340 Suchergebnisse für: das achte leben

10 Lieblingsbücher aus Indie-Verlagen

Der ein oder andere hat vielleicht die Diskussionen rundum das VG (Verwertungsgesellschaft)- Wort Urteil und die daraus resultierenden Rückzahlungsforderungen an Verlage verfolgt. Tilman von 54books hat in zwei separaten Beiträgen (Teil 1 & Teil 2) die juristischen Entscheidungen und deren Grundlagen detailliert dargelegt – wer sich nochmal genau informieren möchte, worum es geht, dem seien diese Texte dringend ans Herz gelegt. Rechtlich steht also fest: eine über Jahre gängige Praxis hat sich als rechtswidrig erwiesen. Die Folgen sind für viele Verlage, insbesondere die kleineren und konzernunabhängigen, bislang noch unüberschaubar. Es steht nur fest, dass sie womöglich einige von ihnen die Existenz kosten werden. Die Kurt-Wolff-Stiftung schreibt dazu in einer Stellungnahme: Die Rückzahlungsforderungen, die nun anstehen, lassen bereits die größten deutschen Verlagsgruppen schwitzen. Sie werden einige unserer unabhängigen Kolleginnen und Kollegen jedoch derart treffen, dass sie wahrscheinlich in die Insolvenz gehen müssen. Dieses Urteil hat vor allem auch deshalb diese katastrophale Wirkung, weil die Stundung der Forderungen abgelehnt wurde. Nun sind wir uns sicherlich darin einig, dass die von einem Urteil wie diesem am meisten Bedrohten …

Das war 2014

Die Highlights Jedes Jahr steht man als Vielleser wieder vor der Retrospektiv-Frage. Was war dieses Jahr besonders beeindruckend, bewegend, der Erinnerung wert? Bei über neunzig gelesenen Büchern ist die Frage nicht immer ganz so leicht zu beantworten, aber ich habe euch sechzehn Bücher herausgepickt, die ich guten Gewissens (und auch noch nächstes Jahr) mit Verve empfehlen kann, wenn jemand fragt! Giwi Margwelaschwili – Das Leseleben Stewart O’Nan – Die Chance Berthoud & Elderkin – Die Romantherapie Karen Köhler – Wir haben Raketen geangelt Mason Currey – Musenküsse Jon Bauer – Steine im Bauch Stephen Collins – Der gigantische Bart, der böse war Charles Jackson – Das verlorene Wochenende Nino Haratischwili – Das achte Leben Chris Ware – Jimmy Corrigan Robert Seethaler – Ein ganzes Leben Saša Stanišić – Vor dem Fest Phil Klay – Wir erschossen auch Hunde Michael Maar – Heute bedeckt und kühl Gail Jones – Ein Samstag in Sydney Jonathan Cott/Susan Sontag – The Doors und Dostojewski Bitte übernehmen Sie Im Juni überkam mich die Lust auf eine Interviewreihe mit zeitgenössischen Autoren, …

Literarische Weihnachtsempfehlungen

Wie jedes Jahr schneit regnet Weihnachten bald herein und womöglich braucht der ein oder andere noch Anregungen für literarische Weihnachtsgeschenke. Für Opa, Onkel, Stief -, Paten – und eigene Kinder und sämtliche Zwischenformen von Verwandtschaft bis Partnerschaft. Ich habe ein bisschen kategorisiert und vorsortiert, ein kleines Zitat aus der jeweiligen Rezension als Appetithäppchen hingestellt, mit einem Klick gelangt man aber auch zum vollständigen Text. (bei den Kinderbüchern ist beides noch nicht der Fall!) Frei nach Samuel Rogers ,When a new book is published, read an old one‘ habe ich nicht ausschließlich auf Neuerscheinungen zurückgegriffen. Viel Erfolg beim Geschenkesuchen und -finden! Für die Kleinen Kathryn Cave / Chris Riddell – Irgendwie Anders | Helen & Thomas Docherty – Der Bücherschnapp | Nina Weger – Die Saubande außerdem: Lemony Snicket – Dunkel Moritz Petz & Amélie Jackowski – Der Dachs hat heute schlechte Laune Lisa-Marie Dickreiter – Max und die wilde 7 Christine Nöstlinger – Als mein Vater die Mutter der Anna Lachs heiraten wollte Für die Spannung Toine Heijmans – Irrfahrt: Uns wird ein verstörendes Buch …

Es war ja wieder Buchmesse!

