231 Suchergebnisse für: Vor dem Fest

Saša Stanišić – Vor dem Fest

Saša Stanišić ist ein aus Bosnien-Herzegowina stammender Autor. 1992 flüchtete er mit seinen Eltern vor der Belagerung seiner Heimatstadt durch serbische Truppen Süddeutschland. Neben seinem Studium veröffentlichte er bereits Essays und Erzählungen in zahlreichen Literaturzeitschriften (wie Krachkultur und EDIT), 2004 begann er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig zu studieren, im Jahr darauf war er beim Ingeborg-Bachmann-Preis vertreten. 2006 folgte sein vielfach ausgezeichnetes und hochgelobtes Debüt ,Wie der Soldat das Grammophon repariert‘, das bereits als Hörspiel und Bühnenstück adaptiert wurde. ,Vor dem Fest‘ ist Saša Stanišićs zweiter Roman, erscheint im Luchterhand Verlag und erhielt gerade den Preis der Leipziger Buchmesse. ,Letzte Ausfahrt Uckermark‘ titelte erst kürzlich noch die ZEIT, als Maxim Biller seinen Unmut über die deutsche Gegenwartsliteratur und ihren eklatanten, ja, ach so spürbaren Mangel migrantischer Stimmen kundtat. Ja, überhaupt verstünde Stanišić ja gar nichts von der ostdeutschen Provinz und sei nun, nach seinem grandiosen Debüt, vom Literaturbetrieb quasi konformgebügelt worden. Uckermark. Unsinn. Uckermarkunsinn. Nun würden eigentlich schon die ersten Sätze von ,Vor dem Fest‘ Herrn Biller Lügen strafen. Dieser Roman ist nicht nur inhaltlich ein Fest, …

Das MAG-Festival in Berlin

Wer sich bisher desöfteren dachte: so Wasserglaslesungen sind ja auch nicht mehr das, was sie mal waren, den erwartet am 24.06. in Berlin ein famoses Kontrastprogramm zur branchenüblichen Frontallese. Das MAG ist ein äußerst umtriebiges Sprachrohr für junge niederländische Literatur. Es begann 2011 mit einem vierteljährlich erscheinenden Magazin, mittlerweile gehören zum Dunstkreis MAG neben dem nach wie vor publizierten Magazin (Auflage: 6000) auch Festivals, Sommercamps für den schriftstellernden Nachwuchs und ein erfolgreicher Verlag. In diesem Monat wird erstmals eine internationale englischsprachige Ausgabe des MAGs erscheinen; und dank der Zusammenarbeit mit dem kürzlich aus Amsterdam zurückgekehrten mairisch Verlag, der auch offiziell als Partner für dieses fantastische Festival in Erscheinung tritt, auch eine deutschsprachige! Was hat man sich nun aber unter diesem MAG-Festival vorzustellen? Vereinfacht gesagt handelt es sich um einen größeren Lesekreis mit deutsch-niederländischer Autorenbeteiligung. Auf der Website von Das MAG kann man bis zum 20. Mai eine Karte ordern – unter der Voraussetzung, dass man sich für einen Leseclub, heißt: ein Buch, entscheidet. 12 Bücher bzw. Autoren stehen zur Auswahl. Aus Deutschland bzw. Österreich sind …

Liske & Präkels – Vorsicht Volk!

Nach fünfundzwanzig Jahren deutscher Einheit kann man schonmal zurückblicken und sich fragen: Wohin hat sich Deutschland entwickelt? Welche bemerkenswerten Unterschiede existieren noch immer zwischen Ost und West? Und vor allem: wie sind neue „Volksbewegungen“ einzuordnen, die sich des bekannten Schlachtrufs „Wir sind das Volk“ bedienen, um ihren zu oft diffusen Zukunftsängsten und -sorgen Luft zu machen? Wie ist die Häufung rechtsextremer Gewalttaten in Ostdeutschland zu erklären? Kann und darf man es zu einem ostdeutschen Problem verklären? In vierundzwanzig mehr und weniger umfangreichen Essays gehen verschiedene Autoren u.a. der Frage nach, wie sich Pegida, die Reichsbürger, die AfD und artverwandte Gruppierungen in einen größeren gesellschaftlichen Kontext einordnen lassen. Unlängst zog das statistische Bundesamt mit relevanten Kennzahlen zu Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Bevölkerung Bilanz nach 25 Jahren Einheit. Der Tenor: Vieles hat sich im Vergleich zum Beginn der 90er Jahre verbessert, ein Gleichgewicht zwischen Ost und West aber herrscht noch immer nicht. Die Arbeitslosigkeit ist vielerorts hoch, die Geburtenrate niedrig. In diesen Tagen fühlt sich mancher angesichts brennender Flüchtlingsheime an die rechten Ausschreitungen von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen erinnert. …

