Alle Artikel mit dem Schlagwort: humor

Närrische Pilzsammler trinken das Radio aus

Eine Liebeserklärung an Max Goldt Er ist eine moralische Instanz. Er ist ein Alltagspoet, ein Philosoph des Absonderlich-Profanen, ein Mann, bei dem sogar das Debattieren über Hautausschlag, Drogenkonsum und absurde Kneipenspiele (“Wer kann die meisten KZs aufzählen”) zur Prosa gerät, vor der man niederknien möchte. Max Goldt ist der schreibende Funny van Dannen, unaufgeregt und immer ein bisschen “über den Dingen”. Das macht ihn unweigerlich zu einer Autorität in allen lebensnahen und -fernen Fragen, die die Menschheit bewegen. Oder spätestens nach der Lektüre eines Max Goldt Textes bewegen. ,Wie ich Max Goldt in den Wahnsinn trieb‘ wird unweigerlich ein Text bleiben, der niemals geschrieben wird. Max Goldt kann nicht aufgerieben oder aufgeregt werden, außer von denen, die wissen wie. Und das weiß eben keiner. Krimi-Autorinnen heißen immer Petra, hat er mal geschrieben. Überdurchschnittlich viele Petras scheinen kriminalistisch und literarisch ambitioniert zu sein. Oelker und Hammesfahr. Immer wenn ich beide Namen lese, denke ich an Max Goldt. Wenn sich jemand wieder einmal kleiner macht als er ist, denke ich daran, dass Understatement nur eine kenntnisreichere Form …

Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben

Horst Evers (eigentlich Gerd Winter) ist ein deutscher Autor und Kabarettist. Aufgewachsen in Niedersachsen studierte er an der FU Berlin Germanistik und Publizistik. 1990 gründete er mit Freunden die Lesebühnenshow “Dr. Seltsams Frühschoppen“. 2002 gewann er den Deutschen Kabarettpreis, 2008 den Deutschen Kleinkunstpreis. Seine Texte werden regelmäßig auf Radio Eins von ihm vorgetragen. In gedruckter Form erscheinen sie im Rowohlt Verlag. Inmitten einer schnelllebigen und wenig verlässlichen Zeit der permanenten Um – und Neugestaltung muss es Autoren geben, die uns Felsen in der Brandung sind. Autoren, von denen wir wissen, dass sie stets und ständig genau die Qualität produzieren, für die man sie so liebt. Autoren, die einen mutmaßlich niemals negativ überraschen würden, weil sie im Vollbesitz ihrer humoristischen Kräfte und eines erstaunlich sicheren Händchens für Pointen des Alltags sind. Autoren wie Horst Evers eben. Vor meinem inneren Auge erscheint ein Bild aus der Vergangenheit. Ich kannte mal eine Katja. Mit Anfang zwanzig war ich einige Wochen mit ihr zusammen. Sie war sprunghaft, extrem temperamentvoll und wirklich anstrengend. “Wäre ich du, würde ich mich lieben”, …

Horst Evers – Für Eile fehlt mir die Zeit

Horst Evers (eigentlich Gerd Winter) ist ein deutscher Autor und Kabarettist. Aufgewachsen in Niedersachsen studierte er an der FU Berlin Germanistik und Sozialkunde, ohne jedoch jemals eine Abschlussprüfung abzulegen. 2008 erhielt Evers den Deutschen Kleinkunstpreis. Seine Texte werden regelmäßig auf Radio Eins von ihm vorgetragen. In gedruckter Form erscheinen sie im Rowohlt Verlag. Wann immer jemand eine herrlich absurde Alltagssituation in trockene Komik kleidet, könnte sich demnächst einbürgern, nonchalant zu erwidern: Das war ja mal ein echter Evers. Beispielsweise die Beschreibung des Mannes, der im Baumarkt schwere und sperrige Sperrholzplatten kauft, die ihm unterwegs einfach jemand klaut. Der Dieb rennt mit den Platten unter’m Arm zufällig genau in die richtige Richtung und so lässt er ihn gewähren, bis der, völlig aus der Puste und beunruhigend kurzatmig, nicht nur das Handtuch, sondern auch die Sperrholzplatte wirft. Horst Evers ist ein Meister der Alltagsbetrachtung. Was anderen entgeht, kleidet er in literarische Gewänder, die uns ganz vergessen lassen, dass es doch das ist, was wir täglich erleben. Manchmal wünscht man, man könnte die Welt mit Evers’ Augen sehen, …