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[LiteraTour Nord] Ralph Dutli – Soutines letzte Fahrt

Nachdem Abbas Khider vor drei Wochen mit seiner Lesung aus ,Brief aus der Auberginenrepublik’ (hier mein Bericht) die diesjährige LiteraTour Nord in Lübeck eröffnen durfte, folgte am gestrigen Abend Ralph Dutli. Mit dem gebürtigen Schweizer ging auch der erste Buchpreisanwärter dieses Jahres ins Rennen um den Preis der LiteraTour Nord. Im Kellergewölbe des Lübecker Buddenbrookhauses las Ralph Dutli aus seinem ersten Prosawerk ,Soutines letzte Fahrt’, aus seiner geschickten Verquickung von Realität und Fiktion rund um den weißrussischen Maler Chaim Soutine. Soutine blieb zeit seines Lebens eher unbekannt und unentdeckt. Einige wenige sahen zwar bereits zu Lebzeiten sein Talent, insgesamt blieb der stille und gequälte Chaim Soutine doch immer im Schatten seiner großen Weggefährten – Modigliani, Picasso, Chagall. An einem offenen Magengeschwür leidend wird Soutine im Winter ’43 in einem Leichenwagen zu einer lebensnotwendigen Operation nach Paris gebracht. Um den französischen Kontrollen zu entgehen, wählte man ein eher ungewöhnliches Vehikel, – die Aussagen darüber, ob es sich nicht doch um einen konventionellen Krankenwagen gehandelt habe, gehen, wie Dutli selbst sagt, an der einen oder anderen Stelle …

[5 lesen 20] Ralph Dutli – Soutines letzte Fahrt

Ralph Dutli ist ein Schweizer Lyriker, Essayist, Übersetzer und Autor. Er studierte Romanistik und Russistik in Zürich und Paris und wurde zunächst als Übersetzer und Herausgeber der Werke Ossip Mandelstams, einem russischen Dichter, bekannt. Schrieb Dutli bisher eher poetologische Abhandlungen oder literatur – und kunsthistorische Essays, legt er mit ‘Soutines letzte Fahrt‘ nun seinen ersten Roman vor, der gewissermaßen verschiedene seiner Themen vor dem Hintergrund des Malers Chaim Soutine verbindet. Der Roman erschien im Wallstein Verlag und steht mit neunzehn anderen Romanen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2013. Verglichen mit seinen Wegbegleitern Picasso, Chagall oder Modigliani ist Soutine eher ein Maler, der seine Spuren weniger nachhaltig in den Boden der Kunsthistorie geprägt hat. Kennern ist er freilich ein Begriff, sind seine Gemälde sich windender Landschaften und unproportionierter Modelle wohl bekannt. Der Laie aber dürfte mit Dutlis Roman zum ersten Mal von diesem schweigsamen, weißrussischen Maler hören, der in den späten 20ern in Paris, in der flirrenden Atmosphäre von Montparnasse tatsächlich mit seinen Bildern perspektivischer Verzerrung zu beachtlicher Berühmtheit gelangte. Als Sohn eines Flickschneiders 1893 …

Longlist des Deutschen Buchpreises 2015

© Rainer Rüffer; Die Jury von links nach rechts: U. Sárkány, C. Kramatschek, M. Hinterhäuser, U. Kloke, R. Keussen, B. Schulte, C. Schmidt Die Jury des Deutschen Buchpreises 2015 hat entschieden und wieder einmal zwanzig Romane herausgepickt, die die besten des Jahres sein könnten. Fraglos keine leichte Aufgabe, unter 167 Titeln 20 auszuwählen, die diese Ehrung vermeintlich verdienen und die die literarische Öffentlichkeit in den nächsten zwei Monaten mit Spekulationen, Kritik und Analysen beschäftigt halten können. Nichtsdestotrotz, alea acta est, hier sind sie nun, mit einem jeweils kurzen Kommentar: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe Gerade erst erschienen und schon der Sprung auf die Longlist. Ein lohnens – und lesenswerter Roman über die alte Baba Dunja, die nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl aller Warnungen zum Trotz in ihr ehemaliges Heimatdorf zurückkehrt. Eine Rezension findet ihr hier, außerdem habe ich kürzlich ein kleines Interview mit der Autorin veröffentlicht. Ralph Dutli – Die Liebenden von Mantua Bereits 2013 stand Ralph Dutli mit ,Soutines letzte Fahrt‘ auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. In seinem neuen Roman geht es …

