Alle Artikel in: Interviews

Meg Wolitzer im Interview

Foto: Nina Subin Gerade hat sie im Dumont Verlag einen Roman veröffentlicht, der nicht nur von Jonathan Franzen gelobt, sondern bisweilen sogar mit ihm verglichen wird. ,Die Interessanten‘ ist ein Buch über Freundschaft und das Leben, aber auch ein gesellschaftlicher Querschnitt durch viele Jahrzehnte amerikanischer Geschichte, von den Siebzigern bis heute. Ich hatte, was mich wirklich sehr freut, die Möglichkeit, Meg Wolitzer einige Fragen zu stellen. Das zweite Interview, neben Dorthe Nors, das ich auf Englisch geführt habe. Und die Antworten kamen tatsächlich den langen Weg von New York hierher! Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle natürlich an Meg Wolitzer selbst, aber auch an den Dumont Verlag, der das überhaupt möglich gemacht hat. Waren Sie jemals in einem Sommercamp und wenn ja, wo und wann? Ja, ich war mal in einem Sommercamp in Massachusetts, als ich fünfzehn war. Es war dem in ,Die Interessanten’ sehr ähnlich. Sie haben ,Creative Writing’ am Smith College und der Brown University studiert und unterrichten heute selbst. Wie ist es dazu gekommen? Denken Sie, dass man Schreiben lernen kann? …

Dorthe Nors und ihr Handkantenschlag

Sie mag keine Geschichten, die belehrend den Zeigefinger heben. Viel mehr geht es ihr um das Spiegeln menschlichen Handels und Empfindens, sagt die dänische Autorin Dorthe Nors in einem Interview. Die heute 44-jährige studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte und veröffentlichte 2001 ihr erstes Buch. Drei weitere folgten, so auch 2008 ,Kantslag‘, das ihr zum Durchbruch verhalf. 2014 unter dem Titel ,Karate Chop‘ auch auf Englisch veröffentlicht, wurde es frenetisch von der amerikanischen Presse gefeiert. Sie sei ein aufstrebender Star, die Publishers Weekly verkündet sogar, kein Wort sei bei Dorthe Nors am falschen Platz. Sie selbst bezeichnet ,Handkantenschlag‘, das sechs Jahre brauchte, um in deutschen Regalen zu landen (dank dem Osburg Verlag), als eine Art Logbuch. Dorthe Nors lebte für zwei Jahre an verschiedenen Orten in Dänemark und lernte bei ihren Reisen unzählige Menschen und ihre Geschichten kennen. Es waren gute Begegnungen und weniger gute, auf jeden Fall aber haben sie sich in das Gedächtnis der aufmerksamen Autorin eingebrannt. Es geht um Einfühlungsvermögen und Genauigkeit, sagt sie. In ihren Geschichten, die oft nur kurze Momentaufnahmen alltäglichen Lebens …

Marion Brasch im Interview

Foto: Jörg Steinmetz Gerade erschien ihr neuer Roman ,Wunderlich fährt nach Norden‘. Eine fast mystische Reise an die Grenzen des Erklärlichen und letztlich doch wieder ein Ankommen bei sich selbst. Marion Brasch spricht mit mir über den Roman, Wunderlichs Ursprünge und das Schreiben. 1.Marion, wie kommt man vom Radio zum Bücherschreiben? War das schon lange ein Traum von Dir oder eher ein spontaner Entschluss? Ich schreibe eigentlich schon lange, allerdings passierte das früher eher sporadisch; meist waren es kleine absurde Geschichten – nichts, das in die Welt hinaus musste. Das „ernsthafte“ Schreiben kam erst durch meinen ersten Roman „Ab jetzt ist Ruhe“. Da musste ich mal etwas länger bei der Sache bleiben, was sonst nicht so meine Art war. 2.Du bist noch immer beim Radio tätig, mittlerweile bei Radio Eins. Was ist das Schöne am Radio? Radio ist eine großartige Sache, weil es schnell, unmittelbar, unaufwendig und trotzdem ein sinnliches Medium ist; durch die Musik, aber auch durch die Leute, die hinterm Mikrofon sitzen und die man mögen kann oder auch nicht. Ich habe das …

Das Antiquariat Diderot

Wir alle wissen als Leser und Leserinnen meistens sehr gut, wie es so im Sortimentsbuchhandel aussieht. Viele von uns gehen dort mehr als regelmäßig ein und aus. Doch wie läuft es eigentlich im Antiquariat ab? Was ist dort anders? Jasmin Fritz, 1976 in Lübeck geboren und Inhaberin des Antiquariats ,Diderot’ in Kiel, stand mir Rede und Antwort. Die gelernte Antiquarin und studierte Literaturwissenschaftlerin geht mit ihrem Laden auch für die Auszeichnung Kultur – und Kreativpilotin 2014 ins Rennen. Würde sie ausgewählt, wäre Diderot Teil einer Initiative der Bundesregierung, die Unternehmen unterstützt, die sich als Kulturbewahrer und kulturelle Treffpunkte engagieren. So oder so ist das Antiquariat aber nicht nur ein Antiquariat, sondern auch Veranstaltungsort für Lesungen oder Ausstellungsraum für Kunstwerke.