Literaturkritiker auf dem Bolzplatz

© obs/ZDF/ZDF/Jule Roehr Als Volker Weidermann am Ende des ersten Literarischen Quartetts in neuer Auflage die Diskussionsergebnisse wie ein Sportkommentator zusammenfasst, überlegt man für eine Sekunde, ob die heute-show womöglich auf Sendung geblieben ist. Für die Zuschauer, die dem Hochgeschwindigkeitsgeplauder der vier Diskutanten nur schwerlich folgen konnten, gibt es die Quintessenz in dosierter und möglichst vereinfachter Form – das vielleicht ein Zugeständnis an die „normale Leserschaft“. So unter anderem ein ausgeglichenes 2:2 für Chigozie Obiomas magischen Afrikaroman „Der dunkle Fluss“, der dieser Tage auch für den Booker Prize nominiert ist. Während Frau Westermann nicht über die vermeintlich schlechte und ungelenke Übersetzung hinwegzukommen bereit ist, betrachtet Maxim Biller es als „Selbsthassbuch“, in dem die Zerrissenheit Nigerias in außerordentlicher Weise so kunstfertig zum Ausdruck kommt, dass er sich an Camus oder Kafka erinnert sieht. Gleich zu Beginn stellt er klar, dass er keine Superlative scheue. Das allerdings ist nicht unbedingt das Einzige, was Biller nicht scheut. Die Diskussion über Literatur braucht weder Harmoniestifter noch Krawallmacher, wenn sie inhaltlich überzeugen kann Maxim Biller ist so etwas wie der …

Heinrich Steinfest – Das grüne Rollo

Heinrich Steinfest ist bekannt für seine überbordende Fantasie, seinen einmaligen Humor und seine trotz aller Verrücktheiten doch geerdete und pointierte Sprache. Das brachte ihm u.a. im letzten Jahr eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis ein. ,Der Allesforscher‘ schaffte es sogar auf die Shortlist. Auch mit ,Das grüne Rollo’ erzählt Steinfest eine aberwitzige Geschichte, die mit Anklängen an Michael Ende begeistert und bis zum Schluss darüber im Unklaren lässt, was wirklich vor sich geht. Spannend, witzig, nachdenklich – von Heinrich Steinfest lässt man sich viel erzählen. Es brauchte eine geistige Verfassung jenseits von frisch gepreßtem Orangensaft. Theo März ist eigentlich ein ganz normaler zehnjähriger Junge. Er ist gerade auf das Gymnasium gewechselt, hat einen Bruder und eine Schwester und lebt in einer intakten Familie. Alles hat seine Ordnung, bis er eines Abends plötzlich vor seinem Fenster ein flaschengrünes Rollo erblickt. Das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert. Einerseits natürlich, weil es wie aus dem Nichts auftaucht und eine ganz eigentümliche Anziehungskraft entfaltet. Andererseits aber auch, weil seine Eltern sich immer äußerst strikt gegen jede Art von Fensterverkleidung …

Bitte übernehmen Sie, Heinrich Steinfest!

Foto: Christian Hass Das Schreiben begann für mich.. …,als ich mit dem Malen aufhörte. Ein Buch muss.. …so beschaffen sein, daß es in der Sauna, im Dschungel, im Badezimmer und sonstwo nicht auseinanderfällt. Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich.. …Bücher verlegen? Nein, der Verzicht aufs Schreiben würde mir einzig und allein eine Lücke bescheren. Ein Kindheitstraum von mir war.. …absolute Sicherheit. Wie gesagt, ein Traum. Wenn ich nicht schlafen kann,.. …bleibe ich wach. (Das ist ein Motto aus meinem Roman „Die feine Nase der Lilli Steinbeck” und stammt wiederum aus dem Film „Die Dolmetscherin“, als Frau Kidman Herrn Penn genau diese Frage stellt). Völlig unterschätzt wird.. …die tiefe Zufriedenheit, die sich aus der Hausarbeit ergibt. Wenn ich Musik höre, dann.. …spüre ich meistens das Bedürfnis, mich zu bewegen (ich meine damit nicht tanzen, sondern einfach, auf kleinem Raum unterwegs zu sein). Ich erfülle folgendes charmantes Autorenklischee: Ich trage eine Brille, mag Whisky und höre schlecht. Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es,.. …vor dem Schlafgehen unter dem Bett nachzusehen, ob da jemand liegt (wenn …

Heinrich Steinfest – Der Allesforscher

Wenn Wale explodieren und der Grund für einen völlig ungeplanten Krankenhausaufenthalt sind, wenn Flugzeuge abstürzen, Manager plötzlich Bademeister werden und Kinder adoptieren, die eine Sprache sprechen, an denen sich selbst der gewiefteste Linguist die Zähne ausbeißt – dann muss man sich in einem Roman von Heinrich Steinfest befinden. Unterhaltsam und angereichert mit allerlei kleinen philosophischen Alltagsexkursen, abgedreht und einzigartig. Sixten Braun hat Pech, als er in seiner Eigenschaft als Manager in Taiwan gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Direkt vor seinen Augen explodiert ein riesiger Wal und von den in die Umgebung katapultierten Überresten des Meeressäugers getroffen, wird Sixten ins Krankenhaus eingeliefert. Es hat ihn hart getroffen – was vom Wal es auch immer war, das ihn erwischte. (Für alle übrigens, die glauben, Heinrich Steinfest hätte sich etwas so Absurdes wie eine Walexplosion ausgedacht – nö. Gibt es. Gab es. 2004 eben dort, wo Sixten sich aufhält) Wer gesundheitlich, im wahrsten Sinne des Wortes, (durch einen Wal) angeschlagen ist, wird kritisch beäugt. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass einem sowas passiert? “Oha!” Ein …

