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Bitte übernehmen Sie, Sandra Weihs!

© Theresa Pewal Das Schreiben begann für mich.. mit dem Verstehenwollen von Menschen, inklusive mir selbst. Ist gar nicht so einfach. Ein Buch muss.. gar nichts, aber dass ich es auch bis zu seinem Ende lese, sollte es in mir irgendetwas umordnen. Oder neu machen. Mich berühren oder bewegen. Oder so. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. den Haushalt schaffen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Schauspielerin zu werden. Jetzt schreibe ich die Figuren, die ich eigentlich spielen wollte. Ich wollte immer beweisen, dass das Verhalten eines Menschen meist inkongruent zu seinem Denken und Fühlen steht. Ja, auch schon als Kind. Wenn ich nicht schlafen kann.. muss irgendetwas Tragisches passiert sein. Meine erste Buchveröffentlichung zum Beispiel. Völlig unterschätzt werden.. Brieffreundschaften. Die könnten die Welt verändern. Wenn ich Musik höre,.. kann es sein, dass ich zu heulen, tanzen oder singen beginne. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: nicht ganz zufrieden zu sein mit dieser Welt und deswegen schreiben und trinken zu wollen. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. ständig mit dem linken Bein zu wippen. Literatur …

Bitte übernehmen Sie, Marc Degens!

© SuKuLTuR Das Schreiben begann für mich.. mit lesen. Ein Buch muss.. gar nichts. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mehr lesen. Ein Kindheitstraum von mir war.. es, erwachsen zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann.. träume ich. Völlig unterschätzt wird.. Humor. Wenn ich Musik höre,.. beantworte ich mitunter solche Fragen. Ich erfülle folgendes charmante Autorenklischee: Früher Kettenraucher, heute Brille. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. zu schreiben. Literatur kann.. alles. Marc Degens (* 1971) lebt in Toronto, Kanada. Er ist Schriftsteller, SuKuLTuR-Verleger und Betreiber der Ebook-Boutique Minimore für ausgewählte Bücher. 2015 erschien im Dumont Buchverlag sein vierter Roman »Fuckin Sushi«. marc-degens.de

Bitte übernehmen Sie, Bov Bjerg!

© Milena Schlösser Das Schreiben begann für mich.. mit Journalismus. Mein Lego-Dorf brauchte eine Zeitung, damit die Bewohner wussten, was da überhaupt vorging. Vier Seiten A6, einzeilig auf der Olivetti getippt. Ein Buch muss.. vor allem groß genug gedruckt sein. Also, die Schrift jetzt. Ein Kindheitstraum von mir war.. dass die Flaschenpost, die ich auf der Alb in die Donau werfe, es schafft, vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer zu gelangen, in den Suez-Kanal und von da nach Australien. Sidney hätte gar nicht sein müssen, Perth hätte mir völlig genügt. Den Atlas kannte ich ganz gut, aber die Meeresströmungen nicht so. Wenn ich nicht schlafen kann.. dann steh ich auf. Völlig unterschätzt wird.. der Schlaf nach zwölf. Wenn ich Musik höre,.. ist es in 90% der Fälle Bob Dylan. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich schaue sofort nach, ob “folgendes charmantes” grammatikalisch korrekt ist, oder ob es nicht doch eher “folgendes charmante” heißen müsste. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es.. alles ohne Unterschied zu lesen. Autokennzeichen, Verpackungen, Reklame, Hausnummern, Schlagzeilen, Wegweiser. Ich war ein einziges Mal …

Bitte übernehmen Sie, Jens Steiner!

© Marc Wetli Das Schreiben begann für mich.. als ich begriff, dass Lesen allein die Schlaflosigkeit nicht lindert. Ein Buch muss.. mir zeigen, wie die Dinge sind, aber auch, dass sie anders sein könnten. Ich möchte, dass ein Buch mir von der Veränderlich- und Veränderbarkeit des Lebens erzählt, von den sich wandelnden Bedingungen der Liebe, des individuellen und kollektiven Glücks, des Heranwachsens, des Altwerdens, des Sterbens. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich endlich wie ein rechter Schweizer verhalten und anständig Geld verdienen. Ein Kindheitstraum von mir war.. Fliegen. Unsichtbar sein. Ein Däumling sein. Ein Riese sein. Sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen können. Kinetische Fantasien hege ich immer noch, allerdings hat das Leben ihnen die Flügel gehörig gestutzt. Heute träume ich höchstens davon, ein guter Slackliner zu werden, vor meinem vierzigsten Geburtstag nochmals den Kopfsprung vom Dreimeterbrett zu schaffen, einmal einen ganzen Hang nur auf dem linken Ski hinunterzubrettern. Wenn ich nicht schlafen kann.. schreibe ich. Völlig unterschätzt wird.. connectedness, die sich aus offline ergibt. Online winkt dein Hirn Input auf Input an deinem …

Bitte übernehmen Sie, Anke Stelling!

