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Luigi Pirandello – Sechs Personen suchen einen Autor

Es gibt viele Romane, die auf einer höher geordneten Ebene ihre eigene Existenz thematisieren. Ein Klassiker dieses Fachs dürfte noch heute Laurence Sternes Tristram Shandy sein, das als Lebensgeschichte, auf epische Breite angelegt, bereits die ersten hundert Seiten kaum über die Geburt des Tristram Shandy hinauskommt. Immer wieder mischt der Erzähler sich ein, wird als Erzähler erkennbar. Das aktuellste Beispiel eines solchen literarisch-erzählerischen Verwirrspiels lieferte Tilman Rammstedts ,Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters‘. Die faszinierende Lust am Spiel mit Realitäten ist beinahe mit bloßen Händen greifbar, es macht Freude, sich von Autoren um den Finger wickeln zu lassen. Luigi Pirandello war ein Meister auf diesem Gebiet. 1867 in Agrigent geboren, gilt er heute als einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. 1934 erhielt er für Einer, Keiner, Hunderttausend den Literaturnobelpreis. Sechs Personen suchen einen Autor gehört zu den meistinszenierten Stücken an großen Häusern, enthält es doch ganz zentrale Punkte Pirandellos philosophischer Überlegungen. Seit vielen Jahren – und doch, so scheint es, erst seit gestern – steht eine sehr geschwätzige, des Handwerks aber darum nicht weniger kundige …