Alle Artikel mit dem Schlagwort: diskussion

Literarischer Saloon

© Illustration von Jörg Hülsmann, aus “Das Papierhaus” “Wir müssen über Bücher reden.” Über Bücher streiten sollte man hin und wieder. Ich will jetzt dazu einladen, zum Hauen und Stechen mit und ohne Tässchen Kaffee. Die Literaturkritikdebatte ist (wieder einmal) in vollem Gange, der Bachmannpreis in Klagenfurt ist vorüber. Viel wurde diskuiert, Motive wurden gesucht. Es wurden Textkörper mit Taschenlampen durchleuchtet und schiefe Metaphern nicht vor dem Einsturz bewahrt. Es wird vielfach, womöglich auch völlig zu Recht, moniert, dass das Gespräch über Literatur im und auch abseits des Feuilletons zu wenig partizipativ ist. Und überhaupt zuviel gelobt wird! Es werden vielmehr Meinungen ausgestellt und hingestellt. Das soll an dieser Stelle auch keineswegs in Grund und Boden geredet werden, schließlich leisten diese Meinungen, so sie fundiert begründet werden, einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Orientierung. Ich möchte nun aber mal etwas anderes anstoßen, das mir in den Kopf schoss. Für jungfräulich-unbefleckte Kopfgeburten ist ein Blog natürlich immer die beste Spielwiese. Ins Rollen gebracht wurde der gedankliche Stein des Anstoßes von Sarah, Buchhändlerin und Betreiberin des Blogs …

Quo vadis, Literaturkritik?

Wozu das eigentlich alles? Was darf, soll, muss Literaturkritik? Und was gilt es unter allen Umständen zu vermeiden? Brauchen wir eigentlich Literaturkritik? Ist sie nicht immer nur ein subjektiver Eindruck, ist ein aus der Lektüre hervorgegangenes Werturteil nicht sowieso immer Geschmacksfrage? Gestern wurde im Literarischen Zentrum Göttingen angeregt darüber diskutiert, vornehmlich von Stefan Mesch (Journalist, Buchkritiker, Blogger) und Harun Maye (Literatur – und Medienwissenschaftler). Mara von Buzzaldrins war dabei und hat einen Bericht geschrieben, der nachdenklich stimmt und genug Stoff für Diskussionen, auch über die Veranstaltung hinaus, bietet. Es sollte um die Demokratisierung von Literaturkritik gehen, um die Freiheit jedes Einzelnen, sich zu Literatur zu äußern und gehört zu werden. Was früher den intellektuell angehauchteren Stammtischen vorbehalten war, darf und kann nun dank des Internets weit über Städte – und Ländergrenzen hinaus verbreitet werden. Ob das eine Errungenschaft oder doch eher die schicksalhafte Heraufbeschwörung jener Geister ist, die man rief und nicht mehr beseitigen kann – darüber gehen die Meinungen auseinander. Schon Sigrid Löffler sagte in einem Interview, die Literaturkritik sei nichts für Laien, für …

Auf Samtpfoten kommt er nicht

Unter der Oberfläche dieses Landes brodelt es. Akif Pirinçci ist es nun – eine zweifelhafte Leistung – mit seinem neuen Buch gelungen, diesen Vulkan hinter gutbürgerlichen Fassaden zum Ausbruch zu bringen. Und was sich dort zeigt, ist erschreckend. Es sind Hass und Wut auf alles Tolerante, Offene, auf den “Mainstream”, wie er gesehen wird. Er ist gegenwärtig in aller Munde. Akif Pirinçci und sein wütendes Pamphlet auf den Untergang Deutschlands. ,Deutschland von Sinnen – der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer‘ heißt es und verkauft sich, jedenfalls bei bekannten Onlineanbietern, wie geschnitten Brot. Genügend ist geschrieben worden über die Stammtischparolen, die Fäkalsprache, derer sich Pirinçci bedient, über den Hass und die Wut auf so manches und manchen – ganz besonders eben Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer. Der Mann, der 1969 mit seinen Eltern nach Deutschland kam und immernoch aus tiefstem Herzen dankbar für den freundlichen Empfang ist, wie er betont, sieht sich nun in der Pflicht, dieses Land vor dem Untergang zu bewahren. Deutschland ächze unter dem Joch der Political Correctness, unter dem Islam, unter …