Martin Kordić – Wie ich mir das Glück vorstelle

Martin Kordić ist ein deutscher Autor und Lektor. 1983 in Celle geboren, studierte er am Institut für Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim und der Universität Zagreb. Er war Herausgeber der Literaturzeitschrift BELLA triste und künstlerischer Leiter des Literaturfestivals Prosanova. ,Wie ich mir das Glück vorstelle‘ ist sein erster Roman, erschienen im Hanser Verlag. Viktor ist anders. Anders als die meisten Kinder seines Alters. Als er von seiner Oma mit der Schinkengabel aus dem Bauch seiner Mutter geholt und gerade noch davor bewahrt wird, beim Betreten der Welt einen Genickbruch zu erleiden, ist er schief und schräg. Er muss ein Korsett tragen, die sogenannte ,Rückenspinne’, die durch stetigen Druck dauerhaft nässende Wunden an seinem Rücken hervorruft. In Viktors Land ist Krieg, den er, von seiner Familie getrennt, mit dem einbeinigen Dschib, einem Hund namens Tango und dem rothaarigen Mädchen zu überleben versucht. Seine Familie verliert Viktor bei einem vom Militär angeordneten Umzug, vom Dorf der Glücklichen, wie es genannt wird, auf die andere Seite des Flusses. Den einbeinigen Dschib indessen lernt Viktor auf einem Friedhof …

Mark Long, Nate Powell & Jim Demonakos – Das Schweigen unserer Freunde

Mark Long ist ein amerikanischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Spieleentwickler. Gemeinsam mit Jim Demonakos, Gründer der jährlich stattfindenden Emerald City Comicon in Seattle, schrieb er die Geschichte zu “Das Schweigen unserer Freunde“, die auch viele Erlebnisse aus seiner eigenen Kindheit in den Südstaaten aufgreift. Nate Powell steuerte seinerseits die Illustrationen bei. Neben seiner zeichnerischen Tätigkeit im Graphic Novel – und Comicbereich besitzt er ein Plattenlabel und trat mit mehreren Punkbands auf. Für seine 2008 erschienene Graphic Novel Swallow Me Whole erhielt er 2009 den Eisner Award. ,Das Schweigen unserer Freunde‘ erschien unlängst bei Egmont. Der Titel dieser Graphic Novel geht auf ein Zitat Martin Luther Kings zurück: ,Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde.‘ Wir befinden uns 1968 in Houston, Texas. Unruhen und Diskriminierung prägen das tägliche Leben, Schwarze und Weiße leben strikt voneinander getrennt, in einschlägig bekannten Stadtvierteln verteilt der Ku-Klux-Klan Einladungen zu seinen Zeremonien und Zusammenkünften. Jack Long ist Journalist und lebt mit seiner Familie in einem solchen Viertel. Er ist kein überzeugter …

Marc-Uwe Kling – Die Känguru-Chroniken & Das Känguru-Manifest

“Heinrich, mir graut vor dir.” – Thomas Mann Marc-Uwe Kling ist (Klein)künstler. Er lebt in Berlin Kreuzberg und seine Oma heißt Herta. Oder Gerda? Marc-Uwe teilt seine kleine Wohnung mit einem kommunistischen Känguru. Es war im Vietnamkrieg. Viel wurde schon geschrieben über diese ganz besondere Wohngemeinschaft, die dem Herrn Kling niemand so recht abnehmen will, dabei ist es der satirisch durchdachteste zoologisch-humane Zusammenschluss seit Flipper, Lassie, Free Willy und Kleiner Onkel. Und die waren alle noch viel unpolitischer! „Was machst du da?“, fragt das Känguru. Ich halte inne. „Siehste doch“, sage ich. „Du seilst dich mit Bergsteigerausrüstung vom Balkon ab?“ „Eben“, sage ich und lasse mich noch ein Stück weiter hinunter.„Also gut“, sagt das Känguru. „Ich formuliere meine Frage um: Warum machst du das?“ „Na, ich will nach unten.“ „Ach so“, sagt das Känguru. Am Balkon der Nachbarin von unten bleibe ich fast an den Blumenkästen hängen. Das Känguru beugt sich über unser Balkongeländer. „Verzeih, wenn das Folgende vielleicht sehr dumm ist – aber darf ich fragen, warum du nicht einfach die Treppe benutzt?“„Ich will …