Alle Artikel mit dem Schlagwort: amok

Emmanuel Carrère – Amok

Emmanuel Carrère ist ein brillanter Geschichtenerzähler. Vor allem deshalb, weil seine Geschichten keine fiktiven sind. Für ihn bietet das Leben selbst genug Stoff, in den er sich unumwunden einbezieht. Das tut er, wenn er von einem sowjetischen Polit-Abenteurer (“Limonow“) spricht, von Sterblichkeit (“Alles ist wahr“) oder vom Glauben (“Das Reich Gottes“, erscheint im März bei Matthes & Seitz). Carrère ist aufrichtig interessiert an allem Menschlichen – und schließt sich zu jedem Zeitpunkt in seine Beobachtungen ein. So auch in “Amok”. Amok, das im Original eigentlich L’Adversaire heißt, Der Widersacher, erschien bereits 2001. Zum jetzigen Zeitpunkt (Februar 2016) ist es ausschließlich antiquarisch erhältlich, aber es wäre nicht verwunderlich, würde ein Verlag wie Matthes & Seitz, bei dem viele seiner Werke auf Deutsch erscheinen, sich zu einer Neuauflage entschließen. Die Geschichte, die Carrère in diesem Bericht niederschreibt, ist nahezu unglaublich. Könnte man sich nicht verlässlich ihres Wahrheitsgehalts versichern, wäre man versucht, an einen nicht besonders realistischen Kriminalroman zu denken. Im Mittelpunkt steht Jean-Claude Romand, der am 09.Januar 1993 seine Frau, seine Kinder und seine Eltern tötet, nachdem …