Alle Artikel in: Sonstiges

Ein (Blog)Jahr 2013 endet

Allerorten wird man dieser Tage erschlagen mit Jahresrückblicken und possierlichen Infografiken, die in möglichst komprimierter Form das letzte Jahr widergeben sollen. Auf dass wir uns alles nochmal wohlmeinend ins Gedächtnis rufen, um es dann, überwiegend, guten Gewissens von der Festplatte zu löschen. Nächstes Jahr geht schließlich alles von vorn los. Auch ich möchte auf mein 2013 zurückschauen, denn es hatte so einige literarische und persönliche Überraschungen parat, die nicht unerwähnt dem Vergessen anheimfallen dürfen. Mein Lesejahr begonnen habe ich mit Ingvar Ambjørnsens ,Den Oridongo hinauf‘. Es war ein Weihnachtsgeschenk und eine sehr lohnenswerte Lektüre. Sprachlich außerordentlich intensiv nahm das Jahr seinen Anfang auf einer abgelegenen norwegischen Insel. Kurz darauf folgten zwei absolute Ausnahmen in meiner bisherigen Blogtätigkeit. Habe ich doch den hochgelobten und vorallendingen äußerst rentablen Roman von Jojo Moyes gelesen, ,Ein ganzes halbes Jahr‘. Und mich bewusst entschieden, es nicht zu rezensieren. Zwar habe ich einen Text geschrieben, irgend etwas hat mich dann aber doch davor zurückschrecken lassen, es zu veröffentlichen. Hier ein kurzer Auszug: Man mag es kaum glauben, da lese ich doch …

Wortreiche Geschenke

Das Weihnachtsfest naht schnellen und festen Schritts. Und wieder einmal stellt sich jeder von uns die bange Frage nach dem passenden Weihnachtsgeschenk. Trotzdem immer wieder hartnäckig der Niedergang des Lesens, des gedruckten Buches insgesamt, prophezeit wird, landen jedes Jahr eine Menge literarische Geschenke unter den heimischen Weihnachtsbäumen. Allen Unkenrufen zum Trotz verschenken wir immernoch Eintrittskarten in fremde Welten, Passierscheine für die Brücken, die aus dem Alltag hinausführen und uns andere Perspektiven eröffnen. Dennoch alljährlich dieselbe Frage: Welche Bücher verschenken? Bei rund 90.000 Neuerscheinungen jedes Jahr fällt die Entscheidung nicht leicht – und da sind noch nicht einmal die zahlreichen Klassiker eingerechnet, die bereits seit Jahrzehnten beliebt und begehrt sind. Von mir nun ein kleiner Überblick schenkenswerter Werke, von humorvoll bis tragisch, von unterhaltsam bis literarisch. Was Weihnachten unter der nadelnden Nordmanntanne liegen darf, kann, muss oder sollte. Der Einfachheit halber in Kategorien eingeteilt. Geschichte Bücher, die sich historischen Gegebenheiten widmen oder ihre Erzählung bewusst in einer bereits vergangenen Epoche ansiedeln, gibt es viele. Ich habe drei verschiedene zusammengetragen, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise …

[LiteraTour Nord] Clemens Meyer – Im Stein

Er sitzt im dunkelblauen Hemd vor roter Kulisse. Nach Abbas Khider und Ralph Dutli ist Clemens Meyer der dritte Autor, der im Rahmen der LiteraTour Nord in Lübeck aus seinem aktuellen Roman liest. ,Im Stein‘ heißt er und stand auf der Shortlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis. Schon nach den einleitenden Worten von Hans Wißkirchen, Direktor der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck, wird klar, dass ,Im Stein‘ keine leichte, beiläufige und vergnügliche Lektüre ist. Nicht nur, weil die Handlung des Romans sich überwiegend im Rotlichtmilieu abspielt, sondern auch, weil dieselbe gemütliche Lesegewohnheiten sprengt. Hier geht es fragmentarisch zu, nicht linear oder gar chronologisch, hier verweben sich Gedanken, Ideen, Gefühle. Vergangenheit und Gegenwart. Das Ganze und das Einzelne, alles und nichts. Als Clemens Meyer auf die Bühne gebeten wird, fängt er ohne Umschweife zu lesen an. Geplänkel ist seine Sache nicht. In den klaren Nächten sehe ich gerne den Mond. Da muss ich immer an das Kinderlied denken. Meine Mutter hat mir das oft vorgesungen vorm Einschlafen. Der Mond ist aufgegangen. Wenn ich das heute höre, und das …

Da steh’ ich nun, ich armer Thor ..