Der kladde|buchverlag

2013 gründete sich der kladde|buchverlag. Jonas Al-Nemri und seine Mitstreiter wollen in der Buchbranche einen Gegenpol schaffen zu Massenfertigung,Lieblosigkeit und Einerlei. Ihr besonderes Konzept: Das Crowdfunding. Ich hatte die Freude, mit Jonas Al-Nemri ein Interview zu führen, in dem er diesen besonderen Verlag aus Freiburg näher vorstellt. Jonas, du hast, mit einigen anderen, letztes Jahr den kladdebuchverlag gegründet. Wie kam es zu dieser Gründung? Das beschreibt unser Motto eigentlich ganz gut: es reicht unserer Meinung nach nicht mehr, einfach nur Bücher zu machen. Wir fanden, dass Bücher – gerade in Zeiten der Digitalisierung – nicht mehr nur Gefäße bestimmter Inhalte sein dürfen. Uns waren – nein: uns sind außerdem nach wie vor die Missstände der Buchbranche ein Dorn im Auge. Am Anfang unserer Geschichte steht also nicht wie sonst eine Idee, sondern viel mehr das Bedürfnis etwas verändern zu wollen. Wir haben uns zusammengesetzt und daraus etwas entwickelt, das genau das möglich machen kann. Mit welchen Problemen wart ihr bei der Gründung konfrontiert? Die Frage, ob unser anfängliches Gedankenspiel auch der Realität standhält. Crowdfunding ist …

David Wonschewski im Interview

Er schreibt von Düsternis und Leid, von Wahnsinn und Geisteskrankheit. Und er nennt das lebensbejahend. Klingt absurd? Vielleicht. Ist aber auf eine sehr tiefsinnige Art wahr. Ich habe mit David Wonschewski ein sehr ausführliches Interview geführt. Für alle, denen es schon lange in den Fingern juckt, ein Buch von Wonschewski zu lesen, habe ich überdies noch eine sehr gute Nachricht: Er spendiert zwei signierte (!) Exemplare von seinem neuen Erzählband ,Geliebter Schmerz’. (Periplaneta Verlag) “Geliebter Schmerz” ist für viele ein Widerspruch in sich. Für dich nicht. Warum? Was macht den Schmerz so liebenswert? Liebenswert ist ein Adjektiv, das ich nun nicht unbedingt für den Schmerz verwenden würde – auch wenn es von der direkten Wortbedeutung schon passt. Alles was uns schützt und am Leben erhält, was uns fördert und trägt und uns die Möglichkeit gibt uns weiterzuentwickeln, doch, ich denke das hat sich durchaus unsere Zuneigung verdient. Und diverse übel beleumundete menschliche Gefühle oder Reaktionsschemata fallen in genau diese Kategorie. Der Schmerz, die Angst, die Starre, die Panik, die Flucht – alles das ist dem …

Ein Interview mit Peter Henning

Anlässlich meiner Besprechung von Ein deutscher Sommer habe ich Peter Henning einige Fragen zu seinem Roman stellen dürfen, die ihr im Folgenden von ihm beantwortet findet. 1.Herr Henning, Ihr Roman ,Ein deutscher Sommer‘ behandelt das Gladbecker Geiseldrama von 1988. Was hat Sie dazu veranlasst, ausgerechnet ein solches Ereignis zum Thema eines Romans zu machen? Ich habe das Ganze, ich war damals 28, via Fernsehen miterlebt, in einer Mischung aus Schaulust und völliem Irritiert-,ja Angewidertsein. Und ich  sagte mir: Dazu würde ich mich dereinst einmal schriftstellerisch äußern, wenn ich denn mal einer sein würde. Die Bilder von damals haben mich nie mehr losgelassen. So gesehen habe ich 25 Jahre auf dieses Buch gewartet. 2.Wie haben Sie das Geiseldrama damals erlebt? Waren Sie journalistisch involviert? Nein, ich studierte damals ziemlich lustlos Philosophie und Germanistik, und war von der späteren journalistischen Tätigkeit (ich habe mich nie zu Fragen der Politik oder des Zeitgeschehens sondern immer nur zu Fragen und Problemstellungen des literarischen Lebens geäussert) noch denkbar weit entfernt. 3.Was unterscheidet die Herangehensweise beim Schreiben über ein reales Ereignis …