Foto: Postkarte des Dumont-Verlages Als ich in diesem Frühjahr zum ersten Mal eine Buchmesse besuchte, hatte ich vermutlich kaum im Sinn, dass die nächste nur Monate entfernt sein würde. Jaja, nach Frankfurt fährste auch irgendwann mal, habe ich gedacht und es dabei belassen. Erstmal. Irgendwie hatte ich dann aber doch plötzlich eine Karte und plante Treffen, mich packte dann doch irgendwann so eine wohlige Vorfreude und Kribbligkeit von den Haar – bis zu den Fußspitzen. Lange Rede, kurzer Sinn: Da war ich dann doch, in Frankfurt. Zwei vollgepackte Tage, Termine, Menschen, die man zum ersten oder wiederholten Male traf, Momente des Innehaltens, teure Würstchen und aufgeschlossene Verlage. Es war eine schöne, eine vielseitige Messe, auf der ich auch gelernt habe. (Nicht zu viele Termine! Bekannte Menschen ansprechen, auch wenn sie ins Gespräch vertieft zu sein scheinen! Feierliche Erlaubnis dafür von Isabel Bogdan erhalten!) oben: die wundervolle Tapete am HoCa-Stand, unten links: Postkartenplädoyer vom Kunstmann-Stand, unten rechts: der immer wieder bewunderte Matthes&Seitz-Stand Über die Messe gleitet man gewissermaßen, fließt in Menschenströmen von einem Ziel zum nächsten …

Regalinspektion und zehn Tipps für den Herbst

Foto: Timon Först Der Herbst ist da. Sagt man. Vielfach wird er missmutig begrüßt, das schlechte Wetter löst allerorten eher negative Befindlichkeiten aus. Ich gebe ja zu: Bei mir nicht. Ich mag’s, wenn’s draußen regnet. Und da langsam die Dämmerung aufzieht, dachte ich, ich gewähre mal einen kleinen Blick in meine zahlreichen Bücherdepots (Regale und sämtliche freie Plätze) und gebe, damit es kein reiner Fotopost wird, zehn Buchtipps für die düstere, etwas melancholische Jahreszeit. Kann losgehen, oder? Man könnte annehmen,  das alles hätte eine Ordnung. Hat es nicht. Ich lese immer ganz angetan davon, wie Leute stundenlang ihre Bücherregale umräumen, neue Sortierungsmechanismen einführen und verwerfen. Bei mir steht seit jeher alles durcheinander. Vielleicht, weil ich mich dann immer wieder an neuen Entdeckungen erfreuen kann, weil sie längst vergessen waren. Vielleicht, weil ich so immer alles mal in der Hand habe, wenn ich etwas suche. Es könnte ja schließlich überall sein. Idole müssen dringend sichtbar platziert sein. Zur gelegentlichen Hebung der Stimmung. Tatsächlich sind viele Bücher Flohmarkterwerbe. Eigentlich wollte man diesmal ja was ganz anderes kaufen, …

Rezensionen

A Adichie,Chimamanda Ngozi – Americanah Aehnlich, Kathrin – Wenn die Wale an Land gehen Ahmad, Jamil – Der Weg des Falken Allende, Isabel – Das Geisterhaus Altarriba, Antonio – Die Kunst zu fliegen Ambjørnsen, Ingvar – Den Oridongo hinauf Anouk, Misha – Goodbye Jehova Austen, Jane – Emma Ausubel,Ramona – Der Anfang der Welt B Bachmann,Stefan – Die Seltsamen Bärfuss, Lukas – Koala Bargum, John – Septembernovelle Barlow,Toby – Baba Jaga Barth, Stephanie – Deutscher Meister Bauer, Jon – Steine im Bauch Baum/Shanower/Young – Der Zauberer von Oz Bechdel, Alison – Wer ist hier die Mutter? Bell, Madison Smartt – Die Farbe der Nacht Bengtsson, Jonas T. – Wie keiner sonst Berthoud & Elderkin – Die Romantherapie Bicker, Björn – Was wir erben Bradley, Alan – Flavia de Luce 5, Schlussakkord für einen Mord Bradley, Alan – Flavia de Luce 4, Vorhang auf für eine Leiche Bradley, Alan – Flavia de Luce 2, Mord ist kein Kinderspiel Bradley, Alan – Flavia de Luce 1, Mord im Gurkenbeet Brasch, Marion – Wunderlich fährt nach Norden Brookmyre, …

Max Czollek – Gegenwartsbewältigung

Mit Desintegriert euch schrieb der Lyriker und Theatermacher Max Czollek 2018 einen vielbeachteten Essay über das sogenannte Gedächtnistheater und die festgeschriebene Rolle jüdischer Menschen innerhalb der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Gegenwartsbewältigung, auch Titel einer Lesereihe im Berliner Maxim Gorki Theater, wirft nun, mit Rückbezug auf Thesen des Vorgängerbuches, einen Blick auf gesellschaftliche und künstlerische Bewältigungsstrategien angesichts aktueller Krisen. Wie kann Solidarität in einer Gesellschaft gelingen, in der Menschen sich zunehmend vor allem mit denen solidarisieren, die genauso sind wie sie? Wie kann Kunst aussehen, die ihre Entstehungsbedingungen reflektiert und an aktuelle Diskurse anschließt? Was kann Kunst überhaupt leisten in diesen Tagen? Wenn die gegenwärtige Pandemie uns eines gezeigt hat, dann ist es die Tatsache, dass vieles politisch möglich ist, wenn ein unbedingter Wille zur Umsetzung existiert. Innerhalb kürzester Zeit wurden Milliarden ausgegeben, um die Auswirkungen des Lockdowns abzufedern. Es wurden Maßnahmen ergriffen, die tief in unser aller Alltagsleben eingreifen, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen vor einer Infektion zu schützen. Warum war all das so schnell umsetzbar, während andere Brandherde seit Jahren schwelen, ohne einen Bruchteil dieser Aufmerksamkeit zu …

