Alle Artikel in: Sonstiges

Zehn rote Tipps

Mit einiger Faszination verfolge ich den seit längerem um sich greifenden Trend, seine Bücherregale nach Farben zu sortieren. Ästhetisch fraglos ein Hingucker und für mich wahrscheinlich nicht mehr oder weniger praktisch als mein jetziges Chaos-System, habe ich also in Anlehnung daran beschlossen, euch Buchtipps auch mal farblich getrennt zu kredenzen. Warum nicht mal nur rot? Ich habe, muss ich gestehen, eine starke Affinität zu rot – wer das psychologisch ausdeuten möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Für alle anderen gibt es nun rote Tipps, ganz der Jahreszeit angemessen, wie ich finde! “Und noch 15 Minuten bis Buffallo” – Die schönsten Balladen (Davon gibt es mittlerweile auch schon eine zweite, wunderschöne Ausgabe, allerdings in blau!) Frédéric Valin – In kleinen Städten Guy de Maupassant – Bel Ami A.M. Homes – Auf dass uns vergeben werde Jonas Lüscher – Frühling der Barbaren Ludwig Laher – Bitter Iwan Gontscharow – Oblomow Albert Camus – Die Pest Charles Jackson – Das verlorene Wochenende Allen Frances – Normal (Das einzige Sachbuch in der Liste und nur partiell rot, dafür aber umso …

Regalinspektion und zehn Tipps für den Herbst

Foto: Timon Först Der Herbst ist da. Sagt man. Vielfach wird er missmutig begrüßt, das schlechte Wetter löst allerorten eher negative Befindlichkeiten aus. Ich gebe ja zu: Bei mir nicht. Ich mag’s, wenn’s draußen regnet. Und da langsam die Dämmerung aufzieht, dachte ich, ich gewähre mal einen kleinen Blick in meine zahlreichen Bücherdepots (Regale und sämtliche freie Plätze) und gebe, damit es kein reiner Fotopost wird, zehn Buchtipps für die düstere, etwas melancholische Jahreszeit. Kann losgehen, oder? Man könnte annehmen,  das alles hätte eine Ordnung. Hat es nicht. Ich lese immer ganz angetan davon, wie Leute stundenlang ihre Bücherregale umräumen, neue Sortierungsmechanismen einführen und verwerfen. Bei mir steht seit jeher alles durcheinander. Vielleicht, weil ich mich dann immer wieder an neuen Entdeckungen erfreuen kann, weil sie längst vergessen waren. Vielleicht, weil ich so immer alles mal in der Hand habe, wenn ich etwas suche. Es könnte ja schließlich überall sein. Idole müssen dringend sichtbar platziert sein. Zur gelegentlichen Hebung der Stimmung. Tatsächlich sind viele Bücher Flohmarkterwerbe. Eigentlich wollte man diesmal ja was ganz anderes kaufen, …

Rund um’s Buch

Was ein echter Bibliophiler ist, der kann sich nicht nur über das bedruckte Papier zwischen zwei Buchdeckeln freuen, sondern auch über Vieles, was so ganz nebenbei mit Bezug zum Buch zu haben ist. Von Buchstützen über Schmuck, von Postern mit literarischen Helden oder gleich ganzen Kurzgeschichten über Hüllen, Taschen und Kissen – die Vielfalt ist groß, durchaus auch im Hinblick darauf, was aus Büchern selbst hergestellt werden kann. Davon möchte ich künftig hier Ausschnitte präsentieren. Aber das geht – wie so oft – natürlich nicht ohne eure tatkräftige Uterstützung. Also frage ich in die Runde: – Stellt jemand von euch womöglich sogar selbst etwas her? Näht Buchhüllen? Bastelt Lesezeichen? – (Be)Druckt ihr ganz besondere Einzelstücke in Handarbeitsverfahren? Kleine Bücher, Poster oder Papier? – Kennt ihr jemanden, dessen kleine Kunstwerke viel mehr Aufmerksamkeit verdienen? Hat derjenige vielleicht sogar einen daWanda–Shop? Auch Unternehmen, die buchaffine Nebenprodukte herstellen, können sich an mich wenden. Geplant sind regelmäßig erscheinende Tipps zu den kleinen bibliophilen Nebensächlichkeiten, die Freude bereiten. Die manchmal schön und manchmal einfach nur praktisch sind. Wichtig dabei: Es …