Die vermeintliche Ewiggestrigkeit

Sie ist derzeit das Sorgenkind des deutschen Feuilletons. Eingerostet, bewegungsunfähig, steril und lebensfern. Von WELT und ZEIT gescholten, müsste sie nun eigentlich auf die stille Treppe – die deutsche Gegenwartsliteratur. Der eine sieht das Problem in einer homogenen Gruppe von Wohlstandskindern ohne jede Lebenserfahrung, der andere vermisst die fremdartigen Stimmen und die Vielfalt in der deutschtümelnden Heimeligkeit. Zwischen Schrankwand und falschem Parkett fehlt das pulsierende Leben. Dieser journalistische Aufschrei zeigt abseits von der Frage, wie es denn nun tatsächlich um die kränkelnde deutsche Literatur bestellt ist, vorallendingen eines: Man ist unzufrieden mit ihr und ihren Themen. Trotzdem sie sich ,Gegenwartsliteratur’ schimpft, enthalte sie, nach landläufiger Auffassung, viel zu wenig Gegenwart. Lieber ziehe man sich auf historische Stoffe zurück oder lasse einen Protagonisten geschichtlich relevante und politische Themen der Vergangenheit in der Gegenwart aufarbeiten. Familiengeschichten der Nazi-Zeit, Familiengeschichten in der DDR stehen hier hoch im Kurs. Das zu leugnen, wäre eine Aufgabe, der auch ich mich nicht gewachsen fühle. Damit gleichzeitig zu behaupten, es gäbe nichts anderes mehr auf dem Buchmarkt, wäre wiederum eine Verallgemeinerung, an …

LiteratourNord 2013

Seit 1992 gibt es die alljährlich stattfindende Lesereise der LiteraTour Nord. Jeden Winter von Oktober bis Februar lesen sechs Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur in sechs verschiedenen Städten Norddeutschlands. In Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Lüneburg und Hannover, jeweils in örtlichen Literaturhäusern und Buchhandlungen. Mit ihrer Teilnahme an der LiteraTour Nord bewerben sich die Autoren gleichzeitig um den Preis der LiteraTour Nord, der seit 2006 vergeben wird und mit 15.000 Euro dotiert ist. Ausnahmsweise befinde ich mich diesmal gewissermaßen am literarischen Puls der Sache und kann freudig verkünden, dass es dieses Jahr von mir Berichte zu den Lesungen geben wird. Es ist die 22. LiteraTour Nord und sie ist überraschend buchpreislastig. Von Abbas Khider einmal abgesehen, der allerdings just im Rahmen der Hotlist 2013 den Melsusine-Huss-Preis erhalten hat, lesen ausschließlich Autoren, die auf der Short – oder Longlist des Deutschen Buchpreises 2013 vertreten waren. Ich – und damit streng genommen auch ihr – darf mich freuen auf Abbas Khider (“Briefe in die Auberginenrepublik”, Edition Nautilus), Ralph Dutli (“Soutines letzte Fahrt”, Wallstein), Clemens Meyer (“Im Stein”, Fischer Verlag), …

Deutscher Buchpreis 2013 – 5 lesen 20

Heute ist es soweit – die Longlist des Deutschen Buchpreises 2013 wird verkündet. Und mit ihr eine kleine Überraschung der literarischen Blogosphäre. Jedes Jahr wünscht man sich ja immer wieder den bestmöglichen Überblick über die Titel, die von der Jury ins Rennen geschickt werden und doch gelingt es wohl niemandem, zwanzig Bücher innerhalb weniger Wochen durchzulesen. Deshalb schaffen wir Abhilfe und teilen die Arbeit einfach auf! Gemeinsam mit Mara von buzzaldrins Bücher, caterina von SchöneSeiten, Claudia von dasgrauesofa und Atalante von Atalantes Historien lese ich die Longlist. Freut euch also in den nächsten Wochen auf unseren jeweiligen Blogs über Rezensionen der Longlisttitel. Wir jedenfalls sind gespannt auf dieses Projekt und hoffen auf ein gutes Gelingen und interessante Diskussionen! Und da iat sie – die lange erwartete Longlist • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013) • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013) • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013) • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013) • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar …

Rezensionen

A Adichie,Chimamanda Ngozi – Americanah Aehnlich, Kathrin – Wenn die Wale an Land gehen Ahmad, Jamil – Der Weg des Falken Allende, Isabel – Das Geisterhaus Altarriba, Antonio – Die Kunst zu fliegen Ambjørnsen, Ingvar – Den Oridongo hinauf Anouk, Misha – Goodbye Jehova Austen, Jane – Emma Ausubel,Ramona – Der Anfang der Welt B Bachmann,Stefan – Die Seltsamen Bärfuss, Lukas – Koala Bargum, John – Septembernovelle Barlow,Toby – Baba Jaga Barth, Stephanie – Deutscher Meister Bauer, Jon – Steine im Bauch Baum/Shanower/Young – Der Zauberer von Oz Bechdel, Alison – Wer ist hier die Mutter? Bell, Madison Smartt – Die Farbe der Nacht Bengtsson, Jonas T. – Wie keiner sonst Berthoud & Elderkin – Die Romantherapie Bicker, Björn – Was wir erben Bradley, Alan – Flavia de Luce 5, Schlussakkord für einen Mord Bradley, Alan – Flavia de Luce 4, Vorhang auf für eine Leiche Bradley, Alan – Flavia de Luce 2, Mord ist kein Kinderspiel Bradley, Alan – Flavia de Luce 1, Mord im Gurkenbeet Brasch, Marion – Wunderlich fährt nach Norden Brookmyre, …

