Alle Artikel mit dem Schlagwort: Geschichte

Jonas Jonasson – Die Analphabetin, die rechnen konnte

Jonas Jonasson ist ein schwedischer Autor und Journalist. Nach seinem Studium arbeitete Jonasson für mehrere Printmedien sowie als selbstständiger Medienberater. Mit seinem Debüt über den Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg, hat er nicht nur in Schweden sämtliche Rekorde gebrochen. Elf Monate nach dem Verkaufsstart in Deutschland (August 2011) waren bereits mehr als eine Million Exemplare verkauft, monatelang führte Jonasson die Bestsellerliste an. Nun ist sein neuer Roman in der Übersetzung von Wibke Kuhn bei Carl’s Books erschienen. Wie pflegte noch der Anführer des A-Teams am Ende jeder Episode zu sagen? Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. So etwas muss sich auch Jonas Jonasson gedacht haben, als sein Hundertjähriger zu einem rechten Kassenschlager avancierte. Und wenn ein Plan einmal gut funktioniert, besteht doch eigentlich wenig Notwendigkeit, ihn zu überarbeiten. Deshalb legt Jonasson mit seinem neuen Roman ,Die Analphabetin, die rechnen konnte‘ nun im Grunde einen mutierten Hundertjährigen vor, der sich lediglich in der Besetzung, nicht aber in der Konzeption von seinem Vorgänger unterscheidet. Die Dichte halbgarer Gags ist schwindelerregend hoch und war der Hundertjährige …

Björn Bicker – Was wir erben

Björn Bicker ist ein deutscher Autor. Er studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und Wien und arbeitete als Dramaturgieassistent und Dramaturg am Wiener Burgtheater und den Münchner Kammerspielen. Er schreibt Theaterstücke, Essays und Hörspiele. Bereits 2009 veröffentlichte er ,Illegal – wir sind viele. Wir sind da‘, eine Schrift über das Leben illegaler Einwanderer in Deutschland. Was wir erben, ebenso wie Illegal, ist im im Kunstmann Verlag erschienen. Wir alle stellen uns früher oder später die Frage, woher wir kommen. Inwiefern unsere Vergangenheit und die Menschen, denen wir begegnet sind, uns beeinflusst haben. Wir fragen uns, was wir erben, von unseren Eltern, unseren Großeltern, dem Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind und das für uns lange Zeit den wichtigsten Bezugspunkt unseres Lebens dargestellt hat. Was aber ist, wenn wir diesen Bezugspunkt um jeden Preis vergessen, unsere Vergangenheit am liebsten von uns entkoppeln würden? Theaterschauspielerin Elisabeth führt ein, von außen betrachtet, geordnetes Leben. Mit Holger, einem erfolgreichen Chirurgen, verbringt sie Tage und Nächte, ohne viel über ihre Kindheit und Jugend nachzudenken. Das ändert sich schlagartig, …

Lawrence Norfolk – Das Festmahl des John Saturnall

Lawrence Norfolk ist ein englischer Autor. Er studierte Englisch und arbeitete als Lehrer und freier Autor. In Norfolks Romanen verbinden sich meistens historische Elemente gekonnt mit fiktiven, so auch in Das Festmahl des John Saturnall, das in England zu Zeiten Oliver Cromwells spielt. Jeder Rezensent kennt vermutlich das Gefühl, das einen befällt, wenn man über ein Buch schreiben will, das man weder beeindruckend gut noch bedrückend schlecht fand. Ein Buch, das sich so im gesunden Mittelfeld bewegt, ein Buch, das mitnichten inhaltlich oder handwerklich schlecht, aber doch irgendwie mittelprächtig geraten ist. So geht es mir mit Lawrence Norfolks neuem Roman Das Festmahl des John Saturnall. Nun muss ich vielleicht dazu erwähnen, dass ich gewöhnlich kein Leser historischer Romane bin. Zwar habe ich ein großes Interesse an Geschichte, allerdings weniger in Gestalt von Romanen. Eher lese ich dann Sachbücher als fiktive Geschichten über Geschichtliches. Und so mag mein Urteil vielleicht davon getrübt sein, dass ich um den historischen Roman gewöhnlich einen Bogen mache. John Sandall, wie er uns zunächst vorgestellt wird, wächst gemeinsam mit seiner Mutter …

Florian Illies – 1913

Florian Illies ist ein deutscher Autor, Journalist und Kulturhistoriker. Er studierte Kunstgeschichte und Neuere Geschichte und wurde 1997 Feuilletonredakteur der FAZ. Bekannt wurde Illies durch Generation Golf, in dem er einen kritischen Blick auf seine eigene Generation wirft. Auch die Kinder der 80er- und 90er-Jahre waren bereits Gegenstand seiner Analyse, die mit dem Fazit endete, dass aus diesen Kindern mehrheitlich unkritische und politisch desinteressierte Erwachsene geworden sind. Mit 1913 legt er nun etwas ganz Anderes vor. Ich nehme ja sonst den Mund gewöhnlich nicht so voll, dass es mich am Sprechen hindert, aber in diesem Falle muss ich im Brustton der Überzeugung sagen: 1913 ist, für mich, wahrscheinlich DAS Buch des Herbstes, ein historisch-humoristisch-politisch-künstlerischer Überblick über das Jahr vor Kriegsausbruch, in dem Franz Kafka den schlechtesten Heiratsantrag der Welt machte, Picasso und andere Expressionisten den Kubismus zu etablieren versuchten, in dem Rainer Maria Rilke Schnupfen hatte und Adolf Hitler im Wiener Männerheim das immer selbe Motiv aquarellierte! Illies verschafft hier einen Einblick in das Leben zahlreicher Künstler, Wissenschaftler, Philosophen und Politiker im Jahre 1913, er verwendet …