Umzüge

Nach quälend langen Tagen des Wartens ist es vollbracht: Der Blogumzug ist gelungen, alles steht noch halbwegs an seinem Platz und renoviert wurde auch ein bisschen. Geschafft hätte ich das wohl nicht ohne technisch versierte Unterstützung – also sei an dieser Stelle nochmal ganz herzlich mein allzeit bereiter und unfassbar engagierter Helfer erwähnt: Chris von den booknerds. Gepriesen sei er für seine Geduld! Im Hintergrund wird noch das ein oder andere zu machen sein, das soll aber den reibungslosen Ablauf nicht weiter stören. Da ich nicht ganz sicher bin, ob es mit der Übernahme aller Follower geklappt hat und damit ihr weiterhin auf dem neuesten Stand bleibt: Achtet vielleicht die nächsten Tage darauf, ob ihr Aktualisierungen erhaltet, folgt diesem Blog nochmal (via WordPress oder E-Mail), wenn ihr euch unsicher seid. Ansonsten bleiben Facebook und Twitter weiterhin die gängigen Anlaufstellen. Solltet ihr Fragen haben oder Fehler entdecken, schreibt mir wie gewohnt an: literatourismus@gmx.de. Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen: Ich hoffe, dass es euch gefällt und dass ihr weiterhin dabei seid. Die letzten Tage war …

Urlaubszeit ist Lesezeit

Jedenfalls für die meisten von uns. Damit das mit der Urlaubslektüre dieses Jahr auch reibungslos über die Bühne geht, habe ich einige Bücher zusammengestellt – gut lesbar, mal heiter, mal melancholisch, klassisch und aktuell. Eine Auswahl. Anne Goldman – Lichtschacht. Von Krimifans schon jetzt mit vielen guten Worten bedacht, mal ganz anders, nicht reißerisch, sondern psychologisch gekonnt. Suspense eben – wer denkt bei der Handlung nicht an Hitchcocks ,Das Fenster zum Hof’?

,Literaturen’ feiert Geburtstag.

13.03.2014, Buchmesse Leipzig: Kurzes Zusammentreffen mit Jo Lendle, der mich fragt, ob ich mich mit dem Namen meines Blogs nicht mindestens in einer rechtlichen Grauzone bewege, schließlich gäbe es ja dieses gleichnamige Printmagazin. Vielleicht, ja, doch, irgendwie, habe darüber nachgedacht, es wieder verworfen, leide unter Schweißausbrüchen beim Anblick beanzugter Männer, die potentielle Anwälte nämlichen Printmagazins sein könnten. Finde heraus, dass ,Literaturen’ ein durchaus gängiger Plural ist. Atme aus. Drei Jahre gibt es ihn nun schon, diesen durchaus gängigen Plural in Form eines Literaturblogs. Literaturblogs gibt es viele, das war auch schon vor drei Jahren nicht bedeutend anders. War mir aber egal, es sollte ja zunächst nur eine Art Gedächtnisstütze sein, dementsprechend war auch das Publikum. Ich führte einen schier endlosen literarischen Molonog, bis die erste tatsächlich kommentierende Leserin in mein Bloggerleben trat. Es war Mara von Buzzaldrins, die da eines Tages einfach auf der Bildfläche auftauchte und aus dem Monolog wenigstens streckenweise einen Dialog werden ließ. Dafür danke ich an dieser Stelle einfach nochmal herzlich. Aus ein paar vereinzelten Folgenden sind nun auf Facebook, Twitter und …

Ja, ist denn schon Herbst?

In der Buchbranche jedenfalls wird der kommende Sommer bereits zugunsten herbstlichen Nachschubes Literatur übergangen. Das ist nicht ungewöhnlich, auch im Kalendergeschäft beobachtet man ja regelmäßig, wie das Angebot von Kalendern für das Folgejahr dem Jahr selbst eklatant voraus ist. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die wenig Raum lässt zum Atmen und Innehalten. Angesichts einer nahezu unübersichtlichen Masse an Neuerscheinungen haben es Buchhändler schwer, noch den Überblick zu bewahren. Was heute hoch gehandelt wird, ist schnell schon wieder vergessen und zugunsten des Neuen verdrängt. Wenn selbst der Buchhändler, den man nach landläufigen Gesichtspunkten wahrscheinlich als Vielleser und Ausnahmeerscheinung im Hinblick auf seinen Buchkonsum bezeichnen kann, nicht mehr Schritt halten kann – wie sollen es die Kunden? Nun kann man sagen, dass auch ein Verlag ein tragfähiges Unternehmen sein muss und es weniger darum geht, dem Kunden Zeit mit den neu erschienenen Büchern zu verschaffen als ihm ständig neue Kaufanreize zu bieten. Hier gilt derselbe Grundsatz wie in jedem Unternehmen. Und besonders angesichts der Fülle produzierten und veröffentlichten Materials ist es vollkommen klar, dass ein Großteil …

Wie sollten wir sein?