[LiteraTour Nord] Marion Poschmann – Die Sonnenposition

Sie geht bereits ihrem Ende entgegen, die diesjährige LiteraTour Nord. Vorletzte im Bunde, nach Abbas Khider, Ralph Dutli, Clemens Meyer und Mirko Bonné, war Marion Poschmann. Auch ihr Roman, ,Die Sonnenposition’ stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2013, ein feingliedriger, assoziativer und nahezu lyrischer Roman, der seinem Leser – und in diesem speziellen Falle seinem Zuhörer – eine Menge abverlangt. In manch einen Roman kann man sich fallenlassen wie in ein weiches Bett. In mancher Sprache kann man sich treiben lassen wie in einem Fluss, der seinem beständigen Lauf folgt. Täte man dergleichen bei Marion Poschmann, entgingen einem unzählige Details, zahllose gedankliche Winkelzüge, die es zweifellos wert sind, in Gänze wahrgenommen zu werden. ,Die Sonnenposition’ erzählt von Altfried Janich, einem Psychiater in mittlerem Alter, beschäftigt in einer Art Barockschloss in der ostdeutschen Provinz. Er soll, gemäß seines Berufes, für seine dort beheimateten Patienten die ,Sonnenposition’ einnehmen, ihnen Halt und Wärme vermitteln, einen festen Punkt bieten, an dem sie sich ausrichten können. Er habe, so Marion Poschmann, schon durch seine Leibesfülle und sein Auftreten …

[LiteraTour Nord] Mirko Bonné – Nie mehr Nacht

Nach einer weihnachtlich-neujährlichen Pause, die alle Beteiligten sich redlich verdient haben, startet die LiteraTour Nord mit einem Autor ins Jahr 2014, der nach Ralph Dutli und Clemens Meyer schon der dritte ist, dessen Werk im Gespräch für den Deutschen Buchpreis 2013 stand. Dieses Mal las Mirko Bonné aus seinem Roman ,Nie mehr Nacht’ (Schöffling Verlag). Sogar auf die Shortlist hatte es Bonnés Roman geschafft, gewonnen hat letztlich Terézia Mora. Doch an diesem Montagabend wird glasklar erkennbar, beinahe zwangsläufig, weshalb Mirko Bonnés Roman einer der ganz besonderen des letzten Jahres ist, ein Roman über Verlust und Wiederentdecken, ein Roman so präzise und poetisch wie ein Gedicht. Schon zu Beginn wird deutlich, dass Bonnés Sprache innert kürzester Zeit eine Sogkraft und Plastizität entwickelt, der schwerlich zu entkommen ist. Er lese den Anfang heute nicht, sagt Bonné. Er habe nun dreiundvierzig Lesungen mit diesem Buch bestritten und meistens habe er bereits nach dieser Anfangspassage eine weinende Frau im Publikum. Das wolle er vermeiden. Zwar schmunzelt er ein bisschen dabei und sein Publikum beantwortet dieses leise Lächeln, doch das …

[LiteraTour Nord] Clemens Meyer – Im Stein

Er sitzt im dunkelblauen Hemd vor roter Kulisse. Nach Abbas Khider und Ralph Dutli ist Clemens Meyer der dritte Autor, der im Rahmen der LiteraTour Nord in Lübeck aus seinem aktuellen Roman liest. ,Im Stein‘ heißt er und stand auf der Shortlist zum diesjährigen Deutschen Buchpreis. Schon nach den einleitenden Worten von Hans Wißkirchen, Direktor der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck, wird klar, dass ,Im Stein‘ keine leichte, beiläufige und vergnügliche Lektüre ist. Nicht nur, weil die Handlung des Romans sich überwiegend im Rotlichtmilieu abspielt, sondern auch, weil dieselbe gemütliche Lesegewohnheiten sprengt. Hier geht es fragmentarisch zu, nicht linear oder gar chronologisch, hier verweben sich Gedanken, Ideen, Gefühle. Vergangenheit und Gegenwart. Das Ganze und das Einzelne, alles und nichts. Als Clemens Meyer auf die Bühne gebeten wird, fängt er ohne Umschweife zu lesen an. Geplänkel ist seine Sache nicht. In den klaren Nächten sehe ich gerne den Mond. Da muss ich immer an das Kinderlied denken. Meine Mutter hat mir das oft vorgesungen vorm Einschlafen. Der Mond ist aufgegangen. Wenn ich das heute höre, und das …