… und bin so klug als wie zuvor. (Johann Wolfgang von Goethe, Faust I) Unbestritten hat sich unsere Wissenskultur und vorallendingen der Zugang zu Informationen seit Goethes Zeit drastisch verändert. Seit das Internet nahezu standardmäßig zur Ausstattung deutscher Haushalte gehört und sich dank Smartphones auch angenehm portabel gestaltet, ist kaum eine Information noch zu abseitig, um sie zu finden, kaum eine Frage bleibt länger als einen Klick unbeantwortet. Wikipedia hat den guten alten Brockhaus abgelöst,der früher noch in epischer Breite die Schrankwand im Wohnzimmer okkupierte wie einst die großen Entdecker fremde Länder. Er gehörte zur Inneneinrichtung und wurde wohlwollend von Generation zu Generation weitergereicht. Wir alle, auch Goethe, waren uns schon immer im Klaren darüber, dass es so viel mehr zu wissen gibt als wir jemals lernen und begreifen können. ,Ich weiß, dass ich nichts weiß‘ war zu Sokrates’ Zeiten womöglich noch ein demütiges Eingeständnis, eine Verbeugung vor der Welt und all ihren kleinen und großen Rätseln und Geheimnissen. Heute stünde dieser Satz mutmaßlich am Ende einer jeden erfolgreichen Selbstreflexion. Ich weiß nichts – und …

LiteratourNord 2013

Seit 1992 gibt es die alljährlich stattfindende Lesereise der LiteraTour Nord. Jeden Winter von Oktober bis Februar lesen sechs Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur in sechs verschiedenen Städten Norddeutschlands. In Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Lüneburg und Hannover, jeweils in örtlichen Literaturhäusern und Buchhandlungen. Mit ihrer Teilnahme an der LiteraTour Nord bewerben sich die Autoren gleichzeitig um den Preis der LiteraTour Nord, der seit 2006 vergeben wird und mit 15.000 Euro dotiert ist. Ausnahmsweise befinde ich mich diesmal gewissermaßen am literarischen Puls der Sache und kann freudig verkünden, dass es dieses Jahr von mir Berichte zu den Lesungen geben wird. Es ist die 22. LiteraTour Nord und sie ist überraschend buchpreislastig. Von Abbas Khider einmal abgesehen, der allerdings just im Rahmen der Hotlist 2013 den Melsusine-Huss-Preis erhalten hat, lesen ausschließlich Autoren, die auf der Short – oder Longlist des Deutschen Buchpreises 2013 vertreten waren. Ich – und damit streng genommen auch ihr – darf mich freuen auf Abbas Khider (“Briefe in die Auberginenrepublik”, Edition Nautilus), Ralph Dutli (“Soutines letzte Fahrt”, Wallstein), Clemens Meyer (“Im Stein”, Fischer Verlag), …

Bloggertreffen bei DuMont!

Knapp eine Woche nach dem vom DuMont Verlag, genau genommen von Katharina Waltermann, initiierten Bloggertreffen im Kölner Neven-DuMont-Haus, komme nun auch ich dazu, meinen Bericht zu schreiben. Eines ist jedenfalls gewiss: Mit dieser Aktion hat der DuMont-Verlag Neuland betreten, von dem zu hoffen ist, dass auch andere Verlage es zukünftig entdecken. Denn es scheint sich abzuzeichnen, dass nicht nur Rezensionen in einschlägigen Feuilletons, sondern auch in ganz privaten Blogs immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zwanzig Blogger (inklusive einiger Begleitpersonen) betraten am 23. August gegen 14:00 Uhr das riesige Neven-DuMont-Haus, in dem nicht nur der Buchverlag, sondern auch zahlreiche Zeitungsredaktionen und der Kalenderverlag beheimatet sind. Ja, zu unserer Überraschung ist die Abteilung des Buchverlags, gemessen am architektonischen Volumen dieses Gebäudes, fast zum Verlieben klein und charmant. Vor dem Konferenzraum erhalten wir unsere kleinen Namensschilder und werden beim Eintreten von überraschend vielen Mitarbeitern des Verlags unheimlich freundlich und offenherzig empfangen. So begrüßte uns beim Eintreten sofort Jochen Große-Entrup, zuständig für Vertrieb und Marketing, Frau Waltermann hatte uns bereits beim Eintreten in Empfang genommen und durch die gläsernden …

Der Kretin ist immer der Buchhändler

Bei SteglitzMind entspinnt sich gerade eine hitzige Debatte, ausgelöst von einer Streitschrift aus Kundensicht, einem Pamphlet gegen die Uniformität des stationären Buchhandels. In jeder Buchhandlung stünde nur noch der Historienschinken an den Regionalkrimis, liebevoll umarmt von den Dora Helds und Hera Linds, den SMS von gestern Nacht und Schatten von Grau. Eine Beschwerde, die man durchaus nicht als vollkommen ungerechtfertigt abtun kann. Statt sich in der Breite aufzufächern, setzen viele auf ein nahezu krisensicheres Sortiment, so tief, dass man mitunter meinen könnte, es gäbe keinen Erotikroman auf dieser weiten Welt, der nicht in diesem Regal stünde, gemeinsam mit den Grauschatten. 80 Days’, Crossfires, Fire After Darks … was einmal ankommt, wird gnadenlos ausgeschlachtet. Diese Beobachtung ist zunächst einmal mitnichten schwer zu machen oder gar zu formulieren. Die wichtigere Frage, die sich beim Anblick des literarischen Einheitsbreis stellt, ist doch: Wer rührt ihn an? Wer serviert ihn? Und wer isst ihn? Auch, wenn man versucht ist, alle drei Fragen mit einer Antwort zu erledigen, die nur lauten kann: Der Buchhändler, der Buchhändler! – ist es wohl …

