Alle Artikel mit dem Schlagwort: eva schmidt

#buchpreisbloggen. Eva Schmidt: Die untalentierte Lügnerin

Maren kehrt nach einem gescheiterten Schauspielstudium und einem anschließenden Klinikaufenthalt zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zurück. Konflikte, die unausgesprochen unter der Oberfläche schwelen, lassen die familiäre Fassade Stück für Stück auseinanderbrechen. Marens Freundin Lisa habe sich immer gewünscht, in einem so schönen Haus am See zu wohnen, heißt es im Roman. Maren habe es gut. Wie sie da so lebe zwischen Loungesesseln, teurem Sekt und bodentiefen Fenstern mit Blick auf die idyllische Natur. Innerhalb von Marens Familie ist wenig idyllisch. Ihre Mutter Vera ist eine erfolglose aber vielbeschäftigte Künstlerin mit eigenem Atelier, die für ihre Tochter wenig Wärme und Fürsorge erübrigen kann. Ihr Stiefvater Robert ist ein unangenehm diffuser Charakter, der immer wieder zwischen Unterstützung und Grenzüberschreitung changiert. Er bietet Maren eine seiner Wohnungen an, lässt sie einziehen, als die Spannungen mit der Mutter unerträglich werden, taucht immer wieder auf mit Geschenken und Geschichten, die die Beziehung zwischen ihm und Vera in einem anderen Licht erscheinen lassen. Sie sollte duschen. Stattdessen setzte sie sich neben die leicht geöffnete Terrassentür, trank Tee und rauchte. Wünschte …

Eva Schmidt – Ein langes Jahr

“Diese Texte erinnern an Bilder, wie Edward Hopper sie gemalt hat” heißt es auf der Rückseite von Ein langes Jahr. Während aber in Gemälden Edward Hoppers eine wohlige Melancholie liegt, immer auch scheinbar mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist, machen Eva Schmidts Miniaturen aus dem Wohngebiet einen ausnehmend anämischen Eindruck. Sie vermitteln wenig und beschreiben viel. Es ist ein Wohngebiet wie viele andere, das Eva Schmidt in ihren schlaglichtartig beleuchteten Szenen beschreibt. Die Bewohner haben Träume, Eigenarten, Ängste und Hoffnungen. Da ist Joachim, der seinen Vater und seinen Schulfreund Benjamin damit irritiert, dass er spielerisch Frauenkleider trägt und Parfüm auflegt. Da ist der alte Herr Agostini, der nach einem Unfall nicht mehr gut zu Fuß ist und Benjamin bittet, seinen Hund Hemingway, kurz “Hem” auszuführen. Da ist der Hund Albuquerque, kurz “Kerk”, der für seine Herkunft berühmt ist. Da sind die Malerin im Atelier und der im Viertel bekannte Obdachlose. Alte Ehepaare, alleinstehende Frauen und Männer, Künstler, Einsame, pubertierende Kinder, Sterbende; Eva Schmidt bemüht sich um möglichst vielfältige Lebenskonzepte und -situationen, um sie …