Alle Artikel mit dem Schlagwort: erinnerung

Die Poesie der Gyde Callesen

An dieser Stelle ein ungewöhnlicher Artikel. Ungewöhnlich insofern als er den üblichen strukturellen Rahmen einer Rezension sprengt und eher als Tipp zwischendrin daherkommt. Das hängt einerseits damit zusammen, dass meine Lektüre schon einige Jahre zurückliegt, andererseits aber auch mit der Tatsache, dass ich mich im Falle Gyde Callesens nicht nur auf ein einziges Werk beschränken will. Gyde Callesen, geboren 1975 in Flensburg, ist eine deutsche Autorin, deren Poesie und Wortgewalt beeindruckend, deren literarische und metaphorische Feinfühligkeit sehr besonders ist. Seit 2000 arbeitet Gyde Callesen als freie Schriftstellerin. Im Besonderen möchte ich mich mit zwei ihrer Werke beschäftigen – Maya mein Mädchen, erschienen 2003 und Käfer sind ungerade, erschienen 2006. Maya mein Mädchen erzählt fast schmerzhaft intensiv von der Identitätssuche und Vergangenheitsbewältigung einer jungen Frau. Sie ist Künstlerin und bemerkt mit wachsendem Alter immer mehr, wie sehr sich ihre Wahrnehmung und ihr Empfinden von dem anderer unterscheidet. Sie scheint viel intensiver wahrzunehmen, scheint Schwierigkeiten zu haben, sich als Mensch und Individuum in den großen Zusammenhang einzuordnen. Sie ist sich fremd, rinnt sich selbst immer wieder wie …

Björn Bicker – Was wir erben

Björn Bicker ist ein deutscher Autor. Er studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und Wien und arbeitete als Dramaturgieassistent und Dramaturg am Wiener Burgtheater und den Münchner Kammerspielen. Er schreibt Theaterstücke, Essays und Hörspiele. Bereits 2009 veröffentlichte er ,Illegal – wir sind viele. Wir sind da‘, eine Schrift über das Leben illegaler Einwanderer in Deutschland. Was wir erben, ebenso wie Illegal, ist im im Kunstmann Verlag erschienen. Wir alle stellen uns früher oder später die Frage, woher wir kommen. Inwiefern unsere Vergangenheit und die Menschen, denen wir begegnet sind, uns beeinflusst haben. Wir fragen uns, was wir erben, von unseren Eltern, unseren Großeltern, dem Umfeld, in dem wir aufgewachsen sind und das für uns lange Zeit den wichtigsten Bezugspunkt unseres Lebens dargestellt hat. Was aber ist, wenn wir diesen Bezugspunkt um jeden Preis vergessen, unsere Vergangenheit am liebsten von uns entkoppeln würden? Theaterschauspielerin Elisabeth führt ein, von außen betrachtet, geordnetes Leben. Mit Holger, einem erfolgreichen Chirurgen, verbringt sie Tage und Nächte, ohne viel über ihre Kindheit und Jugend nachzudenken. Das ändert sich schlagartig, …