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Jenny Erpenbeck – Gehen, ging, gegangen

Der neue Roman von Jenny Erpenbeck ist so aktuell, dass man meinen könnte, er sei in weiser Voraussicht für diese Tage geschrieben worden. Tage, in denen Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen, in denen wieder einmal Unterkünfte brennen. Tage, in denen sich eine große Solidarität zeigt, aber auch Extremismus und Menschenhass. Ist er aber deshalb auch lesenswert, bloß weil er den Finger in eine Wunde legt, die uns alle angeht? Richard ist nun Emeritus, ehemaliger Professor für Alte Sprachen und nach seinem Ausscheiden aus dem universitären Betrieb vor allem mit einer schier unüberschaubaren Fülle freier Zeit konfrontiert. Er macht sich viele Gedanken, über sich, sein Leben, die Vergänglichkeit und darüber, was wirklich wichtig ist und einmal übrig bleibt. Seine Frau hat er bereits vor einigen Jahren verloren, zu seiner einstigen Geliebten hat er keinen Kontakt mehr. Richard ist in der DDR aufgewachsen und sozialisiert, im Westen Berlins kennt er sich noch immer nicht besonders gut aus. Seine Familie ist ihrerseits von Schlesien nach Deutschland übergesiedelt und um ein Haar wäre er auf einem überfüllten Bahnsteig von …