der Volksschule. Dann nochmal auf der Universität. Dann wieder in diversen Redaktionen, Proberäumen und Lesezimmern. In Zügen, Flugzeugen und zu Hause vor dem Computer. Das Schreiben beginnt für mich eigentlich immer wieder von neuem, es verändert sich und entwickelt sich dauernd weiter. Ein Buch muss… Stil haben, Eleganz und Klarheit.Es muss Knochen, Sehnen und Muskeln besitzen, aber kein Fett. (Oder nur ein wenig, für den Geschmack!) Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… sicher entspannter und unkomplizierter durch die Welt gehen. Ich würde dann nicht jede Situation auf ihre Umwandelbarkeit in Literatur prüfen. Aber wer will schon ein unkompliziertes Leben führen? Ein Kindheitstraum von mir war… …fliegen zu können. Italo Calvino meint, Literatur habe die Kraft, den Dingen ihre Schwere zu nehmen. Im Schreiben kann man die Welt also ein wenig zum Fliegen bringen. (Das war‘s jetzt aber auch mit Name-Dropping, versprochen!) Wenn ich nicht schlafen kann… werde ich sehr, sehr unleidlich. Und sehr dünnhäutig. Eine gefährliche Mischung. Also besser ausschlafen lassen. Oder aus dem …

Bitte übernehmen Sie, Sandra Gugic!

© Dirk Skiba Das Schreiben begann für mich.. Ich muss bei dieser Frage spontan an eine Textstelle aus Elementarteilchen von Michel Houellebecq denken. // Die erste Reaktion eines frustrierten Tieres besteht im allgemeinen in dem Versuch, verstärkt Kraft aufzubringen, um sein Ziel zu erreichen. Ein ausgehungertes Huhn (Gallus domesticus) zum Beispiel, das durch einen Drahtzaun daran gehindert wird, seine Nahrung zu erhalten, wird immer hektischere Versuche unternehmen, durch diesen Zaun zu gelangen. Nach und nach wird sein Verhalten jedoch durch ein anderes ersetzt, das anscheinend keinerlei Ziel verfolgt. So picken Tauben (Columba livia) häufig auf dem Boden herum, wenn sie die begehrte Nahrung nicht erhalten können, obwohl sich auf dem Boden keinerlei Nahrung befindet. Sie verfallen nicht nur in dieses wahllose Pickverhalten, sondern gehen auch oft dazu über, ihre Flügel glattzustreichen; ein solches inadäquates Verhalten, das häufig in Situationen auftritt, die eine Frustration oder einen Konflikt beinhalten, wird Ersatzhandlung genannt. Anfang 1986, nachdem Bruno dreißig geworden war, begann er zu schreiben.// Das Schreiben begann für mich so richtig erst um mein 30. Lebensjahr herum. Davor …

Bitte übernehmen Sie, Kai Weyand!

© Timna Körber Das Schreiben begann für mich… mit der Erfahrung, dass die Fiktionalisierung von Erfahrungen und Gefühlen mich sehr glücklich machen kann. Ein Buch muss… als Bereicherung empfunden werden. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… weiterhin glauben, dass ich dazu nicht in der Lage sein würde. Ein Kindheitstraum von mir war… Sportreporter zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann… würde ich mich sehr darüber wundern. Völlig unterschätzt wird… die Demut. Wenn ich Musik höre, dann… wünsche ich, ich würde mich trauen, zu tanzen. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich gehe gern mit Hund spazieren. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es… mit Freude staubzusaugen. Literatur kann… zeigen, wie glücklich einen unglückliche Geschichten machen können. Kai Weyand geb. 1968, Studium, Arbeit als Lehrer im Strafvollzug, Mitarbeiter einer Sozietät, lebt in Freiburg. Er ist mit dem 1. Preis beim open mike der LiteraturWERKstatt Berlin, dem Irseer Pegasus und dem Bolero-Literaturpreis ausgezeichnet worden. Zuletzt erschien im Wallstein Verlag ,Applaus für Bronikowski‘.

Bitte übernehmen Sie, Margit Mössmer!

Das Schreiben begann für mich.. wie für die meisten Menschen mit endlosen Zeilen AAAs und IIIs. Ein Buch muss.. neben Millionen und Milliarden anderen bestehen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. Schaufenster dekorieren. Ein Kindheitstraum von mir war.. Schaufenster zu dekorieren. Wenn ich nicht schlafen kann.. werde ich zornig. Das muss man sich als ein kleines Wunder vorstellen, denn ich bin dem Affekt Zorn gegenüber schlecht disponiert. Völlig unterschätzt wird.. Von mir persönlich? Wie klein ich auf manche Menschen wirken muss. Wenn ich Musik höre,.. drücke ich sehr oft auf Repeat. Ich höre Lieder gerne zu Tode. Das heißt alle Lieder, die ich höre, habe ich bereits getötet. Ich lebe mit toten Liedern. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ja zu Kaffeehausschreiben und Filmbarkritzeln. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. Trottel zu verteidigen. Literatur kann.. mir natürlich eine Idee davon vermitteln, wie andere Menschen auf die Welt schauen. In die Welt schauen. Je fremder mir die Welt ist, von der mir jemand erzählt, umso besser. Ich habe kein Verständnis dafür, wenn sich ein Bobo …

Kristine Bilkau im Interview!

© Thorsten Kirves Ihr Debütroman ,Die Glücklichen‘ ist ein beeindruckendes Gesellschaftsporträt, in seinem Zentrum die Ängstlichen, die Lebensoptimierer, für die jeder Fehler den Verlust ihres persönlichen Glücks bedeuten könnte. Scheitern müssen wir wieder lernen, Perfektion ist Stillstand. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich Kristine Bilkau zum Interview getroffen. Sie sind auch Journalistin. Wie sind sie vom journalistischen zum literarischen Schreiben gekommen? Ich habe schon während des Studiums literarisch geschrieben, aber war immer zu schüchtern und zu unsicher, um es irgendjemandem zu verraten. Ich habe das immer schön heimlich gemacht und versucht, mich nebenbei dort zu verwirklichen, wo es eben ging. Zum Beispiel habe ich meine Magisterarbeit so geschrieben, dass sie besonders schön war und mein Professor sagte dann: ,Das war aber angenehm zu lesen’. Ich habe das also irgendwie in andere Kanäle laufen lassen. Im Journalismus habe ich auch gemerkt, dass es mich eingrenzt, dass ich mich an Informationen halten muss und nicht das schreiben kann, was ich gerne schreiben würde. Mit dem ersten Prosatext bin ich 2008 rausgegangen, als ich ihn zum open mike …