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Inger-Maria Mahlke – Wie ihr wollt

In Inger-Maria Mahlkes neuem Roman geht es königlich zu. Im Mittelpunkt royaler Verstrickungen steht Mary Grey, kleinwüchsige Großnichte Heinrichs VIII und Schwester der ,Neuntagekönigin’ Jane Grey. Weil sie unerlaubt geheiratet hat, wird sie unter Hausarrest gestellt, wo sie 1571 versucht, ihrer scheinbar ausweglosen Situation wenigstens eine Retrospektive für die Nachwelt abzuringen. Anfang 2013 schrieb Inger-Maria Mahlke noch über die Trostlosigkeit eines Mietshauses und seine Bewohner (“Rechnung offen“), knapp zwei Jahre später über die Trostlosigkeit von Königshäusern und deren strengen, atemraubenden Reglementierungen moralischer Art. Mary Grey steht zum Zeitpunkt ihrer Aufzeichnungen unter Hausarrest, nachdem sie heimlich den Pförtner Thomas Keyes geheiratet hat. Bereits ihre Schwester Catherine Grey war wegen einer heimlichen Heirat in Ungnade gefallen, sie war also gewarnt. Zwar hätte Mary Grey, die als hässlich und verkrüppelt galt, mutmaßlich niemals als Thronerbin in Frage gekommen, Eheschließungen mussten aber dennoch mit Königin Elisabeth abgesprochen sein. Sie wird also aufgrund ihres royalen Ungehorsams bei Thomas Gresham, einem königlichen Diplomaten im Ruhestand, auf dem Landsitz Bishopsgate, einquartiert. Den Landsitz darf sie nicht verlassen, oft genug verlässt sie nicht …

Inger-Maria Mahlke – Rechnung offen

Inger-Maria Mahlke ist eine deutsche Autorin. Sie studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete dort am Lehrstuhl für Kriminologie. Für ihr Debüt Silberfischchen (hier ein Verweis auf die Rezension bei Schöne Seiten) gewann Mahlke den Klaus-Michael-Kühne Preis, ihr sei, so die Jury, ein nahezu perfektes Prosawerk gelungen. Man stelle sich ein ganz gewöhnliches Miethaus vor, in irgendeinem nicht zwielichtigen, aber doch schwierigen Stadtviertel, derer es viele gibt in unseren bundesdeutschen Großstädten. Da Mahlke in Berlin lebt, liegt es nahe, an Berlin zu denken, aber jeder wird in der Stadt, in der er gerade wohnt, ähnliche Viertel kennen oder selbst dort eine Wohnung haben. In diesem Miethaus leben verschiedene Menschen, prallen Lebenswirklichkeiten manchmal so hart aufeinander, dass es weh tut. Da ist Frau Streml, die alte und demente Frau, die immer weiter in ihr früheres Leben abdriftet, während sie sich im Jetzt nicht mehr zurechtfindet. Das Rührgerät war nicht unter dem Schrank unter der Arbeitsplatte, Elsa stellte die Zitronenpresse wieder zurück, richtete sich auf. Sie verschwanden, die Dinge. Der Kehrbesen, ihr Bademantel, Fön, Bügeleisen, Sparschäler. …