340 Suchergebnisse für: das achte leben

Nino Haratischwili – Das achte Leben

Nino Haratischwili schreibt mit diesem Mammutroman in vielerlei Hinsicht Geschichte. Nicht nur die Geschichte einer Familie über mehrere Generationen, die Geschichte Georgiens des 20.Jahrhunderts, geschüttelt und zerrissen von zwei Weltkriegen und ihren Folgen, sie gibt auch der Literatur ihren großen und brilliant zwischen Fakt und Fiktion balancierenden Familienroman zurück! In manch einem Buch beginnst du zu lesen und es liest fortan in dir, schlägt Wurzeln, nimmt dich in Beschlag von Kopf bis Fuß. ,Das achte Leben (Für Brilka)‘ ist so ein Buch, ist einer dieser Romane, die in einem Leserleben rar gesät sind, weil sie aus der Masse herausragen wie eine massive Statue, um die das Leben unbeirrt herumfließt. Gute und sehr gute Bücher gibt es viele, immer wieder. Bücher, von denen du überzeugt bist, dass sie einen bleibenden Eindruck auf dich hinterlassen werden, auch wenn noch Jahre ins Land und durch dich hindurchgehen, sind selten. Kürzlich wurde hier auf dem Blog die Frage nach großer Literatur aufgeworfen und dankenswerterweise rege diskutiert. Nino Haratischwili hat mit ,Das achte Leben (Für Brilka)’ große Literatur geschaffen, ein …

Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Auf dem Cover ein Mann, dessen ambivalente Mimik nicht auf den ersten Blick zu entschlüsseln ist, dessen Widerspruch man aushalten muss. Ist es Schmerz? Ist es Lust? Wut? Trauer? Von allem etwas vielleicht. “Ein wenig Leben” trägt in sich diesen unauflösbaren Widerspruch von Schmerz und Glück. Es ist ein Roman von besonderer Tiefe und Wahrhaftigkeit. Ich lese wie im Rausch, notiere ich nach einem Tag, an dem ich knapp 500 Seiten gelesen habe. Zwischen mich und Yanagiharas Geschichte passt kaum das Blatt Papier, auf dem sie gedruckt ist. Ich befinde mich, eingeladen vom Hanser Verlag*, in einem etwas abgelegenen Häuschen nahe Berlin. Um mich herum liegen nur wenige andere Häuser, herbstlich gefärbtes Laub, ein See. Ich soll mich zurückziehen, soll mich einzig dem Roman widmen können; so die Idee des Retreats. Regelmäßig blättere ich um, ein Automatismus wie das Schuhebinden. Ich nehme es nicht einmal wahr, obwohl es wieder und wieder geschieht, schreibe ich weiter, es ist schon Abend und mein Kopf summt wie eine Maschine, die sich nicht abschalten lässt. Ich bin versunken in …

Buchtipps für Weihnachten

Auch wenn es sich noch nicht so anfühlen mag; das Weihnachtsfest naht mit raschen Schritten. Wer nicht so strebsam war, seine Geschenke über’s Jahr zusammenzuhamstern oder in einem Abwasch bereits vor Wochen alles erledigt hat, steht natürlich wie jedes Jahr vor der Frage, was man den Lieben unter die nadelnden Zweige des bechristbaumkugelten Baums legen könnte. Wer passionierte Leser und Leserinnen beschenken will (oder muss), findet in diesem Artikel eine Auswahl querbeet. Lohnens – und Lesenswertes, Leichtes, Schweres, Besonderes, Verrücktes, los geht’s. (bevor ich beginne: nicht fotografisch festgehalten werden konnte an dieser Stelle Mercedes Lauensteins “Nachts”, das Buch ist entliehen. Aber auch ohne optischen Appetizer rate ich dringend zum Verschenken!) Michael Weins: Sie träumt von Pferden – Mit seinen märchenhaften, bisweilen skurrilen Geschichten entdeckt Michael Weins das Universelle im Individuellen. Außerdem im Buch: wunderschöne Illustrationen von Katharina Gschwendtner. mehr | bestellen Kristine Bilkau: Die Glücklichen – Ein Debütroman, der die hochaktuelle Geschichte zweier junger Menschen erzählt, deren größte Angst das Scheitern und Versagen ist. mehr | bestellen Frédéric Beigbeder: Oona & Salinger – Ein auf …