© Nane Diehl Das Schreiben begann für mich.. … in meinem ersten Semester am Leipziger Literaturinstitut. Hans-Ulrich Treichel hatte die Aufgabe gestellt ‚Mein Ort‘, und ich habe über Berlin geschrieben, aber eigentlich über den Liebeskummer, der mich damals gequält hat. Und wie der dann Text war, mitgeteilt, geteilt und kritisiert im Prosaseminar, da dachte ich: Ich kann’s, und ich will’s, und ich werde es tun. Ein Buch muss.. … radikal das Denken und Fühlen und Erleben seines Autors/seiner Autorin ausdrücken, und dadurch für andere erstaunlich neue oder aufregend bekannte Welten eröffnen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. … nach dem, was mich beschäftigt, in bereits geschriebenen Büchern suchen. Diese dann empfehlen (Literaturkritiken schreiben?), versuchen, sie zu verkaufen (Buchhändlerin sein?) oder sie einfach nur lesen und mein Geld mit was ganz anderem verdienen. Aber womit? Ich fürchte, egal was ich täte, ich würde wiederum davon erzählen wollen. Ein Kindheitstraum von mir war.. … die Erkenntnisse, die ich jeweils hatte, zu teilen und dann direkt in die Tat umzusetzen. Der Wald stirbt? Ja, hallo! Dann …

Bitte übernehmen Sie, Valerie Fritsch!

© Jasmin Schuller / Suhrkamp Verlag Das Schreiben begann für mich.. Mit dem Lesen. Erst all die Kinderbücher mit ihren karierten Uhus und Valeries auf Gute Nacht Schaukeln, die nie ins Bett wollen, und später alle Geschichten über die Liebe und die französischen Existenzialisten. Bücher zu lieben, war die Vorstufe sie zu schreiben. In der Schule begann ich als Fingerübungen mit Nacherzählungen, Aufsätzen, Erörterungen, die so übertrieben phantastisch, hochgestochen und barock waren, als wären es nicht nach dem Millennium, aber doch weit vor 1900 gewesen. Ein Buch muss.. nichts, aber darf alles. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. mich wohl nicht mit so verschiedenen Dingen auseinander setzen, ganze Sonntage Fachartikel über Beinamputationen lesen oder in Bordellen mit den Damen plaudern und es Recherche nennen. Ein Kindheitstraum von mir war.. um die Welt zu reisen und gemeinsam mit meinem Vater alle Zootiere zu befreien, verwegen wie Tom Sawyer zu sein und so schön wie meine Mutter, groß zu werden und große Dinge zu tun. Wenn ich nicht schlafen kann.. räume ich wild und zu …

Bitte übernehmen Sie, Kirsten Fuchs!

Das Schreiben begann für mich.. mit dem mündlichen Erzählen, also als ich noch gar nicht schreiben konnte. Ein Buch muss.. in den Rucksack passen. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… viel entspannter Bücher lesen. Ein Kindheitstraum von mir war… später meinen Bruder beim Altern einzuholen. Wenn ich nicht schlafen kann… wenn ich klug bin, lese ich; wenn ich blöd bin, grübel ich. Völlig unterschätzt wird… die Gefahr die sich darin versteckt schon Kindern beizubringen sich an sinnlose Regeln zu halten. Wenn ich Musik höre,… tanze ich im Kopf mit, früher hab ich im Kopf Schlagzeug gespielt. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich habe in der Pubertät schlimme Gedichte geschrieben. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es… sehr sehr viele Mohrrüben zu essen. Literatur kann… muss aber nicht. Kirsten Fuchs, 1977 in Karl-Marx-Stadt geboren, ist vermutlich die bekannteste und beliebteste Autorin der Berliner Lesebühnenszene. 2003 gewann sie den renommierten Literaturwettbewerb Open Mike, seither hat sie einen festen Platz in der jüngeren deutschen Literatur. 2005 erschien ihr vielgelobter Debütroman «Die Titanic und Herr Berg», 2008 der …

Bitte übernehmen Sie, Jürgen Bauer!

