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Carolin Emcke – Gegen den Hass

Wer bislang glaubte, mit Carolin Emcke sei in diesem Jahr eine Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels gekürt worden, die allseits geachtet und für ihre Kolumnen ebenso wie für ihre Essays und Berichte respektiert und angesehen ist, der durfte spätestens nach ihrer Rede in der Frankfurter Paulskirche gegenteilige Beobachtungen machen. Emcke wird als mittelmäßig verunglimpft, als banal, als kleinster gemeinsamer Nenner gutsituierter Moralisten oder schlicht: als Gutmensch. Je nachdem, wen man fragt. Inhaltliche Kritik an Emckes Analysen hingegen ist Mangelware. Der Jurist Thomas Fischer wettert in seiner Kolumne: “Wir möchten unbedingt ebenfalls den Friedenspreis des deutschen Kuscheltuchhandels. Und spenden ihn dann an ein Waisenkind auf Haiti. Wir melden uns hiermit an auf der Warteliste der zehn verfolgtesten lesbischen Friedenskämpferinnen ohne eigene Meinung.” Auf Facebook wird der polemische, unsachliche und zynische Artikel bejubelt. Bei Emcke handle es sich um “das gute Gewissen der deutschen Mittelmäßigkeit”. Und etwas suggestiv wird gefragt: “Ist sie tatsächlich eine derart banale, selbstgerecht jammernde, postkoloniale Weltenbemutterungsschwurblerin?” Ein Kommentator schreibt: “In meiner Welt muss niemand kämpfen, der sich selbst akzeptiert.” Und vielleicht liegt bereits dort …

Carolin Emcke – Von den Kriegen

Unlängst mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, gehört Carolin Emcke unbestritten zu den intelligentesten, bedachtesten und analytisch fähigsten Autorinnen und Publizistinnen, die sich derzeit in Deutschland finden lassen. Ihre pointierten Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung sind eigentlich Pflichtlektüre, im Oktober 2016 erscheint ihr neuer Essay Gegen den Hass. Als Journalistin hat Emcke aber auch zahlreiche Krisen- und Kriegsgebiete dieser Welt besucht, eines ihrer großen Themen ist die Zeugenschaft, das Miterleben und Kommunizieren von Gewalt und Leid. 2004 erschien “Von den Kriegen. Briefe an Freunde”, das Berichte u.a. aus dem Kosovo, Nicaragua, Kolumbien oder dem Irak vereint. Wie kann man unaussprechliche Gewalt und Grausamkeit in Worte fassen? Wie überwindet man das Schweigen und das Verdrängen, die Sprachlosigkeit? Carolin Emcke entscheidet sich als Journalistin mit ihrem Buch gegen die nüchterne Reportage und stattdessen für die Briefform. Ursprünglich in englischer Sprache tatsächlich für Freunde und Intellektuelle aus aller Welt verfasst, legen diese Briefe nicht nur strukturelle und kriegsbedingte Gewalt, sondern auch die gelegentlichen Zweifel der Autorin bloß. Die Form erlaubt einen persönlichen Zugang zu Erlebnissen und Geschichten …