Jocelyne Saucier – Ein Leben mehr

Ursprünglich wollte die Fotografin in den kanadischen Wäldern nur einen Mann namens ,Boychuck’ finden. Der ist weit mehr als nur ein alter Mann, er ist eine Legende, denn er gilt als einer der letzten Überlebenden der Großen Brände. Boychuck findet sie zwar nicht, dafür aber zwei andere Alte, die sich in der Wildnis zur Ruhe gesetzt haben. Und deren Leben nicht nur durch die Fotografin so etwas wie einen zweiten Frühling erleben. Boychuck ist eine offene Wunde. Wer glaubt, dass wir nur ein Leben haben, das wir eben von vorn bis hinten durchspielen müssen wie ein Videospiel, unterschätzt die Bonuslevel. Unterschätzt die Haken, die das Leben beizeiten schlägt, unterschätzt neue Chancen, die sich selbst dann noch auftun können, wenn man jeden Tag über den herannahenden, gelegentlich winkenden Gevatter Tod spricht. So jedenfalls tun es Charlie und Tom, die in den kanadischen Wäldern unter ganz einfachen Verhältnissen ihren Lebensabend verbringen. Sie sind Aussteiger, sie sind Selbstversorger, sie haben sich bewusst ausgeklinkt aus einer Welt, die ihnen zu schnell geworden ist. Unter ihnen war auch Boychuck, der …

Adelle Waldman – Das Liebesleben des Nathaniel P.

Nathaniel Piven ist ein relativ großer Hecht im hart umkämpften Teich der New Yorker Kultur – und Literaturszene. Nach entbehrungsreichen Jahren als freier Kritiker hat er sich nun einen Platz und eine Reputation erstritten, die ihm ein finanziell stabileres Leben ermöglicht. Einzig seine Beziehungen zu Frauen sind geprägt von ständigen Missverständnissen, Trennungen und Verlusten. Und das hängt viel mehr mit seiner Art zusammen, Frauen zu betrachten, als mit den Frauen selbst. Bereits die erste Szene in Adelle Waldmans Roman illustriert eine unangenehme Kollision zwischen Nathanael “Nate” Piven und einer verflossenen Liebe. Von denen hat er eine ganze Menge. So wie manch anderer Sammeltassen auf dem Kamin arrangiert oder Briefmarken in ein Album steckt, sammelt Nate Misserfolge mit Frauen. Er fühlt sich schnell von ihnen angezogen, dafür reicht ein lasziver Blick, eine wohlgeformte Figur oder eine halbwegs intelligente Bemerkung. Aber ebenso schnell wie er für eine Frau entflammt, kühlt er auch wieder ab, wenn es um ihre weniger vorteilhaften Seiten geht. Mal sind die Frauen ihm zu moralisierend, zu schrill, zu bedürftig, zu eigenständig, zu vereinnahmend. …

Harper Lee – Gehe hin, stelle einen Wächter

1961 erhielt Harper Lee für ihren Roman ,Wer die Nachtigall stört’ den Pulitzerpreis. Für die Jugendfreundin Truman Capotes sollte es der einzige literarische Erfolg bleiben, kein anderes Buch von ihr hat je das Licht der Welt erblickt, sodass über die Jahre schon Gerüchte aufkamen, Truman Capote könne am Buch beteiligt gewesen sein. Ihr Debüt blieb verschollen in irgendeiner Schublade – bis zum September 2014. Dieser überraschenden Entdeckung verdanken wir nun ,Gehe hin, stelle einen Wächter’, das soeben erschienen ist. ,Wer die Nachtigall stört’ ist, trotz manch konservativer Gegenmeinung in den Vereinigten Staaten, ein moderner Klassiker. Die Popularität dieser wohligen Südstaatengeschichte um Anwalt Atticus Finch und seine Kinder Jem und Scout ist nicht erst seit der Verfilmung mit Gregory Peck aus dem Jahr 1962 ungebrochen. Es beschwört das Aufwachsen in einer Welt, in der rassistische Überzeugungen salonfähig waren. Zeiten, in der das Wort “Nigger” nichts Anrüchiges hatte oder wenigstens niemand sich dazu berufen fühlte, gegen menschenverachtende Meinungen zu opponieren, weil die Ungleichheit zwischen schwarz und weiß nunmal naturgegeben oder gottgewollt war. Abgesehen vielleicht von Atticus Finch, …

Annika Reich – Die Nächte auf ihrer Seite

Wäre einem der Auftrag erteilt worden, diesem Roman von Annika Reich ein Motto voranzustellen, müsste es lauten: ,Alles ist unzulänglich’. Die Liebe, die Familie, Gesellschaften, das Leben im Allgemeinen und Besonderen. So sehr wir uns bemühen, unseren Platz zu finden, unsere Rollen auszufüllen, irgendetwas wird immer diesen leisen Misston erzeugen, den man nicht überhören kann. Ada und Farid leben getrennt. Was sie noch verbindet, ist ihre Tochter Fanny, die abwechselnd mal bei dem einen und mal bei dem anderen zu Besuch ist. Was als eine leidenschaftliche und stürmische Liebe begonnen hat, ist merklich abgekühlt, immer öfter geraten die beiden über Kleinigkeiten in Streit. Adas Wohnung liegt direkt gegenüber eines Yogazentrums und der Praxis eines Paartherapeuten. Durch den Innenhof laufen täglich Paare, die hoffen, etwas Verlorengeglaubtes mit fremder Hilfe zu retten, Zerbrochenes wieder zu kitten. In ihrem Wohnzimmer hat Ada eine Kamera platziert, die das stetige Kommen und Gehen aufzeichnet. Skurril, alltäglich, haltlos, verzweifelt – die Bandbreite menschlicher Begegnungen und Beziehungen im Innenhof ist enorm. Diese ,Reigen’, wie Annika Reich sie nennt, ziehen sich wie ein …

