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Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Auf dem Cover ein Mann, dessen ambivalente Mimik nicht auf den ersten Blick zu entschlüsseln ist, dessen Widerspruch man aushalten muss. Ist es Schmerz? Ist es Lust? Wut? Trauer? Von allem etwas vielleicht. “Ein wenig Leben” trägt in sich diesen unauflösbaren Widerspruch von Schmerz und Glück. Es ist ein Roman von besonderer Tiefe und Wahrhaftigkeit. Ich lese wie im Rausch, notiere ich nach einem Tag, an dem ich knapp 500 Seiten gelesen habe. Zwischen mich und Yanagiharas Geschichte passt kaum das Blatt Papier, auf dem sie gedruckt ist. Ich befinde mich, eingeladen vom Hanser Verlag*, in einem etwas abgelegenen Häuschen nahe Berlin. Um mich herum liegen nur wenige andere Häuser, herbstlich gefärbtes Laub, ein See. Ich soll mich zurückziehen, soll mich einzig dem Roman widmen können; so die Idee des Retreats. Regelmäßig blättere ich um, ein Automatismus wie das Schuhebinden. Ich nehme es nicht einmal wahr, obwohl es wieder und wieder geschieht, schreibe ich weiter, es ist schon Abend und mein Kopf summt wie eine Maschine, die sich nicht abschalten lässt. Ich bin versunken in …