Ein Interview mit David Wonschewski

Im November 2012 ist dein erster Roman mit dem Titel Schwarzer Frost erschienen. Was verstehst du unter diesem Begriff? Die Bezeichnung „Schwarzer Frost“ stammt aus der Seefahrt. Bezeichnet wird damit eine Vereisung der Schiffsaufbauten, gebildet durch Nebel oder Nieselregen. Klingt zunächst nicht sonderlich gefährlich, kann aber tatsächlich dazu führen, dass die Takelage überlastet wird und das Schiff kentert. Ziemlich fiese Angelegenheit. Mit der Seefahrt hat der Roman eher wenig zu tun, aber mir gefiel dieser Begriff, lässt er sich doch gut auf die Psyche des Menschen übertragen. Hier eine Gemeinheit, dort eine Unverfrorenheit, ab und an ein Tiefschlag – manche Menschen können so etwas wegstecken. Andere aber gehen nach und nach kaputt an sich und ihrer Umwelt, sie vereisen. Und das Kentern ist dann oftmals nicht mehr weit. Suizid, Depression, Misanthropie: Dein Roman behandelt sehr düstere Themen. Woher rührt dein Interesse an den so genannten Schattenseiten des Lebens? Im Grunde legst du durch deine Formulierung den Finger bereits an die entscheidende Stelle: ,so genannte Schattenseiten’. Ich frage mich: Warum werden manche Dinge, die fester und …

Ein Interview mit Björn Bicker!

Ergänzend zu meiner Rezension zu Björn Bickers ‘Was wir erben‘ hier ein kleines Interview, zu dem sich Herr Bicker freundlicherweise bereit erklärt hat! In Ihrem Roman ‘Was wir erben’ geht es um die dunklen Flecken im Konstrukt Familie, um das, was sie uns mit auf den Weg gibt, wenn sie uns ins Leben entlässt. Was bedeutet Familie für Sie? Ich kann mir mich selbst ohne Familie gar nicht vorstellen. Das ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Die Familie, in die ich hineingeboren wurde, konnte ich mir nicht aussuchen. Das ist Verwandtschaft, der man ausgeliefert ist, die einen prägt, positiv wie negativ. Alles spätere wird in diesem Verbund angelegt. Manchmal kommt es mir so vor, als bestünde das ganze Leben darin, sich von bestimmten familiären Bindungen zu lösen. Aber dann kommt ja auch noch die Familie, die man sich selbst aussucht. Wahlverwandtschaft. Und dann kommen Kinder und diese Verstrickungen gehen weiter. Ob wir wollen oder nicht. Kann schön sein. Kraft geben. Liebe ist wohl das Entscheidende und eine gute Portion Wissen über sich selbst. Damit es gelingt. …

Ein Interview mit Bodo Wartke

In Fortsetzung zu meinem gestrigen Artikel über König Ödipus, in der Fassung von Sophokles und Klavierkabarettist Bodo Wartke hier nun ein Interview mit dem Grandmaster Ödipus Rex. Bodo Wartke wurde am 21. Mai 1977 in Hamburg geboren und wuchs in Reinbek und Bad Schwartau auf. (Ja, die Stadt mit der Marmelade!) Nach einem nahezu als experimentell zu bezeichnenden Physikstudium für einige Semester schwenkte er zu Musik um und studierte an der Universität der Künste in Berlin. Bodo Wartke war bis 2004 Mitglied bei der von Christof Stählin initiierten Liedermacherakademie SAGO. 1996 hatte er seinen ersten abendfüllenden Bühnenauftritt an seiner alten Schule in Bad Schwartau, mittlerweile tourt er mit seinem vierten Klavierkabarettprogramm Klaviersdelikte und seinem 1-Personen-Ödipus quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Hallo Bodo, ich freue mich sehr, dass du dich zu diesem Gespräch bereit erklärst und ein bisschen deiner Zeit für mich opferst! BW: Sehr gerne. Mit König Ödipus hast du dich ja einer klassischen antiken Tragödie angenommen, in Arbeit ist auch Antigone, also quasi die Fortsetzung der Ödipusgeschichte. Gibt es einen bestimmten Grund …