#klassikerlesen mit Cornelsen: Die Verwandlung

Auf Instagram habe ich es angekündigt: Ich möchte mich in diesem Jahr, in Kooperation mit dem Cornelsen-Verlag, mit ausgewählten Klassikern beschäftigen. Sowohl mit solchen, die ich in der Schule gelesen habe als auch mit solchen, die ich längst hätte lesen wollen und sollen. Hat sich mein Blick auf die Lektüre verändert, wenn es eine neuerliche Lektüre ist? Sehe ich jetzt etwas am Text, das ich früher nicht gesehen habe? Weshalb ist es noch immer lohnenswert, diesen oder jenen Text zu lesen? Kafka ist nicht einfach nur Kafka. Kafka ist Popkultur. Kafka ist Gegenstand von Memes, Comic Strips, Serien und Karikaturen, die besonders häufig Bezug auf „Die Verwandlung“ nehmen – fast so, als sei Kafka mittlerweile untrennbar mit Käfern verbunden. Kafkaesk ist ein Begriff für das unerklärlich Absurde und komplexe Machtstrukturen, die in vielen seiner Texte Einfluss auf die Geschicke der Protagonisten nehmen, ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten. Der Duden führt als Synonym zu kafkaesk den Begriff unheimlich und obwohl das sicherlich zutrifft, ist es nur die halbe Geschichte. Kafkas Erzählungen und Romane sind …

#klassikerlesen mit Cornelsen: Der Schimmelreiter

Auf Instagram habe ich es angekündigt: Ich möchte mich in diesem Jahr, in Kooperation mit dem Cornelsen-Verlag, mit ausgewählten Klassikern beschäftigen. Sowohl mit solchen, die ich in der Schule gelesen habe als auch mit solchen, die ich längst hätte lesen wollen und sollen. Hat sich mein Blick auf die Lektüre verändert, wenn es eine neuerliche Lektüre ist? Sehe ich jetzt etwas am Text, das ich früher nicht gesehen habe? Weshalb ist es noch immer lohnenswert, diesen oder jenen Text zu lesen? Der Regen peitscht über irgendeinen Deich. Ihm zu Füßen ein Pferd und tüchtige Männer, die irgendwelche notwendigen Reparaturarbeiten ausführen (am Deich, nicht am Pferd), die Lage ist angespannt, man brüllt sich über das Tosen des Sturms Anweisungen zu. So oder so ähnlich ist eine Filmszene aus dem Schimmelreiter in meinem Kopf verankert, die zu einer der drei Verfilmungen (1934, 1977, 1984) von Theodor Storms Novelle gehören muss, die wir wohl in der achten Klasse begleitend zur Lektüre gesehen haben. Das ist gut und gern fünfzehn Jahre her. Viel mehr war nicht in meinem Gedächtnis …

Michael Kumpfmüller – Ach, Virginia

Einige Jahre nach Michael Kumpfmüllers erfolgreichem Roman Die Herrlichkeit des Lebens, in dessen Mittelpunkt Franz Kafka stand, erscheint nun erneut ein Text, der um das Leben einer Schreibenden kreist. Protagonistin ist diesmal Virginia Woolf. „L. macht die Rhododendren …“ ist der letzte Satz, den Virginia Woolf vor ihrem Tod im März 1941 zu Papier bringt. Wenige Tage später wird sie sich das Leben nehmen, in einem Fluss nahe ihres Hauses. Michael Kumpfmüller rekonstruiert in Ach, Virginia nun die letzten zehn Tage ihres Lebens. In einer Mixtur aus Außen- und Innenperspektive folgt er Woolf in die tiefe Depression und die Zerrissenheit, die sie immer wieder heimgesucht haben. Kumpfmüller wählt dafür einen Tonfall, der mit dem von Woolf (ausgehend von ihren überlieferten Tagebuchaufzeichnungen) durchaus vergleichbar ist: poetisch, ironisch, manchmal beißend im Ton, unstet, hadernd und kreisend um Themen und Menschen, die die Schriftstellerin zeitlebens geprägt haben. Da und dort zitiert Kumpfmüller auch direkt aus Woolfs Notizen. Offenbar steht es doch schlimmer um sie, als sie gedacht hat. Sie ist ernsthaft krank, in ihrem Kopf ist jede Menge …