Sheila Heti stellt sich in ihrem neuen Roman ,Wie sollten wir sein‘ (Rowohlt Verlag) eben genau diese Frage. An Vorschlägen, Ideen und Vorschriften mangelt es uns nicht, mittlerweile viel häufiger an Orientierung. Was ist ein guter Mensch? Wo zählen welche Qualitäten? Und was ist am Ende womöglich völlig unwichtig? In einer auf Leistung und Wohlstand ausgerichteten Gesellschaft können wir vielfach beobachten, wie sich Werte und Prioritäten verschieben. Die Lebensplanung beginnt sich auszurichten an einem allgegenwärtigen Ideal von Optimierung. Lebensoptimierung, Partneroptimierung, Selbstoptimierung. Und während wir uns zu kleinen Wirtschafts – und Profitmaschinen umbauen, kommt die Frage danach, wie wir denn eigentlich sein sollten, zur richtigen Zeit. Jeder würde diese Frage wahrscheinlich anders beantworten, jeder würde für sich einer anderen Sache Priorität einräumen. Sollen wir flexibel sein? Aufgeschlossen? Liebevoll? Voller Verständnis? Egoistisch, so es unsere eigene Haut betrifft? Mit spitzen Ellbogen bewährt? Oder ganz selbstlos? Meine (durchaus literarisch motivierte) Antwort findet ihr hier. Was mich nun aber ganz brennend interessiert: Was denkt ihr?

Die wundersame Buchvermehrung

An Weihnachten oder äquivalenten Festtagen wünscht sich der Leser ja doch häufig neuen Lesestoff. Ganz gleich, ob er – praktisch gesehen – noch genügend hätte, über’s Jahr haben sich so viele neue Wünsche angesammelt, dass ein paar dieser Wünsche dann auch auf wundersame Weise in Erfüllung gehen (müssen). Gestartet von Sätze&Schätze begannen nun immer mehr Buchblogger, über ihre wundersame Buchvermehrung an Weihnachten zu berichten. Mit dabei sind auch Philea’s Blog und Susanne Haun. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es doch mindestens genauso interessant, seinen eigenen Buchzuwachs zu betrachten wie den der anderen. Wohlwissend, dass meine hiesigen Regale zweifellos mit dem vorhandenen Lesestoff gut ausgelastet sind, hatte ich beschlossen, mir dieses Jahr doch die eine oder andere praktiakble Lektüre zu wünschen. Bücher über das Schreiben. Von Kritiken und ganz allgemein. Und da fiel meine Wahl auf Stephan Porombka und Roy Peter Clark. Stephan Porombka ist Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK Berlin und gibt mit seinem Trainingsbuch ganz konkrete Anweisungen. Schreibenlernen ist auch Arbeit, es bedeutet, mit offenen Augen und Ohren durch die …

Der Bibliophile

Unter Lesern gibt es viele verschiedene Spezies. Spielarten, Unterarten, Vorstufen und Endstadien. Jedem aber dürfte das Problem des Raums geläufig sein, der begrenzten Realität, die vonnöten ist, um Geschichten und Wissen artgerecht zu lagern. Dem Bibliophilen, der gelegentlich die Grenze zum Bibliomanen überschreitet, ist das gleichgültig. Er dehnt den Raum zu seinen Gunsten, so lange es freie Flächen gibt, wird es Bücher geben, sie zu füllen. Und als würden Bücher allein unmöglich ausreichen, muss der Bibliophile sich zur Aufrechterhaltung seines Wohlbefindens mit allerlei Gegenständen umgeben, die in irgendeiner Verbindung zum Literarischen, zum geschriebenen Wort stehen. Für den Bibliophilen sind Bücher in direktem Umfeld überlebensnotwendig. Eine Behausung ohne bedrucktes Papier, Buchdeckel und Zubehör ließe den Bibliophilen innert kürzester Zeit verkümmern wie eine verdurstende Zimmerpflanze. Ja, man könnte sogar zu sagen wagen, der Bibliophile läse selbst dann, wenn er die Bücher nur anschaue, er atme gewissermaßen das um ihn herum befindliche Wort durch die Buchdeckel hindurch. Unter Wissenschaftlern ist es nach wie vor umstritten, inwiefern eine ausgeprägte Bibliophilie bereits die Kriterien einer ernsthaften Erkrankung erfüllt. In jedem …