© Barbara Pálffy  Das Schreiben begann für mich… in der Volksschule. Dann nochmal auf der Universität. Dann wieder in diversen Redaktionen, Proberäumen und Lesezimmern. In Zügen, Flugzeugen und zu Hause vor dem Computer. Das Schreiben beginnt für mich eigentlich immer wieder von neuem, es verändert sich und entwickelt sich dauernd weiter. Ein Buch muss… Stil haben, Eleganz und Klarheit.Es muss Knochen, Sehnen und Muskeln besitzen, aber kein Fett. (Oder nur ein wenig, für den Geschmack!) Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… sicher entspannter und unkomplizierter durch die Welt gehen. Ich würde dann nicht jede Situation auf ihre Umwandelbarkeit in Literatur prüfen. Aber wer will schon ein unkompliziertes Leben führen? Ein Kindheitstraum von mir war… …fliegen zu können. Italo Calvino meint, Literatur habe die Kraft, den Dingen ihre Schwere zu nehmen. Im Schreiben kann man die Welt also ein wenig zum Fliegen bringen. (Das war‘s jetzt aber auch mit Name-Dropping, versprochen!) Wenn ich nicht schlafen kann… werde ich sehr, sehr unleidlich. Und sehr dünnhäutig. Eine gefährliche Mischung. Also besser ausschlafen lassen. Oder aus dem …

Bitte übernehmen Sie, Sandra Gugic!

© Dirk Skiba Das Schreiben begann für mich.. Ich muss bei dieser Frage spontan an eine Textstelle aus Elementarteilchen von Michel Houellebecq denken. // Die erste Reaktion eines frustrierten Tieres besteht im allgemeinen in dem Versuch, verstärkt Kraft aufzubringen, um sein Ziel zu erreichen. Ein ausgehungertes Huhn (Gallus domesticus) zum Beispiel, das durch einen Drahtzaun daran gehindert wird, seine Nahrung zu erhalten, wird immer hektischere Versuche unternehmen, durch diesen Zaun zu gelangen. Nach und nach wird sein Verhalten jedoch durch ein anderes ersetzt, das anscheinend keinerlei Ziel verfolgt. So picken Tauben (Columba livia) häufig auf dem Boden herum, wenn sie die begehrte Nahrung nicht erhalten können, obwohl sich auf dem Boden keinerlei Nahrung befindet. Sie verfallen nicht nur in dieses wahllose Pickverhalten, sondern gehen auch oft dazu über, ihre Flügel glattzustreichen; ein solches inadäquates Verhalten, das häufig in Situationen auftritt, die eine Frustration oder einen Konflikt beinhalten, wird Ersatzhandlung genannt. Anfang 1986, nachdem Bruno dreißig geworden war, begann er zu schreiben.// Das Schreiben begann für mich so richtig erst um mein 30. Lebensjahr herum. Davor …

Bitte übernehmen Sie, Kai Weyand!

© Timna Körber Das Schreiben begann für mich… mit der Erfahrung, dass die Fiktionalisierung von Erfahrungen und Gefühlen mich sehr glücklich machen kann. Ein Buch muss… als Bereicherung empfunden werden. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich… weiterhin glauben, dass ich dazu nicht in der Lage sein würde. Ein Kindheitstraum von mir war… Sportreporter zu werden. Wenn ich nicht schlafen kann… würde ich mich sehr darüber wundern. Völlig unterschätzt wird… die Demut. Wenn ich Musik höre, dann… wünsche ich, ich würde mich trauen, zu tanzen. Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich gehe gern mit Hund spazieren. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es… mit Freude staubzusaugen. Literatur kann… zeigen, wie glücklich einen unglückliche Geschichten machen können. Kai Weyand geb. 1968, Studium, Arbeit als Lehrer im Strafvollzug, Mitarbeiter einer Sozietät, lebt in Freiburg. Er ist mit dem 1. Preis beim open mike der LiteraturWERKstatt Berlin, dem Irseer Pegasus und dem Bolero-Literaturpreis ausgezeichnet worden. Zuletzt erschien im Wallstein Verlag ,Applaus für Bronikowski‘.