Michael Frayn – Streichholzschachteltheater

Michael Frayn hat Humor. Das weiß man spätestens seit ,Willkommen auf Skios‘. Er schreibt auch für die Theaterbühne, wurde 2004 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Für seine Aufarbeitung bedeutender Ereignisse deutscher Zeitgeschichte. Mit ,Streichholzschachteltheater’ präsentiert Michael Frayn nun dreißig ,zündende’ Unterhaltungen, weniger für die Bühne als für den Kopf, unheimlich komisch und hochintelligent! Man stelle sich nur einmal vor, man säße im Nobelpreiskomitee in Stockholm und müsse den jeweiligen Gewinnern auf ihrem Fachgebiet die freudige Nachricht überbringen. Eigentlich nichts, was in unserer Vorstellung Komplikationen hervorriefe. Nähmen wir aber weiterhin an, jeder dieser zukünftigen Preisträger legte bereits nach den Worten ,Ich wollte Ihnen mitteilen, dass sie gewonnen haben ..‘ pikiert auf, weil er den Anrufer mindestens für unseriös hält. Eine solche Situation enthält überraschend viel Komik, die Michael Frayn in einem seiner Dialoge brilliant herauszuarbeiten versteht. Überhaupt liebt Frayn das Absurde, das alltäglich Banale, das von Zeit zu Zeit an einen Loriot-Sketch erinnert. So werden wir als “Zuschauer” der zündenden Dialoge Zeuge zweier Ehepaare in einem Café, von denen sich eines über in der Vergangenheit besuchte …

Linus Reichlin – In einem anderen Leben

Luis wächst als Kind zweier Eltern auf, die hinsichtlich ihrer Streitkultur eine frappierende Ähnlichkeit zu Richard Burton und Elizabeth Taylor aufweisen. In ,Wer hat Angst vor Virginia Woolf?’. Mindestens. Er lernt früh, selbständig zu sein, übernachtet im Keller zwischen staubigen Kartons, wenn es zu laut wird und zu hässlich. Linus Reichlins ,In einem anderen Leben’ erzählt, was übrig bleibt von dem, was man längst vergessen wollte. Wenn sie sich streiten, fliegt auch schonmal Geschirr. Halb so schlimm. Das sind nur Dinge. Er ist Zahnarzt, sie Zahnarztgattin. Es herrscht, wenn auch an vielem anderen, so doch gewiss kein Mangel an Geld und Dingen. Viel schlimmer sind die Worte, die kleinen perfiden Herabwürdigungen, denen es wie durch Zauberhand gelingt, selbst Wände zu durchdringen und das ganze Haus zu vergiften. Ganz egal, wie viel Platz Luis auch zwischen sich und seine Eltern bringt. Die Anlässe sind nichtig, das Leben unberechenbar. Sein Vater ist nur auf dem Papier mit seiner Mutter verheiratet, eigentlich hat er täglich feste Verabredungen mit seinem White Label Whisky. Bis weit in sein Erwachsenenleben hinein …

Adam Johnson – Das geraubte Leben des Waisen Jun Do

Adam Johnson ist ein amerikanischer Autor. Er studierte Journalismus an der Arizona State University und schloss danach ein Schreibstudium ab, heute unterrichtet er an der Stanford University Creative Writing. The Orphan Master’s Son, wie der Originaltitel des hier vorgestellten Buches lautet, erschien in den USA 2012 und stieg schon nach wenigen Tagen in die Bestsellerlisten ein. Johnson erhielt bereits zahlreiche Preise und Stipedien. Im Trailer des Buches heißt es beinahe geheimnisvoll: Das rätselhafteste Land der Welt – Nordkorea. Tatsächlich ist wohl kaum jemand von uns imstande, zu ermessen, wie ein Leben in Nordkorea aussehen muss, völlig abgeschnitten von westlicher Lebensart, separiert vom Rest der Welt. Nordkorea ist ein trauriges Überbleibsel sozialistischer Diktatur, ist das, was von Stalins Gulags und den Stasi-Gefängnissen der DDR übrig geblieben ist. Wenn ich an Nordkorea denke, muss ich mich immer unweigerlich an eine Dokumentation erinnern, die ich zwar bereits vor Jahren gesehen habe, deren beklemmendes Gefühl ich aber noch heute spüren kann. Ständige Überwachung, Hab-Acht-Stellung, Gleichschaltung, Kollektiverfahrung vor Individualität. Adam Johnson ist für die Recherche seines Buches nach Nordkorea gereist …