Lewis Always oder 1984

Heute wäre Eric Arthur Blair, den wir alle unter dem Namen George Orwell kennen, 112 Jahre alt geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wirkt dieses konstante Weiterzählen der Lebensjahre nach dem unumkehrbaren Dahinscheiden etwas realitätsfremd, aber vermutlich werden wir auch zukünftig irgendwann schreiben: Heute wäre Elvis 200 Jahre alt geworden – selbst wenn das auch unter normalen Umständen wohl niemals der Fall gewesen wäre. Wie dem auch sei, sich an George Orwell, einen der bedeutendsten englischen Schriftsteller zu erinnern, wird niemals nutzlos oder antiquiert sein. Ganz im Gegenteil. George Orwell wurde 1903 in Indien geboren. Sein Vater war Kolonialbeamter des Indian Civil Service und als solcher für die Opiumernte zuständig. Als er ein Jahr alt ist, nimmt seine Mutter ihn und seine Schwestern mit zurück nach England, nach Henley-on-Thames in Oxfordshire. Er besuchte die anglikanische Kirchenschule in Henley-on-Thames und wechselte 1917 ans Wellington bzw. Eton College. Seine schulischen Leistungen waren so gut, dass seinen Eltern die Hälfte seines Schulgeldes erlassen wurde. 1921 ging Orwell zur britischen Kolonialpolizei – wie sein Vater – und wurde im Dienste …

Die Kleinsten werden die Größten sein

Wir lieben sie. Die kleinen, charmanten Buchläden, die zum Verweilen einladen. Wir lieben den Geruch und den Hauch Nostalgie, die bisweilen etwas kauzigen, aber kompetenten Buchhändler, die sie bewohnen. Die meisten von uns besuchen solche Buchhandlungen gern und regelmäßig wird von Branchenkennern ihr Untergang prophezeit. Sie hätten keine Chance gegen amazon, gegen große Unternehmen, der Zug sei abgefahren, es sei denn, sie schafften es noch, aufzuspringen. Ich habe mir nun Folgendes überlegt: Ich möchte eine Reihe mit dem Namen ,Die Kleinsten werden die Größten sein‘ ins Leben rufen. In loser Folge möchte ich kleine (inhabergeführte) Buchhandlungen aus ganz Deutschland (vielleicht auch Österreich & Schweiz?) vorstellen und ihnen damit eine Plattform geben. Ein bisschen inspiriert ist das von der Klappentexterin, die auf ihrer Seite auch die Adressen solcher Buchhandlungen sammelt. Ich möchte den Buchhandlungen einen Artikel widmen. Ich hätte gern Fotos, Geschichten und Anekdoten rund um die Kleinen. Dazu brauche ich aber natürlich eure Hilfe, ich kann ja nicht in ganz Deutschland gleichzeitig präsent sein. Logisch. Kennt ihr eine kleine Buchhandlung, in die ihr liebend gern …

Bloggeburtstag!

Es ist soweit! oder: Understatement ist nur eine kenntnisreichere Form der Prahlerei (Max Goldt) Am 20. Mai 2011, heute vor zwei Jahren, wurde dieser Blog geboren. Zunächst als bloßes Lesetagebuch geschaffen, als Gedächtnisstütze, als Idee in den Raum geworfen, hätte ich niemals erwartet, dass sich derlei daraus entwickelt. Wie oft fängt man nicht irgendwas an und ist fast schon schmerzhaft ambitioniert, daraus was richtig Großartiges zu machen? Und dann ist man nach zwei Wochen doch der Meinung, dass der Idealismus vielleicht ein bisschen überdosiert war. Mein erster Artikel galt Francois Lelords “Das Geheimnis der Cellistin“. Seitdem haben sich 161 Artikel leicht schwankender Qualität dazugesellt. Aber bevor die kleine Nabelschau beginnt, … ein poetischer Gruß! (Die Qualität ist, wie immer, bei meiner Kamera, eher bedenklich, aber ich hoffe, man kann dennoch folgen! – andernfalls habe ich dieses Meisterwerk der Geburtstagslyrik natürlich auch noch in verschriftlichter Form) Man beachte natürlich auch die nonchalant dem Boden zustrebende Brille. Alles geplant! Ich will gar nicht mit langweiligen Statistiken nerven, obwohl die Versuchung schon da ist, begeistert mit Zahlen um …