Alle Artikel mit dem Schlagwort: dtv

Mary Miller – Süßer König Jesus

Eine christlich-fundamentalistische Familie fährt im Familienauto von Montgomery, Alabama über Texas nach Kalifornien, im Gepäck die Gewissheit der nahenden Wiederkehr Jesu Christi auf Erden. Mit Flyern versuchen sie, noch nicht errettete Menschen von der Entrückung ins Paradies zu überzeugen. Mary Miller schreibt mit ,Süßer König Jesus’ ein ungewöhnliches Buch vom Erwachsenwerden in einem Umfeld, dessen Schweigen, Dogmatismus und Janusköpfigkeit ein enges Korsett bildet. Ein rasanter und rotziger Coming-of-Age Roman! Die Schwestern Jess, fünfzehn und Elisa, siebzehn, sehen die Errettungsmission deutlich abgeklärter als ihre Eltern. Sie tragen zwar ,König Jesus’-Shirts für zwanzig Dollar das Stück, aber eigentlich bedeutet das wenig. Während Jess als die Jüngere noch den Willen hat, zu glauben, obwohl sie in der Kirche eigentlich nichts von der Gnade und Güte Gottes spürt, hat die hübsche Elisa längst das verlassen, was man den Pfad der Tugend nennt. Sie ist schwanger; wie lange schon, weiß sie nicht. Außer ihrer jüngeren Schwester weiß niemand davon, ihre Eltern schon gar nicht. Ihr Vater hat gerade seinen Job verloren, auch wenn darüber nicht gesprochen wird. Die Mutter geht …

Herbstausblicke – Junge Literatur

Wer hat noch keinen Blick geworfen in die neuen Herbstprogramme der Verlage? Wer hat sich schon ein bisschen inspirieren lassen für die kalte Jahreszeit, während er mit Shorts und Ventilator auf der Couch der Hitze davonfloss? Ich werde in den nächsten Wochen in loser Folge Tipps und Empfehlungen loslassen und ein paar Bücher ausgraben, auf die man sich freuen kann. Diesmal –

John Williams – Stoner

John Williams (1922-1994) war ein amerikanischer Autor und Herausgeber. Er studierte Englische Literatur, lehrte an der University of Denver und unterrichtete bis zu seiner Emeritierung 1985 im Rahmen desdortigen Creative Writing Programs. Williams war außerdem Gründer der Literaturzeitschrift Denver Quarterly. Für Augustus, einen historischen Roman über Kaiser Augustus, wurde Williams 1973 mit dem National Book Award ausgezeichnet. Stoner erschien erstmals 1965 und wurde nun, fast fünfzig Jahre später, von Bernhard Robben ins Deutsche übertragen. Es erscheint im Deutschen Taschenbuchverlag. Stoner ist ein Roman, wie ihn das Leben schreibt. Wer sich einen Moment Zeit für die Biographie John Williams’ nimmt, wird feststellen, dass ihn sehr viele Gegebenheiten mit dem etwas lakonischen Professor für Englische Literatur verbinden. Aufgewachsen auf der Farm seiner Eltern war es für William Stoner ein ungeschriebenes Gesetz,eines Tages seinem Vater als Farmer nachzufolgen. Nahezu widerwillig lässt er sich auf den Vorschlag ein, an der Universität Agrarwirtschaft zu studieren, es ist weniger eine Leidenschaft, denn eine Notwendigkeit, die ihn dazu treibt. Mit Interesse und Pflichtbewusstsein absolviert er sein Studium, bis er eines Tages in …

Yves Grevet – Méto

Yves Grevet ist ein französischer Schriftsteller. Bevor er sich dem Schreiben widmete, arbeitete er lange als Lehrer. Das hier vorgestellte Werk ist der erste Teil einer Trilogie, die in Frankreich innerhalb kürzester Zeit große Erfolge feierte. Fast fröstelt es mich ein wenig, dieses Buch als Jugendbuch zu klassifizieren, denn die Stimmung ist in etwa dieselbe, die vermutlich in Aldous Huxleys Brave New World geherrscht hätte, wäre man jemals in den zweifelhaften Genuss gekommen, die dort gezüchteten Retortenkinder zur Schule zu begleiten. Eine ähnlich beklemmende Atmosphäre kreiert auch Grevet in Méto, der gleichzeitig auch die Hauptperson des Buches ist. Wir befinden uns gewissermaßen auf einem Internat für Jungen, die von sogenannten Cäsaren überwacht werden. Der Alltag ist streng reglementiert, es ist organisiert, wieviele Sekunden man beim Essen zwischen den einzelnen Bissen pausieren muss, wer sich gegen die Regeln stellt, wird mit unterschiedlich langen Aufenthalten im Kühlraum bestraft. Auch Ohrfeigenrunden gehören zu den Ritualen, die die Jungen bei Zuwiderhandlung über sich ergehen lassen müssen. Sie müssen sich im Kreis aufstellen und jeweils ihren Nebenmann hart ins Gesicht schlagen. Keiner …