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Dorthe Nors – Handkantenschlag

Sie ist, so sagt man, die dänische Queen of Short Stories. Dorthe Nors‘ präzise und messerscharfe Erzählungen beschreiben Menschen mit verstörenden Interessen und Erfahrungen, Menschen, die inmitten der Gesellschaft Außenseiter sind. Es sind Kurzgeschichten, die ihre Schlagkraft erst nach einem Moment des Innehaltens voll entfalten. Da ist ein Mann, der von seinem Lebenswandel vom durchsetzungsfähigen Manager zum friedfertigen Buddhisten solange überzeugt ist, bis er sich mit einem Kanister Benzin und der Telefonnummer seiner Ex in sein Büro einschließt. Die Frau, die an ihrem Körper  unzählige blaue Flecken bemerkt und wie paralysiert die Situation zu begreifen versucht, während ihr Mann reglos im Bett neben ihr liegt. Es geht um Scheidungen, weibliche Serienmörder und die Faszination, die man für das Unbegreifliche hegen kann, um unüberwindbare Familiengräben und eine Wattwanderung voll Unendlichkeit. Sie schauen auf ihre Brandwunden und blauen Flecke, ihre abgeräumten Bankkonten und ihre zerstörten Träume, als ob es eine ewige Quelle des Erstaunens ist, dass das Böse wirklich existiert. In Dorthe Nors Kurzgeschichten existiert das Böse. Und das, was es zurückgelassen hat. Einsame, traurige und verlorene …

Dorthe Nors und ihr Handkantenschlag

Sie mag keine Geschichten, die belehrend den Zeigefinger heben. Viel mehr geht es ihr um das Spiegeln menschlichen Handels und Empfindens, sagt die dänische Autorin Dorthe Nors in einem Interview. Die heute 44-jährige studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte und veröffentlichte 2001 ihr erstes Buch. Drei weitere folgten, so auch 2008 ,Kantslag‘, das ihr zum Durchbruch verhalf. 2014 unter dem Titel ,Karate Chop‘ auch auf Englisch veröffentlicht, wurde es frenetisch von der amerikanischen Presse gefeiert. Sie sei ein aufstrebender Star, die Publishers Weekly verkündet sogar, kein Wort sei bei Dorthe Nors am falschen Platz. Sie selbst bezeichnet ,Handkantenschlag‘, das sechs Jahre brauchte, um in deutschen Regalen zu landen (dank dem Osburg Verlag), als eine Art Logbuch. Dorthe Nors lebte für zwei Jahre an verschiedenen Orten in Dänemark und lernte bei ihren Reisen unzählige Menschen und ihre Geschichten kennen. Es waren gute Begegnungen und weniger gute, auf jeden Fall aber haben sie sich in das Gedächtnis der aufmerksamen Autorin eingebrannt. Es geht um Einfühlungsvermögen und Genauigkeit, sagt sie. In ihren Geschichten, die oft nur kurze Momentaufnahmen alltäglichen Lebens …