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Bitte übernehmen Sie, Mareike Fallwickl!

Gerade ist ihr Debütroman »Dunkelgrün, fast schwarz« erschienen und ich freue mich sehr, dass Mareike Fallwickl nun als vielgelobte Autorin Teil meiner Interviewreihe ist.

Das Schreiben begann für mich …

schon in der Volksschule. Es gab da einen Ordner mit Anfängen für Geschichten, da durfte man sich was aussuchen, wenn man mit den Aufgaben fertig war, und schreiben. Irgendwann hab ich den Ordner mit nachhause genommen, außer mir hat sich sowieso niemand dafür interessiert. Im Gymnasium dann, als ich elf war, sagte meine Deutschlehrerin, ich solle nicht immer so viel schreiben bei der Schularbeit, sie habe keine Lust, das alles zu lesen und zu korrigieren. Aber es war einfach so: Hatte ich erst mal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören, die Fantasie ging mit mir durch. Heute denke ich, das war so wunderbar. Als alles noch leicht war.

Ein Buch muss …

mir wehtun. Ich will etwas spüren beim Lesen. Ich langweile mich schnell, und von guter Literatur erwarte ich genau das Gegenteil: dass sie mich rausreißt, mich wach macht, im Idealfall richtiggehend aufschneidet, mir ins Gesicht schlägt. Etwas in mir anrührt, Empfindungen auslöst – die gar nicht nur positiv sein müssen. Ein Buch soll die Hülle knacken, unter der wir uns verstecken.

Wenn ich keine Bücher schreiben würde, könnte ich …

innerlich viel ruhiger sein.

Ein Kindheitstraum von mir war …

tatsächlich, einen Roman zu veröffentlichen. Seit ich mit acht Jahren „Die unendliche Geschichte“ gelesen habe, wollte ich das auch: etwas erfinden, das so faszinierend ist, mit Worten etwas erschaffen. Ich habe nur nicht gewusst, dass es so hart sein und so lange dauern würde, bis es mir gelingt, diesen Traum wahr zu machen.

Wenn ich nicht schlafen kann …

dann sind daran sicher meine Kinder schuld.

Völlig unterschätzt wird …

eine Umarmung. Wer selbst umarmt werden möchte, sollte den anderen umarmen. Das ist schwer, aber es wirkt Wunder.

Wenn ich Musik höre …

singe ich auch mit. Sogar, wenn es Kinderlieder sind. Als meine Tochter zwei war, hat sie mir mal den Mund zugehalten, als ich gesungen habe, und gesagt: „Mama, nein.“ Kann ich auch nicht verstehen, wieso.

Ich erfülle folgendes Autorenklischee:

Wenn ich von meinen Figuren erzähle, hört es sich an, als hätten sie ein Eigenleben. Das machen Autoren ganz gern, und man denkt dann, die spinnen irgendwie. So ein Buch entwickelt aber wirklich eine Eigendynamik. Man erschafft Figuren, holt sie zu sich ins Zimmer, dann sitzen die da und reden, nehmen das Ruder in die Hand und tun Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat.

Eine meiner seltsamsten Angewohnheiten ist es …

sofort, wenn ich ein Buch ausgelesen habe, ein neues zu beginnen – von dem ich aber nur die erste Seite lese. Dann lege ich es wieder weg. Das ist schon merkwürdig und ergibt nicht viel Sinn. Als müsse ich mich vergewissern, dass es wieder eine neue Geschichte geben wird nach der, die ich gerade beendet habe.

Literatur kann …

auch in digitalen Zeiten überleben. Hoffe ich.

Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Texterin und Lektorin, schreibt für eine Salzburger Zeitung eine wöchentliche Kolumne und betreibt seit 2009 einen Literaturblog. Für ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundeskanzleramts Österreich. Mareike Fallwickl lebt im Salzburger Land.

Foto: Gyöngyi Tasi

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