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Julia Shaw – Das trügerische Gedächtnis

Wer bislang glaubte, er könne sich, im Großen und Ganzen, auf sein Gedächtnis verlassen, den nötigt Rechtspsychologin Julia Shaw mit ihren Ausführungen zu demütiger Zurückhaltung. Unser Gedächtnis ist zwar einerseits ein biologisches Wunder, andererseits aber auch extrem stör- und fehleranfällig. Es funktioniert mitnichten wie ein linearer und dem chronologischen Ablauf verpflichteter Zettelkasten voller Erlebnisse; das Gedächtnis verfährt selektiv und rekonstruktiv. Und unter bestimmten Umständen ist es möglich, sich an Ereignisse zu erinnern, die niemals geschehen sind. Wir erleben Wahrnehmung nur deshalb als kohärenten und fließenden Prozess, weil unser Gehirn fortwährend begründete Vermutungen anstellt und damit die Informationslücken füllt. Jeder von uns kennt Menschen, die im Brustton der Überzeugung behaupten, sie könnten sich an ihre Geburt erinnern. Oder gar an die Zeit vor der Geburt, an die wohlige Geborgenheit im Bauch der Mutter. Neurowissenschaftlich gesehen ist so eine Aussage unhaltbar, so real sie sich auch anfühlen mag. Zu einem so frühen Zeitpunkt des Lebens ist das Gehirn nicht in der Lage, andauernde Erinnerungen zu produzieren. Wie können aber so viele Menschen dennoch sicher sein, sich an …