Alle Artikel mit dem Schlagwort: einsamkeit

Jochen Rausch – Krieg

Jochen Rausch ist ein deutscher Autor, Musiker und Journalist. In den 80er Jahren war er für den Westdeutschen Rundfunk tätig, seit 2000 ist er Wellenchef des Hörfunkprogramms von 1live. Sein Debütroman Restlicht erschien 2008, 2011 die Kurzgeschichtensammlung Trieb. Sie erschienen,wie auch sein neuester Roman, im Berlin Verlag. Eine abgelegene Hütte hoch in den Bergen, Schnee, widrige Wetterverhältnisse, graue Wolken, ein Mann und ein Hund. Aus diesen Bestandteilen setzt sich zunächst die Kulisse von Jochen Rauschs neuem Roman zusammen. Auf den ersten Seiten sammelt sich bereits eine Beklemmung, die fast mit Händen zu greifen, eine Einsamkeit, die schmerzlich zu spüren ist. Arnold Steins hat sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, lebt in Isolation und Vergangenheit, die einander bedingen. In den Nächten hört er Schüsse, wenn es denn Schüsse sind. Manchmal hört er auch Schreie. Aber wenn Arnold die Tür aufzieht, nicht weiter als einen Spalt nur, dann sind da nichts als die Dunkelheit und das Rauschen des Waldes, das harmlose Gluckern des Bachs und ein gelegentliches Knacken im Geäst. Hin und wieder schwingt sich ein Vogel …

David Markson – Wittgensteins Mätresse

David Markson (1927-2010) war ein amerikanischer Autor. Er war und ist bekannt für einen höchst experimentellen Schreibstil, wenngleich seine Frühwerke auch wenig des postmodernen Virtuosen in sich trugen, der er für viele einmal werden sollte. Zwar wurde David Markson oft bewundernd rezensiert, gar für genial und seiner Zeit weit voraus gehalten, bekannt war er allerdings nur wenigen, zumeist solchen, die selbst schrieben. Seine unkonventionelle Art, Romane zu konzipieren, hielten ihn immer in ausreichendem Sicherheitsabstand zum Mainstreampublikum. Wittgensteins Mätresse (“Wittgensteins Mistress”) erschien erstmals 1988 und wurde nun im Berlin Verlag auf Deutsch veröffentlicht, aus dem Englischen übersetzt von Sissi Tax. Bisweilen, wenn ich nicht wahnsinnig war, wurde ich poetisch stattdessen. Wie um alles in der Welt beschreibt man diesen Roman? Wie beschreibt man dieses Konglomerat aus Eindrücken, Ideen, Empfindungen und Anspielungen? Es handelt sich hier jedenfalls, soviel kann man einleitend sagen, mitnichten um einen herkömmlichen Roman gängiger Struktur, mit gut ausgearbeiteten Charakteren und einem in sich logischen Erzählstrang oder gar mehreren, die, miteinander verflochten, eine unterhaltsame Geschichte ergeben. Wer so etwas erwartet, wird seine Erwartungen bereits …

Wolfgang Sofsky – Einzelgänger

Wolfgang Sofsky ist ein deutscher Soziologe, Essayist und Autor. 1993 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis für sein Werk ‘Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager.‘ Er studierte Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaften und Geschichte. In seinen Schriften beschäftigt er sich vielfach mit der Einschränkung von Freiheit durch Politik, hier auch nachzulesen in einem Interview in der FAZ, in dem er über Veränderungen in der Sicherheitspolitik angesichts der Gefahr von Terroranschlägen spricht. Einzelgänger ist sein Prosadebüt, kürzlich erschienen im Matthes & Seitz Verlag. “Zur Ehre der Menschheit ist wenig zu sagen”, stand auf dem Zettel. So beginnt eine Erzählung Sofskys, die uns einen Menschen zeigt, der sich von allem und allen abgewandt hat. In sich zurückgezogen lebt er in einem alten Landhaus und verschwindet eines Tages einfach, vom Erdboden verschluckt. Man könnte fast meinen, dieses kurze Zitat sei die implizite Überschrift in allen Erzählungen, vom Menschen kann man nicht viel erwarten, er ist wie er ist, kein Anlass zum Optimismus, zur Philantropie. Wolfgang Sofskys Einzelgänger ist eine hochliterarische Komposition von Momentaufnahmen. Ein Panoptikum einsamer Gestalten, einsam aus vielerlei Gründen, manchmal selbstgewählt, …