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Bitte übernehmen Sie, Julia Wolf!

© Franziska Rieder Das Schreiben begann für mich.. mit dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Ein Buch muss.. seine Form finden. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. nicht im Schlafanzug arbeiten. Ein Kindheitstraum von mir war.. kein Meerschwein zu kriegen. Wenn ich nicht schlafen kann.. muss gerade die Welt untergehen. Ich kann IMMER schlafen. Und so ziemlich überall. Völlig unterschätzt wird.. wie lange man braucht, um ein paar Sätze zu vervollständigen. Geht das nur mir so? Wenn ich Musik höre,.. schreibe ich nicht. Ich habe es oft probiert. Aber es endet immer damit, dass ich auf meinem Computer die perfekten Playlisten zusammenstelle statt zu arbeiten. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Menschenscheu, Größenwahn gepaart mit Selbsthass, Alkoholmissbrauch – ist das charmant genug? Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. mir völlig unwichtige Informationen über Leute, die ich eigentlich gar nicht kenne, zu merken. Literatur kann.. mich sehr glücklich machen. Julia Wolf lebt in Berlin. Sie schreibt für Radio, Theater und Film. Ihr erster Roman „Alles ist jetzt“ erschien im Februar 2015 in der Frankfurter Verlagsanstalt. Für ihre …

Julia Wolf – Alles ist jetzt

Eines jedenfalls ist vollkommen klar: So manche Erinnerungen verfügen über scharfe Reißzähne, mit denen sie die Vergangenheit schmerzlich gegenwärtig erscheinen lassen, wann immer die Gegebenheiten günstig sind. Julia Wolfs Debütroman erzählt in drastischer und knapper Form von dem Kampf einer jungen Frau gegen die Wunden von gestern. Ingrid ist jung und allein. Sie arbeitet in einer Live-Sex-Bar, schenkt dort Getränke aus, balanciert immer wagemutig am Abgrund entlang, pendelt hin und her zwischen Hysterie und Gleichgültigkeit. Sie hat mal an einer Tankstelle gejobbt, was sie jetzt aus ihrem Leben machen soll, ist ihr selbst ein Buch mit sieben Siegeln. Ihre Mutter ist Alkoholikerin solange Ingrid sich erinnern kann, der Vater verließ früh die Familie. Heute taucht er noch gelegentlich auf, meistens einmal im Jahr, um Ingrid die immer gleiche Frage zu stellen, es ist ein durchchoreographierter Beziehungsablauf, der von beiden wenig in Frage gestellt wird. Als Ingrid mit ihrem Bruder Gordon wieder einmal einen Pflichtbesuch bei Mutter Gabriele absolviert, “schließlich ist es ja Familie“, reißen in ihr viele alte Wunden auf, von denen sie sich wünschte, …